Simon Ammann: «Du hast mir ein Schnippchen geschlagen»
Aktualisiert

Simon Ammann«Du hast mir ein Schnippchen geschlagen»

Wieder nicht! Simon Amman fliegt am Gesamtsieg der Vierschanzentournee vorbei und fällt in Bischofshofen auf Rang 3 zurück. Sieger wird der Österreicher Thomas Diethart.

von
Eva Tedesco

«Du hast mir ein Schnippchen geschlagen», sagt Ammann im Zielraum zum Gesamtsieger und klopft Diethart anerkennend auf die Schulter. Noch nie konnte der vierfache Olympiasieger ein Springen in Österreich gewinnen und noch nie den Gesamtsieg der Vierschanzentournee holen und bleibt trotzdem fair. Dabei war Ammann so nah dran wie noch nie. «Ich kann mir nichts vorwerfen, aber die Hypothek von fast zehn Punkten war einfach zu gross», so der Schweizer im Interview gegenüber ORF.

Den Sieg hat der Toggenburger schon im ersten Durchgang vergeben. Zwar sprang er auf beachtliche 137,5 Meter. Die verpatzte Landung brachte ihm allerdings zu viel Punkteabzug ein, da auch Diethart einen Satz auf fantastische 138,5 Meter schafft und eine perfekte Landung in den Schnee setzt. «Ich ärgere mich auch über diesen ersten Sprung, aber vergeben habe ich den Sieg wohl in Garmisch. Thomas Diethart weiss, wie man den Arrivierten ein Schnippchen schlägt», sagt Ammann.

Eine gute Geschichte

Der Routinier ist voll des Lobes für den jungen Niederösterreicher, von dem er vor drei Wochen nicht einmal den Namen kannte. Ammann: «Es ist halt so ein Phänomen, wenn man zum richtigen Zeitpunkt gewinnt, kann man in einen Lauf kommen. Er hat jene Qualitäten bewiesen, die vor der Tournee den Favoriten zugeschrieben wurden. Es ist eine gute Geschichte.»

Der junge Mann, der diese «gute Geschichte» geschrieben hat, steht um 17.53 Uhr am Dreikönigstag am Fuss der Paul-Ausserleitner-Schanze und lässt sich von rund 30'000 Fans feiern. «Es is echt a Wahnsinn», sind seine Worte zum Sensationssieg. Noch könne er seinen Triumph gar nicht richtig realisieren. «Das wird eine Zeitlang dauern bis dahin, aber meinem Vater geht es schlechter als mir. Der muss sich jetzt erst einmal beruhigen», sagt Diethart und lacht spitzbübisch.

Sechster österreichischer Gesamtsieg in Folge

Vater Gernot wäre am liebsten schon vor dem abschliessenden Springen aus Bischofshofen abgereist, hat er den österreichischen Journalisten verraten. Die Nerven seien blank gelegen und nur die Familie habe ihn davon abgehalten. Nach dem sensationellen Sieg seines Filius hat er Tränen in den Augen und er schämt sich nicht für seine Emotionen. Jahrelang hat die Familie, die aus Michelhausen bei Tulln in Niederösterreich stammt, alles in die Karriere ihres Sohnes investiert. Sie hat im Auto übernachtet, um Geld zu sparen, Ferien abgebrochen, um rechtzeitig zu einem Springen zu kommen, wo Thomas nachnominiert worden war, und hat auf vieles verzichtet. Der Gesamtsieg war auch ein Sieg für sie.

Neben dem Gesamtsieg holte sich Diethart auch den Tagessieg. Es war sein zweiter Erfolg in zehn Anläufen im Weltcup und beide ausgerechnet an einer Vierschanzentournee. Es brachte den Österreichern den sechsten Gesamtsieg in Folge. Den 15. insgesamt in 62 Austragungen.

Morgenstern überholt Ammann

Und es war ein Doppelsieg, nachdem auch noch Thomas Morgenstern im Gesamtklassement an Simon Ammann vorbeispringen konnte. Es ist ein versöhnlicher Abschluss für den Olympiasieger von 2006 und Sieger der Vierschanzentournee 2010/11, nachdem ihn der Föhnsturm in Innsbruck «verblasen» hat. «Natürlich ärgere ich mich immer noch über Innsbruck, aber es ist halt so und ich kann es nicht ändern. Ich hoffe, dass man für die Zukunft daraus gelernt hat. Der Wettkampf in Bischofshofen indes war einer der fairsten und hat einen verdienten Sieger», so Morgenstern.

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