3 mit Sex - «Du bist doch schwul, du weisst es einfach noch nicht»
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3 mit Sex«Du bist doch schwul, du weisst es einfach noch nicht»

Lars erzählt von seinem Coming-out – wieso es unbedingt passieren musste und wie sich einige Freundschaften dabei einfach aufgelöst haben.

von
Lars
Zora Schaad
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Schon früh sagte man ihm, dass er schwul sei, doch Lars wollte es anfangs nicht wahr haben. Als er es dann endlich akzeptiert hatte, verlor er Freundschaften.

Schon früh sagte man ihm, dass er schwul sei, doch Lars wollte es anfangs nicht wahr haben. Als er es dann endlich akzeptiert hatte, verlor er Freundschaften.

Illu: Anna Deér
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér
Er ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Bruce wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Er datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.
Bruce

Er ist ein bekannter Musiker, gilt als heterosexuell. Bruce wird auf der Strasse erkannt und empfängt Journalistinnen für Homestorys. Er datet öfter Männer als Frauen und muss aufpassen, dass ihn seine Groupies nicht ertappen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Die WG spricht über das Coming-out von Lars.

  • Die Reaktionen von Lars’ Umfeld auf seine Wahrheit sind unterschiedlich ausgefallen.

  • Manche Freunde kehrten ihm den Rücken, sobald sie erfuhren, dass Lars nicht hetero ist.

  • Für ihn war sein Coming-out wichtig, um ein Zeichen zu setzen.

Ella, Bruce und ich fläzen im Park. Wir trinken eine Flasche Weisswein und geniessen die Frühlingssonne. «…und dann habe ich ihr von meinem Dreier mit zwei Typen erzählt. Sie war total schockiert, dass ich bi bin, haha!» Bruce erzählt eine wilde Sexgeschichte. Ihm ist egal, was sein Umfeld über seine Bisexualität denkt, solange seine weiblichen Groupies nicht mitbekommen, dass er mindestens genauso gerne mit Männern in die Kiste steigt. Ich bewundere sein Selbstbewusstsein.

«Wie haben die Leute eigentlich reagiert, als du dich geoutet hast, Lars?» will Ella wissen. Unterschiedlich. Ein Coming-out ist ja nicht ein Knall mit aufsteigender rosa Staubwolke, die allen unübersehbar mitteilt, dass ich schwul bin. Sich outen ist eine ongoing story. Egal wo, irgendwann kommt der Punkt, an dem ich von meiner sexuellen Orientierung erzähle. Wie neulich, als eine Kollegin fragte, ob meine Freundin auch noch komme. Dass mir mit solchen Bemerkungen ständig vor Augen geführt wird, dass ich von der Norm abweiche, macht mir heute nichts mehr aus. Früher dagegen sehr.

«Jeder wollte wissen, ob ich schwul bin»

«Du bist doch schwul, du weisst es einfach noch nicht» - das hat die Mutter einer Schulfreundin zu mir gesagt, als sie mal eine ruhige Minute mit mir zu zweit hatte. Recht sollte sie behalten – unangenehm war es aber trotzdem. Schliesslich hatte ich mir meine Homosexualität zu dem Zeitpunkt noch nicht eingestanden.

Schnell habe ich gemerkt, dass ich in einer Welt lebe, die nach einer Stellungnahme verlangt. Immer mehr Leute wollten wissen, ob ich schwul bin. Schulfreundinnen oder die grosse Schwester eines Schulkollegen oder einfach Irgendwer. Bei jedem «darf ich dich mal etwas persönliches fragen», ist mein Herz stehen geblieben. Schliesslich war das wichtigste Coming-out jenes vor mir selbst.

Nach dem Coming-out gingen Freundschaften in die Brüche

Als ich endlich akzeptiert habe, dass ich schwul bin, habe ich es als erstes meiner Mutter gesagt. Diese Geschichte kennt ihr bereits. Sie hat es gut aufgenommen, meinte aber, dass es vielleicht wieder vorbei gehen würde. Kurz darauf habe ich es meinen Schwestern und meinen engsten Freund*innen erzählt.

Einige Freundschaften haben sich an dem Punkt aufgelöst. Viele waren enttäuscht, dass sie es nicht direkt von mir erfahren haben. «Ich habe ja kein Problem damit», meinte einer beleidigt. Aber ich hatte mich einfach nicht getraut.

«Mir ist es schnuppe, wer wen liebt»

Ella und Bruce haben den Wein inzwischen leergetrunken. «Wenn dein Coming-out niemanden etwas angeht, warum hast du dann eines gemacht?» will Bruce wissen. Für mich war das Coming-out wichtig, weil ich in einem Umfeld aufgewachsen bin, das Homosexualität nicht als normal betrachtet.

In diesem Umfeld brauchte ich ein Label für meine sexuelle Orientierung, auch für mich selbst. Denn eigentlich ist es mir schnuppe, wenn Frauen Männer lieben oder andere Frauen oder beides. Vielleicht wird bald ein Kind zu seinen beiden Vätern gehen und sagen: «Papa, ich bin hetero». Oder es wird einfach gar nichts sagen. Weil es nämlich egal ist, wen man liebt.

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Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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