Carolin Kebekus: «Du Feministin gehörst richtig durchgebumst!»
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Carolin Kebekus«Du Feministin gehörst richtig durchgebumst!»

Die deutsche Komikerin Carolin Kebekus (37) verrät, welche Kommentare sie auf Social Media am meisten lesen muss. Beziehungsweise darf.

von
Yves Schott
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Nach dem Gymnasium fing Carolin Kebekus (37) ein Praktikum bei der Produktionsfirma der «RTL Freitag Nacht News» an und sprang für Schauspieler ein, die zu spät für einen Sketch-Dreh waren. So entdeckten die Verantwortlichen das Comedy-Talent der Kölnerin.

Nach dem Gymnasium fing Carolin Kebekus (37) ein Praktikum bei der Produktionsfirma der «RTL Freitag Nacht News» an und sprang für Schauspieler ein, die zu spät für einen Sketch-Dreh waren. So entdeckten die Verantwortlichen das Comedy-Talent der Kölnerin.

Axl Klein
Bald trat sie regelmässig in der Sendung auf und später auch in den Shows «Was guckst Du?!» und «RTL Comedy Nacht». Ab 2009 schmiss sie ihre eigene Sendung «Broken Comedy» bei ProSieben.

Bald trat sie regelmässig in der Sendung auf und später auch in den Shows «Was guckst Du?!» und «RTL Comedy Nacht». Ab 2009 schmiss sie ihre eigene Sendung «Broken Comedy» bei ProSieben.

Axl Klein
Danach folgte der Schritt auf die Stand-up-Bühne. In dieser Zeit sammelte sich viel Material an, das bald zu ausufernd für die kurzen Auftritte wurde. Darum stellte Kebekus ihr erstes abendfüllendes Programm zusammen und feierte 2011 die Premiere von «PussyTerror».

Danach folgte der Schritt auf die Stand-up-Bühne. In dieser Zeit sammelte sich viel Material an, das bald zu ausufernd für die kurzen Auftritte wurde. Darum stellte Kebekus ihr erstes abendfüllendes Programm zusammen und feierte 2011 die Premiere von «PussyTerror».

Axl Klein

Carolin, wenn du vor Donald Trump stehen würdest, was würdest du ihn fragen?

Ich würde ihn fragen, ob er immer nur im Affekt handelt. Oder ob er auch das grosse Ganze sieht und sich bewusst ist, was er da für eine Verantwortung hat.

Was irritiert dich am meisten an Trump?

Wie viele Frauen ihn gewählt haben! Denken sie, das ist ein cooler Typ, der ist taff und sagt halt einfach das, was er meint? Und wenn er eine Frau geil findet, dann sagt er es halt einfach? Da muss man ja auch überlegen: Warum ist das so?

Und, warum?

Für mich zeigt es, dass wir alle doch mehr Politikverständnis brauchen. Dass wir uns wieder vermehrt auf Diskussionen einlassen müssen, etwa am Familientisch. Wenn einer einen diskriminierenden Spruch über Flüchtlinge macht, muss man etwas sagen – das darf man nicht durchgehen lassen.

Darf man sich im Namen der Satire lustig machen über Flüchtlinge?

Nein, ich finde, da gibt es ja gar keinen Grund. Warum sollte man sich lustig machen über Menschen, die ihr Land verlassen müssen, weil da Krieg ist?

Worüber regst du dich auf?

Da ist so viel Hass im Netz. Früher haben die Leute ja noch unter einem Pseudonym geschrieben, aber heute sagen sie mit ihrem richtigen Namen die schlimmsten Sachen.

So geht Kebekus das Thema Sexismus an. (Video: Youtube/PussyTerrorTV)

Zum Beispiel?

Was ich am meisten zu hören bekomme: «Du mit deiner feministischen Haltung, du gehörst ja nur mal richtig durchgebumst!» Ich finde das ja total lustig, weil die Menschen offenbar denken: «Wenn man so eine Frau nur richtig gut penetriert, dann fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Dann sagt sie: Jetzt bin ich bekehrt, man gebe mir eine Schürze, ich werde nun Frikadellen braten für alle.»

Was löst das bei dir aus?

Da denke ich schon: Krass, die meistgelikten Kommentare auf meiner Seite oder unter meinen Videos sind tatsächlich von Sexisten oder Rassisten/Rechten. Das ist etwas, das mich wirklich trifft. Hier muss man besonders hingucken, wir haben eine Verantwortung, wir wissen, wohin das führen könnte. Die Geschichte darf sich nicht wiederholen.

Auch aktuelle Themen baut sie in ihre Auftritte ein. (Video: Youtube/PussyTerrorTV)

Die Leute kommentieren nicht nur fleissig im Netz, sie konsumieren dort auch immer mehr als über klassische Kanäle – wie erlebst du das?

Ich merke, wie meine Aufmerksamkeitsspanne immer kleiner wird. Darauf reagieren jetzt auch alle: Es gibt mittlerweile sogar von der «Tagesschau» bei Facebook kurze Videos, die eine Nachricht schnell in einer Minute zusammenfassen. Die Leute haben keine Lust, tiefer nach einem Thema zu graben und verschiedene Quellen einzubeziehen. Man macht auch immer etwas nebenbei. Mich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren, das fällt mir immer schwerer.

Tust du etwas dagegen?

Ich versuche es, aber es ist nicht leicht. Man nimmt das Smartphone hervor und klickt wie ein Roboter immer die gleichen drei Apps an. Dann vergeht eine halbe Stunde und man denkt: Jetzt bin ich einfach eine halbe Stunde dagesessen, aber gemacht habe ich eigentlich nichts.

Würdest du es ohne Smartphone aushalten?

Ich erinnere mich an meine Sommerferien mit Freunden. Da haben wir alle zusammen gekocht und laut Musik gehört. Wir haben gesungen und getanzt. Am nächsten Tag habe ich in die Runde gefragt: «Hat das jemand gefilmt?» Man will heute möglichst alles teilen und erlebt Momente gar nicht mehr einfach so, für sich. Nur wenn man es mit anderen teilt und Reaktionen bekommt, ist es wertvoll. Das klingt verrückt. Aber es hat auch gute Seiten: Ich schicke meinen Eltern hin und wieder ein Video, wenn ich im Ausland bin. So hält man den Kontakt.

Live in der Schweiz

17. September im Basler Musical Theater. Tickets gibt es hier.

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