Ukrainer in der Schweiz: «Drohungen des Westens bestärken Russland»
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Ukrainer in der Schweiz«Drohungen des Westens bestärken Russland»

Während auf der Krim über die Zukunft der Halbinsel entschieden wird, verfolgen Ausland-Ukrainer die Lage mit Spannung. Einer erklärt, warum Russland auch als Chance gesehen wird.

von
vro

Die Lage auf der ukrainischen Halbinsel ist angespannt. Während Russland mit allen Mitteln Propaganda betreibt, droht der Westen mit wirtschaftlichen Konsequenzen, falls sich Moskau nicht zurückzieht. Trotzdem wurden die Krim-Bewohner am Sonntag dazu aufgerufen, an die Urnen zu gehen und über die Zukunft der Halbinsel abzustimmen. Das Ergebnis scheint bereits vor der Schliessung der Wahllokale festzustehen. Ein Übertritt in die russische Föderation ist sehr wahrscheinlich. Vadim Uvin (26) stammt aus der Stadt Sewastopol und lebt derzeit in Langenthal. Er ist klar für einen Wechsel der Krim zu Russland. Im Interview erklärt er, warum.

Herr Uvin, wie sieht es derzeit auf der Krim aus?

Vadim Uvin: Die Lage ist ruhig. Viele Leute sind schon morgens an die Urne gegangen. Die Wahlbeteiligung wird sehr hoch sein. Normalerweise sind es rund 60 Prozent der Bevölkerung, heute werden es wohl etwa 80 Prozent sein. Vielen ist klar, wie das Ergebnis lauten wird. Meine Freunde und Verwandten, die auf der Krim leben, haben allesamt für Russland gestimmt.

Warum wollen sie zu Russland?

Viele von ihnen sprechen russisch, was von der Ukraine nicht offiziell anerkannt wird. In Sewastopol wird der Bürgermeister ausserdem von Kiew gewählt, die Einwohner haben kein Stimmrecht. Wir wollen nur russisch sprechen und die russische Kultur leben dürfen. Aber die ukrainische Regierung setzt uns unter Druck. Dabei fühle ich mich näher zu Russland als zur Ukraine.

Der Westen droht mit Sanktionen. Machen sich die Bewohner der Halbinsel Sorgen?

Die Leute auf der Krim haben nicht wirklich Angst vor möglichen Strafen des Westens. Das sind nur Worte. Solche Drohungen bestärken Russland ausserdem in ihrem Vorhaben, das russisch sprechende Volk zu beschützen. Was es braucht, ist ein Dialog.

Wie sieht die Zukunft der Ukraine aus?

Die Krim hat kaum Fortschritte gemacht, seit sie zur Ukraine gehört. Es gibt fast keine Touristen, was sich mit einem Beitritt zur russischen Föderation hoffentlich ändert. Bei der Abstimmung geht es nicht nur um Putin, sondern um viel mehr. Russland wird der Krim hoffentlich mehr Fortschritt bringen.

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