Aktualisiert 24.01.2008 11:47

Dschungelcamp-Goalie blutig im Rattensarg

Eike Immel überstand im «Dschungelcamp» eine Prüfung in einem Holzsarg, der mit Wasser und Ratten geflutet wurde, und Tomekk entschuldigte sich für seinen Hitler-Ausfall. Experten kritisieren derweil die TV-Show.

Tag 13 im «Dschungelcamp»: Respekt vor Eike Immel! Obwohl der Goalie eine Phobie gegen Ratten hat, meisterte er die Prüfung «Ruhe sanft» mit Bravour. Minutenlang verharrte er in einem geschlossenen Holzsarg, der mit Wasser und 40 Ratten geflutet wurde. Die Nager retteten sich auf dem höchsten Platz ins Trockene: Auf Eikes Gesicht. Als der die Tiere abschütteln wollte, biss sich eine Ratte an seiner Lippe fest. Der 47-Jährige blieb cool, seine Standhaftigkeit bescherte den Campbewohnern mal wieder ein anständiges Essen.

Rausgewählt aus dem Dschungelcamp wurde gestern Barbara Herzsprung. Und DJ Tomekk, der wegen vermeintlich witziger Deutschtümelei die Show verlassen musste(20minuten.ch berichtete), schämt sich inzwischen für seinen schlechten Scherz. «Mein dummes Witz-Gelaber tut mir unendlich leid für alle, die sich davon betroffen fühlen. Sorry, sorry, sorry», erklärte er. Zu seiner Verteidigung muss man anführen: Tomekk ist gebürtiger Pole und besitzt zwei Pässe. Er hat eine farbige Freundin: Ein Rassist ist der DJ wohl nicht.

«Verletzung, Erotik und Beleidigung sind Teil dieses Konzepts»

Für Medienexperten Jo Groebel gehören Miniskandale zu einem solchen Format dazu. «Verletzung, Erotik und Beleidigung sind Teil dieses Konzepts», sagte der Direktor des Deutschen Digital Instituts der AP. Natürlich gelte das nicht für den Hitlergruss. Diesen hätte RTL sicher verhindert, wenn der Sender gekonnt hätte. Ansonsten sei der Tabubruch in solchen Shows schon fast zum Klischee geworden. «Faktisch ist es doch so, dass die Tabus, die hier gebrochen werden, gar keine mehr sind», sagte Groebel. Nach drei Runden Dschungelcamp und ekligen Tieren sei der Schockeffekt weg.

RTL widersprach: Miniskandale seien keineswegs Teil des Konzepts. «Natürlich nicht: So ein Vorfall wie dieser ist ganz sicher nicht einkalkuliert», sagte RTL-Sprecher Konstantin von Stechow über das von Tomekk erschienene Video. Dieser habe das Camp auch umgehend verlassen und nach Deutschland abreisen müssen.

Krankheiten wie bei Lisa Bund und Björn-Hergen Schimpf habe es auch in den vergangenen Staffeln immer gegeben. «Das kann vorkommen», räumte Stechow ein. Die Erkrankung von Lisa habe jedoch nicht am Camp gelegen: «Die hatte sie nach eigener Aussage bereits vorher.» Dem Sender sei dies nicht bekannt gewesen.

Quote auf hohem Niveau

Auf die Einschaltquoten hatten die Ereignisse laut RTL keinen Einfluss. «Es ist festzustellen, dass die Quoten auf hohem Niveau leicht steigen», sagte Stechow. Während den Einzug ins Camp in Deutschland insgesamt 4,6 Millionen Zuschauer verfolgten, waren es am Dienstag 5,36 Millionen, was einem Anteil von 21,9 Prozent entspricht. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen liegt die Quote dem Sender zufolge konstant bei mehr als 30 Prozent. Am Dienstag seien es 36,3 Prozent gewesen.

Das Geheimnis des Erfolgs liegt sicherlich darin, dass das Dschungelcamp tiefe Gefühle weckt. Ekel, Mitleid, Schadenfreude und Fremdschämen gehören ebenso dazu wie herzhaftes Lachen über die Selbstironie des Moderatoren-Duos Dirk Bach und Sonja Zietlow.

Neue Häme für B- und C-Promis

Für Groebel ist die Bedeutung, die Häme und Demütigung zukommt, eine Besonderheit neuerer Fernsehformate. Rumtrampeln auf Schwächeren sei inzwischen ein Prinzip. Die neue für die Häme freigegebene Gruppe der B- und C-Prominenz sei die einzige wirklich neue und durchaus diskutable Dimension des Dschungelcamps, sagte Groebel.

Das wirft die Frage nach den Motiven der Promis auf. Rückkehr ins Rampenlicht mag eines sein, Geld ist sicherlich ein anderes. So räumte Eike Immel ein, mit dem Honorar für die Dschungel-Strapazen die Operation seiner Hüftgelenke zu finanzieren. Die Höhe der Honorare ist ein von RTL gut gehütetes Geheimnis. Gerüchte, wonach sie individuell ausgehandelt wurden und der Dschungelkönig eine dicke Prämie bekommt, wollte der Sender nicht bestätigen. Die Gewinnerin der zweiten Staffel, Entertainerin Désirée Nick, sagte in einem Interview, sie habe sich davon in Berlin eine Eigentumswohnung am Gendarmenmarkt kaufen können. (dapd)

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