Qendresa Llugiqi: «Du hast Talent, aber mit dem Namen wird es nix»
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Qendresa Llugiqi«Du hast Talent, aber mit dem Namen wird es nix»

27 Jahre lang hat man meinen Namen gerufen und geschrieben – meistens leider falsch. Zeit für eine Aufklärung.

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Qendresa Llugiqi

Wie es ist, Qendresa Llugiqi zu heissen? Das sehen Sie im Video. (Video: Qendresa Llugiqi)

Wie es ist, Qendresa Llugiqi zu heissen? Kompliziert. Manchmal aber auch lustig. Kaum jemand kann meinen Vor- oder Nachnamen beim ersten Anlauf aussprechen, geschweige denn schreiben. Das führt dazu, dass ich diese sicherlich mehrmals in der Woche buchstabiere. So muss ich immer wieder erklären, dass mein Name tatsächlich mit einem Q beginnt und dass darauf kein U folgt und dass es ausgesprochen ein «Tsch» ist.

Auch mein Nachname hat es in sich: Das Doppel-L und dann wieder das Q ohne U. Manchmal komme sogar ich beim Buchstabieren ins Schwitzen. Lustigerweise entsteht danach meistens ein Smalltalk über die Herkunft meines Namens, was dazu führt, dass sowohl mein Gegenüber als auch ich uns etwas entspannen können.

Haben Sie auch einen komplizierten Namen? Dann erzählen Sie uns Ihre Leidensgeschichte.

Haben Sie auch einen komplizierten Namen? Dann erzählen Sie uns Ihre Leidensgeschichte.

Wie heisse ich?

Auch meine Kollegen in der Redaktion haben Schwierigkeiten, meinen kompletten Namen auszusprechen. (Video: Qendresa Llugiqi)

Zur Info: Meinen Namen spricht man TSCHENDRESA LUGITSCHI aus.

Lugiki und Luigi

Aus Qendresa Llugiqi entstanden in den Jahren so viele Varianten, dass nicht einmal ich mich an alle erinnern kann. Hier aber eine Auswahl: Kendreza, Kwendreza, Jendreza oder Schendreza. Oder Lugiki und Luigi. Wie ich darauf reagiere? Meistens muss ich lachen, weil es so lustig tönt und die Leute so verzweifelt wirken. Den meisten Leuten, die schon einmal Kontakt mit mir hatten, biete ich meinen Spitznamen Qendi (Tschendi) an. Und ja, auch fünf Buchstaben können es in sich haben. So nennt man mich Kwendi, Kandi, Schendi oder Jendi.

Mir wurde sogar gesagt, dass man Angst hat, meinen Namen auszusprechen. Ich wurde deshalb auch schon einfach mit «Hey du» angesprochen. Dass mein Vor- und Nachname Potenzial für Ärger bergen, habe ich schon relativ früh gemerkt.

In der Schule: «Nicht einmal der Rektor konnte meinen Namen aussprechen»

Beispielsweise in der Schule. Viele Lehrer hatten zu Beginn keine Ahnung, wie man meinen Namen ausspricht. Bei Listen wusste ich beispielsweise, dass ich an der Reihe war, wenn die Lehrer verzweifelt reinschauten oder etwas herumprobierten, schliesslich aber aufgaben und nachfragten, wie man meinen Namen richtig ausspricht. Auch gab es Lehrer, die schrieben sich auf, wie man den Namen ausspricht.

Das Highlight meiner schulischen Laufbahn: An der Maturafeier schaffte es unser Rektor, meinen Namen falsch auszusprechen – dies, obwohl er mich wenige Tage zuvor gefragt hatte, wie man meinen kompletten Namen richtig ausspricht. Ich erinnere mich noch, wie der ganze Saal lachte. Und ich? Ich lief rot an und musste mitlachen. Gleichzeitig konnte ich mich keinen Millimeter bewegen, um mein Maturitätszeugnis bei ihm abzuholen.

