Neuer Trend: «Dropshipping ist Onlinebetrug durch Gen Z»

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Neuer Trend«Dropshipping ist Onlinebetrug durch Gen Z»

Dass die Jungen ihr Geld lieber mit Dropshipping statt mit einer Lehre verdienen, findet der Grossteil der Community problematisch.

von
Deborah Gonzalez
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In den Videos geben Userinnen und User Tipps oder erzählen, wie sie ihren «9-to-5-Job» aufgaben und mit Dropshipping reich wurden.

In den Videos geben Userinnen und User Tipps oder erzählen, wie sie ihren «9-to-5-Job» aufgaben und mit Dropshipping reich wurden.

Screenshot Tiktok
Dabei zeigen sie auch ihr neues luxuriöses Leben und posieren mit teuren Uhren, Sportautos und Bündeln von Geldscheinen.

Dabei zeigen sie auch ihr neues luxuriöses Leben und posieren mit teuren Uhren, Sportautos und Bündeln von Geldscheinen.

Screenshot Tiktok
Laut Zumstein hat der Dropshipper die angebotenen Produkte nicht auf Lager, sondern bestellt diese erst beim Hersteller, wenn ein Kunde oder eine Kundin diese bestellt. (Symbolbild)

Laut Zumstein hat der Dropshipper die angebotenen Produkte nicht auf Lager, sondern bestellt diese erst beim Hersteller, wenn ein Kunde oder eine Kundin diese bestellt. (Symbolbild)

Getty Images

Darum gehts

  • Der als Dropshipping bekannte Online-Handel liegt bei den Jungen im Trend. Sie kaufen Produkte günstig ein und machen beim Weiterverkauf Gewinn.

  • «Geld ohne Arbeiten» oder «44’000 Euro in zwei Monaten»: Videos auf Tiktok versprechen schnelles Geld.

  • Dass Dropshipping im Fokus der Jugendlichen liegt, findet die Community nicht gut. Nur wenige stehen hinter der Jugend.

Dropshipping ist vor allem bei Jugendlichen immer beliebter. Doch was genau ist das? Gemäss Darius Zumstein, E-Commerce-Experte an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft ZHAW, baut man bei Dropshipping einen Online-Shop auf und erstellt dafür eine Website. Der Dropshipper hat die angebotenen Produkte nicht auf Lager, sondern bestellt diese erst beim Hersteller, wenn ein Kunde oder eine Kundin bestellt. 

Dropshipping anstatt Lehrstelle: eine Tatsache, wie eine Lehrerin auf Twitter schreibt. Auf Tiktok gibt es zahlreiche Videos dazu. Die Titel lauten unter anderem «So startest du mit Dropshipping», «Geld ohne Arbeiten» oder «44’000 Euro in zwei Monaten». Der Grossteil der 20-Minuten-Community hinterfragt die Arbeitsmoral der Jungen. Nur wenige Leser und Leserinnen denken, dass man mit Dropshipping erfolgreich sein kann.

«Ich sehe den Vorteil für den Kunden nicht»

Leser a.k15 sieht bei dieser Art Shops einige Fallen: «Das Konzept geht ohne das nötige Know-how oder einen Buchhalter, der die Steuern zahlt, gar nicht auf. Spätestens wenn das Finanzamt auf der Matte steht, ist es vorbei.» Das Thema Steuern wird in den Kommentaren oft wiederholt. Genauso wie die Frage nach dem Vorteil.

So schreibt vanity-fair: «Warum soll ich dort bestellen, wenn ich es auch direkt beim Händler kann?» Ähnlicher Meinung ist Tollkirsche: «Ich sehe den Vorteil für den Kunden nicht.» Und weiter: «Wenn der Anbieter die Ware erst nach der Bestellung in Asien bestellt, wartet man als Kunde ewig. Wenn ich Billigware aus Asien möchte, kann ich sie gleich direkt bestellen, ohne einen Margen abgreifenden Mittelsmann hier in der Schweiz.»

«Lasst die Finger davon und geht arbeiten!»

Fred2 geht etwas weiter und bezieht sich in seinem Kommentar auf die junge Generation: «Eine ungute Entwicklung, die sich da abzeichnet …» Gillonn sieht es ähnlich und rät Gen Z: «Lasst die Finger davon und geht arbeiten!» Mani-meirbub kann Dropshipping nichts Positives abgewinnen. Er findet: «Das ist einfach der Onlinebetrug durch die Gen Z.»

Ist Dropshipping eine Option für dich?

Alalicia zeigt auf, was in ihren Augen das Problem ist: «Auf Tiktok ist plötzlich jeder Dropshipping-, Instamarketing- und Krypto-Experte und jeder will es dir beibringen, damit auch du es schaffen kannst! Aber natürlich nur, wenn du den Kurs für 200 Franken buchst …»

«So einfach ist Dropshipping dann doch nicht»

CaMau weist darauf hin, dass es solche Shops wie Sand am Meer gebe. Und: «Wer genau hinschaut, sieht auf Anhieb, dass die Fotos der Waren von grossen chinesischen Online-Einzelhandelsplattformen sind.» Retouren gebe es seines Wissens bei den Facebook- und Instagram-Shops nicht, eine Kontaktaufnahme würde abgeblockt. Bei  Unzufriedenheit bleibe der Kunde auf der Ware sitzen, so der Leser weiter. 

Double_a möchte mit seinem Kommentar darauf aufmerksam machen, dass es bei Dropshipping noch um etwas anderes geht: «Die richtige Arbeit ist jedoch, die Produkte zu vermarkten ... So einfach ist das Dropshipping dann doch nicht.»

«Man kann sehr viel damit Geld verdienen»

Einige Leserinnen und Leser sind anderer Meinung. So etwa BruceL, der schreibt: «Wenn man das richtige Know-How und gute Beziehungen hat, kann man damit sehr viel Geld verdienen.» Er verweist auf den Dropshipping-Deal, bei dem während der Pandemie dem Bund Masken für «zig-Millionen» verkauft wurden.

Auch Connor sieht positive Aspekte beim Dropshipping: «Es ist wichtig, Neues auszuprobieren, denn die digitale Welt öffnet völlig neue Türen.» Einen Wermutstropfen sieht aber auch er: «Es scheint mir so, als würden einige Menschen ohne viel Fleiss schnell zu Geld kommen wollen. Einige wenige schaffen das vermutlich auch, aber der Rest geht leer aus.» Trotzdem findet er: «Solange es aber nicht andere Mitbürgerinnen und Mitbürger ausbaden müssen, kann ich gut damit leben, dass Junge so ihr Geld verdienen.»

«Man kann gute Rendite machen»

Realistus spricht positiv über die Wahl vieler Jugendlicher: «Geschäftstüchtigkeit finde ich eine gute Eigenschaft. Wenn man es schafft, den Aufwand gegenüber dem Ertrag zu minimieren, dann ist das doch super!»

DerFussgänger kann die Kritik am Trend der Jugendlichen nicht nachvollziehen: «Das ist doch völlig normaler Handel? Manche kaufen Corona-Masken billig in China und verkaufen sie teuer in der Schweiz. Ich sehe den Unterschied nicht.» Und ricardo75 schreibt: «Da kann man sogar gute Rendite machen, wenn man die Produkte auf Lager nimmt und dem Kunden keine langen Lieferfristen zumutet.»

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