Janelle Monáe im Interview: «Du bist entweder gegen Rassismus oder ein Rassist»
Publiziert

Janelle Monáe im Interview«Du bist entweder gegen Rassismus oder ein Rassist»

Der Film «Antebellum» erklärt, wie die Wunden der Sklaverei noch heute klaffen. Hauptdarstellerin Janelle Monáe (34) will, dass wir uns alle an der eigenen Nase nehmen.

von
Melanie Biedermann
1 / 8
Janelle Monáe spielt in «Antebellum» eine Art Doppelrolle: Als Eden lebt sie als Sklavin weisser Suprematisten auf einer Plantage.

Janelle Monáe spielt in «Antebellum» eine Art Doppelrolle: Als Eden lebt sie als Sklavin weisser Suprematisten auf einer Plantage.

Impuls
Die Szenen verlangten den Schauspielenden emotional wie physisch viel ab. «Ich erinnere mich, wie Jack (Huston, rechts im Bild), Eric und Jena nach jeder Szene fragten, ob alles in Ordnung ist», erinnert sich Monáe.

Die Szenen verlangten den Schauspielenden emotional wie physisch viel ab. «Ich erinnere mich, wie Jack (Huston, rechts im Bild), Eric und Jena nach jeder Szene fragten, ob alles in Ordnung ist», erinnert sich Monáe.

Impuls
Jack Huston, Eric Lange und Jena Malone (links im Bild) spielen die brutalen Sklavenhalter. Monáe wollte ihre Kollegen vorab privat kennen lernen. «Wenn du solche Szenen mit jemandem drehst, willst du wissen, dass die Person im echten Leben nicht im Traum daran denken würde, so zu handeln.»

Jack Huston, Eric Lange und Jena Malone (links im Bild) spielen die brutalen Sklavenhalter. Monáe wollte ihre Kollegen vorab privat kennen lernen. «Wenn du solche Szenen mit jemandem drehst, willst du wissen, dass die Person im echten Leben nicht im Traum daran denken würde, so zu handeln.»

Impuls

Darum gehts

  • Der Horror-Thriller «Antebellum» ist gerade in den Deutschschweizer Kinos angelaufen.

  • Der Film erzählt die Geschichte der Sklaverei als moderne Realität.

  • Im Interview erklärt Hauptdarstellerin Janelle Monáe (34), wie sie über die Arbeit im Film eine tiefere Verbindung zu ihren Vorfahren entwickelte und warum es an den Weissen ist zu handeln.

Janelle, «Antebellum» zeigt, wie die Geschichte unsere Gegenwart beeinflusst. Wie zeitgemäss der Film in Anbetracht der derzeitigen Proteste gegen Rassismus sein würde, konnte während der Produktion niemand ahnen. Die Gegenwart macht Angst, oder?

Ja, unsere Zukunft hängt davon ab, dass wir analysieren, was passiert ist, und verstehen, warum wir heute in dieser Situation sind. Es ist, wie William Faulkner sagt: «Die Vergangenheit ist nie vergangen.» Wir können nicht über den heutigen Rassismus und White Supremacy reden, ohne über die Geschichte der Sklaverei zu sprechen.

Du musstest dich für deine Rolle physisch wie psychisch in die Situation einer Sklavin versetzen. Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Ich musste meine eigene Geschichte anzapfen wie nie zuvor. Als ich das erste Mal einen Fuss auf die Plantage setzte, verstand ich, dass ich mich heute nur deshalb frei bewegen kann, weil meine Vorfahren gekämpft haben. Sie sind der Grund, warum ich heute hier sitzen und Interviews geben kann. Ich wollte ihre Lebensrealität authentisch darstellen und habe viel recherchiert. Tatsache ist, dass sie all das, was wir im Film sehen, und noch viel Schlimmeres durchlebt haben.

Zum Film

«Antebellum»

Der Trailer zum Film, der gerade in den Deutschschweizer Kinos angelaufen ist.

Impuls

Veronica Henley (Janelle Monáe) ist eine angesehene Autorin und Aktivistin, eine hingebungsvolle Ehefrau, Mutter und Freundin. Edens Leben wiederum hängt als Sklavin weisser Suprematisten am seidenen Faden. Das Regieduo Gerard Bush und Christopher Renz untergräbt mit seinem clever erzählten und kurzweiligen Thriller unseren Umgang mit Geschichtsschreibung und zielt mit brutalen Bildern direkt in die Magengrube.

Was war dabei die grösste Herausforderung für dich?

Mich nicht überwältigen zu lassen. Mir war wichtig, dass man zu jedem Zeitpunkt sieht, dass Veronica im Kern eine Kämpferin ist. Dass sie eine Vordenkerin ist, die Risiken eingeht und sich um ihre Community kümmert.

«Antebellum» ist als Thriller kategorisiert, doch Kritiker sprechen oft von modernem Horror. Stimmst du dem zu?

Ja, Sklaverei ist eine der entsetzlichsten Taten unserer Geschichte. In dieser Sache gibt es einfach keine Grauzone: Entweder folgst du der Ideologie, dass People of Color niedere Menschen sind, und beraubst sie ihrer Freiheit oder du tust es nicht. Du bist entweder Antirassist oder Rassist. Ich hoffe, dass alle, die den Film sehen, sich überlegen, wie sie zum Antirassisten werden und wie wir das rassistische System auflösen können.

Wie kann das gelingen?

Jeder von uns muss in den Spiegel schauen und das Monster töten, sozusagen. Ich weiss, dass einige Cast-Mitglieder sehr unangenehme Gespräche mit ihrer Familie hatten; manche haben herausgefunden, dass ihre Vorfahren selbst Sklaven hielten. Solche Diskussionen sind wichtig, denn solange sie sich nicht mit den Taten konfrontieren, passieren sie weiter. Sie müssen einen Weg finden, Rassismus aufzulösen.

Sie?

Das sollte nicht die Aufgabe der schwarzen Community sein. Jemand wie Veronica mag eine Überlebenskünstlerin sein, aber die Community lebt den Kampf noch immer tagtäglich. Emotional wie physisch.

Du hast eine Firma gegründet, die jungen Leuten aus den POC- und LGBTIQ+-Communities eine Plattform gibt. Was bedeutet dir diese Arbeit?

Ich glaube, die Aufgabe der Kunst, von Filmen oder auch Musik, ist es, die Diskussion am Laufen zu halten. Ich hoffe, ich kann damit zu einer besseren Zukunft beitragen, in erster Linie für die Generationen nach mir. Denn sie werden mit den Folgen unserer Handlungen leben müssen.

Hol dir den People-Push!

Wenn du den People-Push abonnierst, verpasst du nichts mehr aus der Welt der Reichen, Schönen und der Menschen, bei denen nicht ganz klar ist, warum sie eigentlich berühmt sind.

So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «People» an – schon läufts.

Deine Meinung

144 Kommentare