Im Job: «Du bist talentiert, mit diesem Namen wird das jedoch nichts»

Als Reporterin steht man eigentlich jeden Tag mit anderen Menschen in Kontakt. Das bedeutet, dass ich meinen Namen nicht einfach kurz sagen kann, sondern ihn auch oft buchstabieren muss. Mir macht es eigentlich nichts aus. Glücklicherweise hatte ich auch mit meinem Gegenüber bisher kaum Schwierigkeiten. Es gab aber auch Leute, die mit einem Augenzwinkern meinten: «Heirate doch einen Schweizer mit einem Namen wie Müller oder Meier, dann hast du wenigstens mit deinem Nachnamen nicht solche Schwierigkeiten.»

Auch hatte ich im beruflichen Bereich mein bisher schlimmstes Erlebnis mit meinem Namen. Während einer Feier sagte man mir: «Du bist eine talentierte Reporterin, mit diesem Namen wird das jedoch nichts.» Für mich war das eine verbale Ohrfeige. Obwohl mich dieser Spruch verletzte, blieb ich stark und versicherte der Person, dass ich es auch mit diesem Namen geschafft habe und es auch weiterhin schaffen werde. Und dieser Meinung bin ich tatsächlich.

Natürlich ist mir bewusst, dass viele meinen Namen nicht aussprechen können, aber er ist meiner Meinung nach kein Karrierekiller. Im Gegenteil: In unserer Branche ist es wichtig, dass einem ein Name bleibt, auch wenn man ihn nicht aussprechen kann. Weil mein Name nicht so alltäglich wie ein Hans Meier oder Peter Müller ist, würde ich sagen, dass man sich diesen eher einprägen kann.

Im privaten Bereich: «Bei Starbucks heisse ich Q»

Meine Freunde rufen mich alle bei meinem Spitznamen. Ob das etwas mit meinem komplizierten Vornamen zu tun hat, kann ich nicht einschätzen. Sowieso wundert es mich, ob meine Freunde meinen Vor- und Nachnamen richtig aussprechen können. Ich meine: Ich verwende diesen ja kaum im Umgang mit ihnen. Vielleicht müsste ich das einmal testen.

Lachen muss ich auch immer bei Bestellungen im Starbucks. Noch nie wurde mein Name richtig geschrieben. Deshalb sage ich jetzt meistens, dass sie nur Q schreiben sollen. Das spart Zeit.

Das Namensproblem habe ich nicht nur in der Schweiz. Als ich beispielsweise in Berlin war und im Hotel einchecken wollte, meinte der Concierge «Oh Gott, wie schreibt man das?» Und dann so: «Da hat wohl jemand das Q sehr geliebt.» Ähnliche Schwierigkeiten hatte man auch in Amerika, Ägypten, Frankreich usw. Sogar meine eigenen Landsleute müssen bei meinem Nachnamen kurz schlucken, bevor sie ihn aussprechen.

Bei den Behörden: «Alles dauert etwas länger, weil ich meinen Namen buchstabieren muss»

Es gibt kaum einen Vertrag, bei dem mein Name von Anfang an richtig geschrieben worden ist. Dies, obwohl ich ihn bereits in verschiedener Form durchgegeben habe. Auch wenn ich bei den Behörden anrufe, weiss ich, dass es bei Anfragen etwas länger geht, weil ich meistens zuerst noch meinen kompletten Namen buchstabieren muss.

Fazit: «Trotz allem: Eine Namensänderung kam nie infrage»

Obwohl ich bereits einige Schwierigkeiten wegen meines Namens hatte, kam eine Namensänderung nie infrage. Meinen Nachnamen hätte ich spätestens bei meiner Eheschliessung ändern können, habe ich aber nicht. Ich finde, dass mein Nachname perfekt zu meinem Vornamen passt. Er klingt nach etwas – wenn man ihn richtig aussprechen kann.

Und dass ich meinen Vornamen nicht aufgegeben habe, könnte an seiner Bedeutung liegen und daran, dass ich denke, dass er zu mir passt. In den 90er-Jahren wurden viele Mädchen in Kosovo so genannt. Er steht für die Aufrechterhaltung des Widerstands und bedeutet so viel wie Haltung bewahren, stark und widerstandsfähig sein. Ich denke, das passt zu mir.

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