Sex-Affäre: DSK wegen Suizidgefahr stets überwacht
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Sex-AffäreDSK wegen Suizidgefahr stets überwacht

Für den wegen versuchter Vergewaltigung inhaftierten IWF-Chef Strauss-Kahn wurde eine besondere Zellenbewachung angeordnet. Der Anwalt des Opfers bestreitet derweil, dass der sexuelle Akt einvernehmlich war.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (zweiter von rechts) wird die versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten vorgeworfen.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (zweiter von rechts) wird die versuchte Vergewaltigung einer Hotelangestellten vorgeworfen.

Der wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung inhaftierte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn steht in Untersuchungshaft wegen Selbstmordgefahr unter besonderer Beobachtung. Der Chef der Gewerkschaft der New Yorker Justizmitarbeiter, Norman Seabrook, erklärte am Dienstag, die Sonderbeobachtung gelte für Strauss-Kahn in der Haftanstalt Rikers Island.

Ein Gewährsmann bei der Polizei bestätigte, dass Strauss-Kahn nach einer psychologischen Untersuchung besonders beobachtet werde. Der 62-Jährige habe aber nicht versucht, sich selbst zu verletzen. Alle Häftlinge in Rikers werden bei ihrer Ankunft routinemässig untersucht. Seabrook erklärte, während dieser Untersuchung habe Strauss-Kahn etwas gesagt oder getan, was den Ärzten Anlass zur Sorge gegeben habe. Er werde daher Tag und Nacht überwacht. Der IWF-Chef wurde am Samstag festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die New Yorker Hotelangestellte, die Strauss-Kahn der versuchten Vergewaltigung bezichtigt, wusste nach Angaben ihres Anwalts nicht, mit wem sie es bei ihrem mutmasslichen Angreifer zu tun hatte. Seine Mandantin habe vor dem Angriff auf sie nicht gewusst, welches Amt Strauss-Kahn innehabe, sagte Anwalt Jeffrey Shapiro am Dienstag. Auch die New Yorker Polizei sei zu dem Ergebnis gekommen, dass seine Mandantin die Wahrheit sage.

«Nicht einvernehmlich»

«Es gibt keine Möglichkeit, dass es einen Aspekt dieses Vorfalls gibt, der in irgendeiner Weise als einvernehmlich aufgefasst werden könnte», sagte Shapiro. «Dies ist nichts anderes als ein körperlicher sexueller Angriff dieses Mannes auf diese junge Frau.»

Die 32-jährige Hotelangestellte beschuldigt den IWF-Chef, sich in seiner New Yorker Hotelsuite nackt auf sie gestürzt und zum Oralsex gezwungen zu haben. Bei dem mutmasslichen Opfer handelt es sich nach Angaben Shapiros um eine Einwanderin aus dem westafrikanischen Staat Guinea und die Mutter einer 15-jährigen Tochter.

Strauss-Kahn ist wegen sechs Straftaten angeklagt. Dafür drohen ihm 25 Jahre Haft. Derzeit sitzt er auf einer Gefängnisinsel in New York ein.

Geithner will Übergangsdirektor

Die USA als wichtigstes Geberland des Internationalen Währungsfonds sind vom verhafteten IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn abgerückt. US-Finanzminister Timothy Geithner forderte eine Übergangslösung für die IWF-Führung. Strauss-Kahn sei «offensichtlich nicht in der Lage», den IWF zu lenken, sagte Geithner in New York. «Es ist wichtig, dass der Verwaltungsrat formell jemanden für eine Übergangszeit einsetzt, der als geschäftsführender Direktor agieren kann», zitierte das «Wall Street Journal» den Politiker.

Geithner sagte zudem, er sei zuversichtlich, dass der IWF trotz der gegenwärtigen Herausforderung seine Rolle in der Finanzwelt spielen werde. «Da passiert gerade eine Menge in der Welt, und da möchte man, dass der Währungsfonds hilfreich ist», sagte Geithner. «Ich bin aber überzeugt, dass er dazu in der Lage sein wird.» Der IWF hatte zuvor Strauss-Kahns Stellvertreter John Lipsky mit der Führung der Geschäfte beauftragt.

Unterdessen ist die Nachfolgedebatte in vollem Gang: Zu den Namen, die für den IWF-Chefposten genannt werden, gehören Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde und der britische Ex-Premier Gordon Brown. Als mögliche Kandidaten im Gespräch sind auch Thomas Mirow, der Chef der in London ansässigen Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, sowie der frühere deutsche Finanzminister Peer Steinbrück und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Kandidaten aus Schwellenländern

Bisher besetzen die Europäer den IWF-Chefposten mit Sitz in Washington. Im Gegenzug steht bislang stets ein Amerikaner an der Spitze der Weltbank. Inzwischen haben aber aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien mehr Einfluss beim IWF und wollen künftig auch Führungspositionen besetzen.

Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega sprach sich dafür aus, dass Kandidaten aus Entwicklungs- und Schwellenländern diesmal durchaus in Betracht kommen müssten. Zu den kursierenden Namen aus aufstrebenden Schwellenländern gehören der türkische Ex-Minister Kemal Dervis, Südafrikas Ex-Finanzminister Trevor Manuel sowie der mexikanische Zentralbank-Governeur Agustín Carstens.

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal. (sda/dapd)

Hotelangestellte will gegen Strauss-Kahn aussagen

Die angeblich von Dominique Strauss- Kahn angegriffene Hotelangestellte will gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds aussagen. Wenn die 32-Jährige aufgefordert werde, sei sie bereit, in den Zeugenstand zu treten, erklärte ihr Anwalt.

Derzeit arbeite sie bereits mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen, sagte Jeffrey Shapiro am Dienstag (Ortszeit) gegenüber dem TV-Sender CNN. Strauss-Kahn ist wegen sechs Straftaten angeklagt: Die schwerwiegendste ist sexueller Missbrauch in einem besonders schweren Fall. Dafür drohen ihm 25 Jahre Haft.

«Ihre Welt hat sich total auf den Kopf gestellt», sagte Shapiro: «Sie hat grosse Angst um ihre Zukunft.» Die 32-Jährige ist laut CNN eine allein stehende Mutter, die vor ein paar Jahren aus Guinea in die USA eingewandert sei.

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