Beleidigungen im Tram: «Du bist so hässlich! Du bist so fett!»
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Beleidigungen im Tram«Du bist so hässlich! Du bist so fett!»

Eine betrunkene und aggressive Frau beschimpft und bedroht Passagiere in einem Zürcher Tram – kein Einzelfall. Doch bei verbalen Angriffen kann die Polizei gar nicht viel tun.

von
som
Der Vorfall ereignete sich in einem Tram, das Richtung Triemli unterwegs war.

Der Vorfall ereignete sich in einem Tram, das Richtung Triemli unterwegs war.

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Das 14er-Tram Richtung Triemli war voller Pendler , viele hatten keinen Sitzplatz. Eine junge Frau mit einer Bierflasche in der Hand steht mittendrin. «Offensichtlich war sie total betrunken», sagt eine Augenzeugin, die beim Stauffacher eingestiegen ist. Dann habe sie angefangen die Passagiere massiv zu beleidigen: «‹Du bist so hässlich, du bist so fett oder du siehst so alt aus›, schimpfte sie ohne Pause.»

Reagiert habe niemand: «Natürlich ist man sich in Zürich einiges gewohnt. Doch diese Frau war äusserst aggressiv.» Am Ende hat sie die Augenzeugin ins Visier genommen: «Sie kam mir ganz nahe und drohte, Videos von mir auf Youtube zu stellen.» Sie habe Angst gehabt, dass die Betrunkene handgreiflich werden könnte: «Ich fragte mich, was passiert, wenn sie an der gleichen Haltestelle wie ich aussteigt.»

Tramchauffeuse informiert

Deshalb habe sie der Tramchauffeuse gesagt, dass eine Frau Passagiere beleidige und bedrohe, so die Augenzeugin: «Sie hat es zur Kenntnis genommen.» Dann habe sie eine Haltestelle vor der Endstation Triemli das Tram verlassen, berichtet die Augenzeugin: «Zum Glück blieb die betrunkene Frau drin.»

Was danach geschah, ist unklar. Bei der VBZ liegen keine entsprechende Meldungen vor, wie Sprecherin Daniela Tobler auf Anfrage sagt: «Wir müssen davon ausgehen, dass die Frau am Triemli das Tram verlassen hat, andernfalls hätte die Trampilotin einen Kundenberater aufgeboten.»

Das Dilemma der Polizei

Dass die Augenzeugin zur Tramchauffeuse ging, sei richtig gewesen: «Wenn jemand so massiv stört, kontaktiert der Fahrer normalerweise die Leitstelle», so Tobler. Ein Service-Mitarbeiter würde sie dann aus dem Fahrzeug hinausbegleiten. Meistens bleibe es dabei: «Wenn jemand sehr aggressiv ist, informieren wir die sozialen Behörden oder die Polizei.»

Solange es aber nur bei verbalen Angriffen bleibe, könne die Stadtpolizei nicht viel machen, wie Medienchef Marco Cortesi sagt: «In der Regel führen wir eine Personenkontrolle durch.» Sobald es zu Tätlichkeiten komme, nehme man die Leute mit auf die Wache, um das weitere Vorgehen zu bestimmen: «Länger als 24 Stunden kann die Polizei die Leute nicht festhalten, dann muss die Staatsanwaltschaft übernehmen.» Ihm sei bewusst, dass dies ein Dilemma sei: «Doch jemanden wegzusperren, ohne einen konkreten Straftatbestand ist gesetzlich nicht möglich.»

Durchgegriffen hat die Polizei vergangene Woche bei einem ähnlichen Fall. Ein ebenfalls angetrunkener Mann hatte im 2er Tram mehrere Passagiere bedroht, zum Aussteigen gezwungen und gar mit einem Messer angegriffen. Der 54-jährige Schweizer wurde von der Polizei verhaftet, befindet sich aber mittlerweile wieder auf freiem Fuss. Das Strafverfahren läuft noch.

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