3D-Print-Waffen: Druck dir deine Knarre selbst!
Aktualisiert

3D-Print-WaffenDruck dir deine Knarre selbst!

Waffenfans in den USA arbeiten an Do-it-yourself-Pistolen auf Knopfdruck. Gegen ihre öffentlich zugänglichen Baupläne für 3D-Drucker greifen Waffengesetze nicht.

von
Martin Suter
New York

Wie so viele neue Technologien hat jetzt auch das dreidimensionale Drucken seine dunkle Seite entdeckt. Unter der Führung eines texanischen Jus-Studenten schickt sich eine Gruppe von Waffennarren an, den Bauplan für eine funktionsfähige Feuerwaffe zu designen, die sich mit einem 3D-Printer ausdrucken lässt. In einem Video auf der Website Defense Distributed erklärt Cody Wilson, man hoffe, die nötige Datei in rund zwei Monaten erstellt zu haben. Anschliessend werde sie auf dem Internet veröffentlicht.

Was auf den ersten Blick hirnrissig wirkt, findet beträchtlichen Zuspruch. Wilsons Gruppe versuchte im August, ihre Idee einer «Wiki-Waffe» über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo zu finanzieren. Doch das Projekt wurde rasch von der Geldsammel-Seite verbannt, angeblich weil das Vorhaben gegen die Nutzungsbedingungen von Indiegogo verstiess. Defense Distributed musste über die eigene Website auf Sympathisantensuche gehen – und hatte damit grossen Erfolg. Schon Ende September war das Sammelziel von 20 000 Dollar erreicht.

Ein Schuss genügt

Konkret haben Wilson und seine Gesinnungsgenossen vor, mit dem Geld einen Computer zu kaufen und einen professionellen 3D-Drucker zu mieten. Auf diesem wollen sie dann ihre Baupläne testen und perfektionieren. In einem zweiten Schritt soll die Datei so verändert werden, dass sie auch für den preiswerten «RepRap»-Drucker taugt.

Da 3D-Drucker für den Hausgebrauch dünne Fäden thermoplastischer Kunststoffe aufeinanderschichten, ist die Herstellung einer stabilen, schiessfähigen Pistole nicht einfach. Für Wilson ist das kein Problem. Dem Magazin «Forbes» sagte er im August: «Wir wollen das Prinzip unter Beweis stellen, dass eine Handfeuerwaffe druckbar ist. Man muss damit nicht 200 Schüsse abgeben können.» Im Video fügt er hinzu: «Sie muss nur einmal tödlich sein.»

Wilson behauptet, es gehe bei dem Projekt gar nicht so sehr um die persönliche Bewaffnung. Seine Gruppe habe keinesfalls vor, Waffen zu drucken und zu verkaufen. Stattdessen, sagt er im Video, wolle sie «ein Statement gegen die internationalen Kleptokraten» abgeben und eine Lanze für die Informationsfreiheit auf dem Internet brechen. «Information sollte frei sein und sie will frei sein», sagt Wilson am Schluss.

Umgehung von Hintergrund-Checks

Die meisten Leute hinter «Defense Distributed» sind aber begeisterte Anhänger des Rechts auf Waffentragen. Entsprechend beunruhigt sind Gegner der liberalen Waffengesetze in den USA. Sie bekümmert, dass Kunststoffwaffen womöglich durch die Sicherheitskontrollen an Flughäfen geschmuggelt werden können. Munition lässt sich in den meisten US-Gliedstaaten ohne Waffenschein in den Gun Shops kaufen. Und nach Gebrauch kann man die Plastikpistole einfach zum Verschwinden bringen, indem man sie einschmilzt.

Daniel Gross, der Präsident der Kampagne zur Verhinderung von Waffengewalt, bezeichnete die Vorstellung von 3D-gedruckten Feuerwaffen gegenüber der «New York Times» als «beängstigend». «Es könnte eine weitere Möglichkeit entstehen, wie Leute die Hintergrund-Checks umgehen und sich eine Waffe beschaffen.»

Gleicher Hartplastik wie bei Legosteinen

Waffenfans argumentieren, bereits heute seien auf dem Internet Baupläne für improvisierte Selbstbau-Feuerwaffen erhältlich. Laut dem Hobby-Waffenschmied Michael Guslick kann zum Beispiel die «Zip Gun» vollständig aus Teilen zusammengebaut werden, die im Sanitärhandel erhältlich sind. Laut «Times» hat Guslick bereits eine halbautomatische AR-15 Maschinenpistole gebaut, bei der das wichtige Verbindungsteil zwischen Abzug, Griff und Patronenmagazin aus einem 3D-Printer stammt. Guslick verbaute den für Lego-Bausteine verwendeten Hartplastik ABS. Alle übrigen Bauteile konnte er legal in Waffenläden kaufen.

Wie «Forbes» berichtet, unterzog Guslick seine Pistole im Juli einem Dauertest. Ergebnis: Sie überstand 200 Schuss, ohne dass das gedruckte Kunstoffteil sichtbar Schaden nahm.

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