Aktualisiert 19.10.2012 11:18

In PakistanDschihadist aus Düdingen FR von Drohne getötet

Von der Schweiz aus hat Moes Garsallaoui jahrelang eine islamistische Hetzer-Website betrieben. Nun kam er offenbar bei einem Drohnenangriff in Pakistan ums Leben.

Der Dschihadist Moes Garsallaoui ist offenbar tot. Garsallaoui, der jahrelang von Düdingen FR aus islamistische Internetforen betrieb, sei bei einem Drohnenangriff in Pakistan getötet worden, meldete das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE.

SITE berief sich dabei auf eine in islamistischen Foren im Internet publizierte Todesnachricht. Demnach starb Garsallaoui bei einem Drohnenangriff in den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans. Die Region gilt als Rückzugsgebiet von radikalislamischen Taliban und Kämpfern der sunnitischen Terrororganisation Al-Kaida.

In der Nachricht im Internet wurde das «Martyrium des Kommandanten Abu Moes al-Tunisi, eines Militanten, der auch die Namen Dschund al-Chalifa (‹Armee des Kalifen›) und al-Kairouani trägt» verkündet.

Der Name Kairouani nimmt Bezug auf die tunesische Oasenstadt Kairouan, wo Garsallaoui 1968 geboren wurde. Auch die anderen Namen hatte der tunesisch-belgische Staatsbürger als Kampfnamen verwendet.

Verheiratet mit der «Schwarzen Witwe»

Garsallaoui war mit der als «Schwarze Witwe» bekannten radikalen Islamistin Malika al-Arud verheiratet, die 2010 in Belgien zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Arud wurde verurteilt, weil sie in Belgien «eine an Al-Kaida angegliederte Gruppe angeführt» hatte, die in Belgien und Frankreich junge Leute für den «Heiligen Krieg» in Afghanistan rekrutierte. Im gleichen Prozess wurde auch Garsallaoui zu acht Jahren Haft verurteilt.

Mit dem Tod Garsallaouis wird Arud zum zweiten Mal Witwe. Ihr erster Ehemann war einer der beiden Selbstmordattentäter, die am 9. September 2001 in Afghanistan den Kriegsherren und Kommandanten der Nordallianz, Ahmed Schah Massud, töteten. Massud war einer der Hauptgegner der Taliban.

Verurteilt in der Schweiz

Arud hatte die Tat ihres ersten Mannes begrüsst. Dies machte die Belgierin marokkanischer Abstammung zu einer Ikone von Dschihadisten und Terroristen.

Arud heiratete später Garsallaoui, der 1998 in die Schweiz gekommen war. Die beiden lebten jahrelang als Flüchtlinge in Düdingen FR, von wo aus das Paar islamistische Foren im Internet betrieb, auf denen sie unter anderem Propagandafilme von Enthauptungen und Bombenattentaten verbreiteten.

Mitte 2007 wurde Garsallaoui in der Schweiz zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er im Internet zur Gewalt aufgerufen hatte. Auch in Frankreich wurde das Ehepaar Arud-Garsallaoui wegen Gewaltaufrufen und der Rekrutierung junger Männer für den bewaffneten Kampf verurteilt.

Garsallaoui konnte jedoch die Schweiz 2007 verlassen und tauchte in den Stammesgebieten in Pakistan wieder auf.

Mutmasslicher Anwerber von Mohamed Merah

Garsallaouis Dschihadisten-Gruppe «Dschund al-Chalifa» soll auch den jungen Franzosen Mohamed Merah angeworben und in Pakistan trainiert haben, der im März dieses Jahres in Frankreich bei mehreren Anschlägen insgesamt sieben Menschen erschossen hatte.

Merahs Opfer waren zunächst Soldaten. Am 19. März erschoss er dann in Toulouse vor einer jüdischen Schule drei Kinder und einen Lehrer. Merah wurde drei Tage später von der Polizei in seiner Wohnung gestellt und schliesslich nach 32 Stunden Belagerung bei einem Schusswechsel durch Scharfschützen getötet. (sda)

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