Aktualisiert 19.08.2009 12:55

Zoo ZürichDscheladas haben ihre Anlage zum Fressen gern

Die Dscheladas oder Blutbrustpaviane im Zürcher Zoo fühlen sich sichtlich wohl in ihrer neuen Anlage. Sie haben sie sogar so gern, dass sie im vergangenen Frühling eine Weile ausquartiert werden mussten: Sie hatten praktisch alle Gräser innert Kürze abgefressen.

Die Affen hocken am grasigen Hang zwischen den Felsen und zupfen mit ihren Fingern an den Halmen. Immer wieder reissen sie ganze Grasbüschel aus und stecken diese genüsslich in den Mund. «Nicht mit dem besten Futter konnten wir sie von dieser Tätigkeit ablenken», sagte Kurator Robert Zingg am Mittwoch vor den Medien.

Rund 17 000 Gräser hatte der Zoo in Töpfen angezogen und dann in dem im Herbst 2008 eröffneten «Afrikanischen Gebirge» ausgepflanzt. Eine Vegetationsperiode hatten sie Zeit, mit ihren Wurzeln Fuss zu fassen. Und dann kamen die Dscheladas und begannen «mit Hingabe die Halme zu bündeln und dann zu essen» so Zingg.

Tiere mussten raus

Man habe gewusst, dass Dscheladas spezialisierte Grasfresser sind. «Doch dass sie die Gräser derart wegputzen, machte uns ernsthaft Sorgen», sagte Zingg. Nach einem harten Winter und dem erneuten Run der Affen auf die jungen Gräser mussten die Tiere ihr neues Zuhause für sechs Wochen verlassen.

«Jetzt haben wir eine gute Unterlage, der Hang konnte stabilisiert werden», sagte Zingg am Mittwoch. Die Dscheladas haben ihren Hang zwar immer noch zum Fressen gern, aber die Beweidung verteilt sich jetzt auf ein breiteres Pflanzenangebot. Die Affen dürfen aber immer noch nicht 24 Stunden auf der Anlage rumtollen.

Männchen buhlt um eigenes Harem

Mittlerweile leben im Zoo Zürich 28 dieser Blutbrustpaviane. Sie leben in einer komplexen Sozialstruktur. Momentan sind es zwei so genannte Harems, mehrere Weibchen mit ihren Jungtieren, die von einem Männchen geführt werden. Ein drittes Männchen buhlt noch um die Gunst der Weibchen.

«Er wird vielleicht versuchen, aus dem grösseren Harem eine eigene Gruppe herauszutrennen», sagte Zingg. Oder er könnte versuchen, ein anderes Männchen zu vertreiben. Es werde sehr spannend zu sehen, wie sich die Gruppe entwickelt, so Zingg. Nicht immer würden solche Platzkämpfe aber unblutig ausgehen.

Neben den Dscheladas leben im «Afrikanischen Gebirge» noch ein Paar nubische Steinböcke, ein Klippschliefer-Männchen und sein Weibchen mit zwei Jungen sowie zwei Blauflügelgänse. «Sie sind der ruhende Pol in dieser Gemeinschaft», sagte Zingg.

Das Zusammenleben sei sehr friedlich. Doch kürzlich sei ein Dschelada-Männchen von seinem eigenen Mut überrascht worden. «Er packte plötzlich einen Steinbock an den Hörnern», so Zingg, «um sich dann aber sehr schnell wieder aus dem Staub zu machen.» (sda)

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