Aktualisiert 29.04.2008 16:18

Dschihad-Aufruf von deutschem Islamisten

In einer Video-Botschaft im Internet hat der deutsche Islamist Eric B. aus dem Saarland zum Heiligen Krieg aufgerufen.

Es sei davon auszugehen, dass es sich bei der gestern entdeckten Aufzeichnung um einen Aufruf zur Teilnahme am Dschihad handele, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Frank Wallenta, heute der Nachrichtenagentur AP. Die teils in Deutsch und teils in anderen Sprachen verfasste Botschaft werde derzeit von Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) ausgewertet.

Erst vor weniger als zwei Wochen hatte das BKA vor terroristischen Aktivitäten des 20-Jährigen gewarnt. Er soll zusammen mit dem 23-jährigen Houssain al-M. im vergangenen Jahr über Ägypten und den Iran nach Pakistan gereist sein und sich derzeit im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan aufhalten. Konkrete Hinweise auf geplante Anschläge in Deutschland gebe es derzeit jedoch nicht, sagte ein BKA-Sprecher der AP. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft bezieht sich der Dschihad-Aufruf eher auf den Kampf in Afghanistan.

Nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) wurde das Video auf einer radikal-islamischen Internetseite veröffentlicht. Der 20-Jährige aus Neunkirchen rufe darin zur aktiven Mitarbeit am Dschihad auf. Er bitte um Unterstützung des Kampfes durch Teilnahme oder Geldspenden. Deutsche Ermittler hielten das Video für «beunruhigend», berichtete der Sender.

Familie laut Bericht von Psychologen betreut

Die «Bild»-Zeitung berichtete in einer Vorabmeldung, Eric B. erkläre auf dem Abschiedsvideo seine Bereitschaft, sich für seinen neuen Glauben in die Luft zu sprengen. Die Familie des 20-Jährigen in Neunkirchen werde derzeit von Psychologen betreut.

«Focus Online» hatte Anfang April berichtet, den deutschen Behörden bereite vor allem Sorgen, dass Eric B. fliessend Deutsch spreche und dadurch schneller Vertrauen bei Deutschen erwecken könne. Sein Ziel könnten vor allem deutsche Uniformierte sein, also Soldaten oder Polizisten an deutschen Standorten in Kundus, Masar-i-Scharif und Kabul. Aber auch zivile deutsche Einrichtungen würden als gefährdet eingestuft.

Der «Spiegel» hatte berichtet, Eric B. habe in einer «Abschiedsmail» an seine Familie geschrieben, er werde nicht nach Deutschland zurückkehren, sondern «seine letzte Mission im Kampf erfüllen». Eric B. und Houssain al-M. sollen enge Verbindungen zur sogenannten Sauerland-Gruppe gehabt haben. Deren Terrorpläne waren im September vergangenen Jahres mit drei Festnahmen vereitelt worden waren. (dapd)

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