Aktualisiert 12.06.2011 09:33

Objektophilie

Du geiles Ding, du

Es gibt Hetero-, Homo-, ... aber auch Objektsexuelle. Menschen, die sich von Gebäuden, Autos und anderen Objekten sexuell angezogen fühlen.

von
obi
Es muss Liebe sein: Erika Eiffel und ihr Liebespartner.

Es muss Liebe sein: Erika Eiffel und ihr Liebespartner.

Die meisten Menschen waren überglücklich, als die Berliner Mauer weg war. Doch Erika Eiffel trauert einer verlorener Liebe nach. Dabei ist Eiffel nicht etwa eine stramme Parteigenossin der SED, sondern hegt eine tiefere, viel leidenschaftlichere Liebe zu jenem Symbol des kalten Krieges.

Die aus Schweden stammende Erika Eiffel ist die Gründerin des «Objectum Sexual International Forum», einer Gruppierung von Menschen, die als Objektsexuelle oder Objektophile bezeichnet werden. Diese werden in der neusten Episode der Dok-Film-Reihe «Taboo», die am 12. Juni 2011 auf dem US-TV-Sender «National Geographic» gezeigt wird, thematisiert.

«Du bist hungrig nach Liebe»

«Was mich an der Berliner Mauer anzieht, ist die Tatsache, dass hier ein Objekt ist, das für einen Zweck geschaffen wurde, den alle verabscheuen», gibt Eiffel in «Taboo» zu Protokoll. Zur Mauer selbst spricht sie in einer viel leiseren, zärtlicheren Stimme: «Ich fühle, wie hungrig du bist, geliebt zu werden – mit einem offenen Herzen, nicht mit Meissel und Hammer.»

Interessanterweise lebt Eiffel in mehr oder weniger offenen Beziehungen mit diversen europäischen denkmalgeschützten Gebäuden. 1979 liess sie sich gar mit der Berliner Mauer verheiraten und hiess fortan Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer. Ihren inzwischen internationalisierten aktuellen Familiennamen erhielt sie durch Heirat mit jenem Pariser Wahrzeichen, dass – ja, genau dorthin denken Sie doch, liebe Leser! – wesentlich phallischer daherkommt als Erich Honeckers antifaschistischer Schutzwall.

Sex mit dem Objekt

Wie geht das nun, mit einer Mauer Sex zu haben? Eiffel gibt sich im «National Geographic»-Interview diskret. Sie gibt freilich zu, mit einem Modell eines Mauerabschnitts ins Bett zu gehen; wie der eigentliche Akt funktioniert, will sie aus Diskretionsgründen nicht verraten. Nur so viel: «Was für uns intim ist, gilt wohl nicht für viele Menschen.»

Auch bei Edward Smith, einem Objektsexuellen, dessen Begierde sich auf (etwas) kleinere Gegenstände richtet, wird der sexuelle Akt nicht weiter präzisiert. Dazu müsste man nämlich seine Geliebte befragen, einen 1974er-VW-Käfer namens Vanilla. «Die meisten Leute gehen [mit ihrer Liebe zu ihrem Auto] bis zu einem gewissen Punkt. Doch ich identifiziere sie als meine Liebespartnerin.»

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