«Cradle-to-Cradle»: Druckerei im Emmental hat die Kreislaufwirtschaft perfektioniert

Publiziert

«Cradle-to-Cradle»Druckerei im Emmental hat die Kreislaufwirtschaft perfektioniert

«Cradle-to-Cradle» gilt als Königsdisziplin der Kreislaufwirtschaft: Kein Rohstoff wird verschwendet. Eine Druckerei im Emmental hat ihren Betrieb erfolgreich umgestellt. Der Aufwand war jedoch gross.

von
Jan Graber
Ein Unternehmen wie hier die Druckerei Vögeli aufs «Cradle-to-Cradle»-Prinzip umzustellen, bedingt viele Versuche und hohe Investitionen.

Ein Unternehmen wie hier die Druckerei Vögeli aufs «Cradle-to-Cradle»-Prinzip umzustellen, bedingt viele Versuche und hohe Investitionen.

Druckerei Vögeli

Darum gehts

Es klingt wie die Lösung aller Abfallprobleme: «Cradle-to-Cradle» – zu Deutsch: «von der Wiege zur Wiege». Der Begriff geht zurück auf ein Buch des deutschen Chemikers Michael Braungart und des amerikanischen Architekten William McDonough aus dem Jahr 2002.

In ihrem Werk fordern die Autoren, dass Produkte so konstruiert sein müssen, dass sich entweder alle Stoffe durch Recycling zurückgewinnen und wiederverwenden lassen oder sie zum Beispiel durch Kompostieren schadlos in die Natur zurückgelangen.

Auf dem Weg zum Kreislauf

«Cradle-to-Cradle» beschreibt damit den perfekten Kreislauf. Die Folge wäre eine massiv kleinere Ausbeutung der Natur. Wegen des radikalen Ansatzes glauben jedoch nicht alle an die Umsetzbarkeit von «Cradle-to-Cradle». Dazu später mehr.

Keine Zweifel am Sinn von «Cradle-to-Cradle» hat Renato Vögeli, der zusammen mit seinem Bruder die Druckerei Vögeli im Emmental führt. 2016 entschieden sich die Brüder, den Familienbetrieb auf den Kreislaufweg zu schicken.

Kein leichter Weg: Von den Druckfarben und Lacken über die Waschmittel bis zu den Papieren und Leimen mussten alle Produkte giftfrei und rezyklierbar werden. Dies bedeutete zuerst, die passenden Lieferanten zu finden – oder bestehende Produkthersteller von der guten Sache zu überzeugen.

Versuch und Irrtum

Auch mussten sie selbst experimentieren, zum Beispiel, weil Farben ohne bestimmte Zusatzstoffe weniger schnell trockneten. «Wir probierten einfach, bis es funktionierte», sagt Vögeli.

Nicht immer hielten die Produkte, was sie versprachen. «Wir liessen alle Stoffe exakt analysieren», sagt Vögeli. So hätten sie zum Beispiel herausgefunden, dass ein vermeintlich schadstofffreier Leim für Kinderbücher in der Tat Schadstoffe enthielt – einfach unter dem gesetzlichen Grenzwert.

«Cradle-to-Cradle» ist diesbezüglich jedoch kompromisslos – das System kennt keine Grenzwerte. Stoffe, die nicht absolut rein sind, sind radikal ausgeschlossen – und die Liste ist lang. «Laminierte Umschläge und Briefcouverts mit Fenstern lassen sich noch nicht mit dem ‹Cradle-to-Cradle›-Prinzip herstellen», sagt Vögeli.

Kritik an der Umsetzbarkeit

An diesem Punkt setzt auch die Kritik von «Cradle-to-Cradle» an. Das Prinzip sei zu radikal und lasse sich nicht umsetzen. Auch wäre dazu ein kompletter Umbau des Wirtschaftssystems nötig. Die Entwicklung neuer Stoffe brauche viel Zeit und koste eine Menge Geld.

Davon liessen sich die Vögelis nicht abschrecken. «Die Umstellung war tatsächlich aufwendig und kostenintensiv», gibt Renato Vögeli zu. Die Kosten hätten sie selbst getragen. Der Geschäftsführer zeigt sich zufrieden: Die meisten ihrer Druckprodukte liessen sich rezyklieren. «Wir nehmen auch Produkte zurück und führen die internen Ausschüsse zu hundert Prozent in den Kreislauf zurück», sagt er.

«Cradle-to-Cradle» gebe einem Unternehmen einen klaren Fokus, ergänzt er. Ihre Druckerei habe 2019 als erste das Zertifikat «Cradle to Cradle Certified Gold» erreicht. «Wir wollen Kunden gewinnen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist», schliesst Vögeli.

Was hältst du vom «Cradle-to-Cradle»-Prinzip?

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

1 Kommentar