Aktualisiert 11.11.2011 12:55

Solothurn und seine Zahl

Du heilige Elf

Wer elf sagt, muss auch Solothurn sagen. Keine andere Stadt steht so auf die Schnapszahl wie der Kantonshauptort mit elf Museen, elf Kirchen, elf Brunnen. Die Aarestadt hat selbst eine Uhr mit elf Stunden.

von
amc
Die Verkörperung der Solothurner Faszination für die 11: die St. Ursen Kathedrale. 11 Altätere, 11 Glocken und auch drei Abschnitte auf der Treppe mit je 11 Stufen.

Die Verkörperung der Solothurner Faszination für die 11: die St. Ursen Kathedrale. 11 Altätere, 11 Glocken und auch drei Abschnitte auf der Treppe mit je 11 Stufen.

Die Elf ist den Solothurnern heilig. So richtig weiss niemand, wo die Beziehung zwischen Solothurn und der Zahl herkommt. Sie reicht aber bis ins 15. Jahrhundert zurück. Bereits damals erwähnte ein Reisender in seinem Tagebuch die Schnapszahl im Zusammenhang mit der Aarestadt – mehrmals.

Wer nach Spuren sucht, der findet sie auch in der späteren Geschichte: Solothurn wurde als 11. Stand in die Eidgenossenschaft aufgenommen. Zwar wäre es Basel gewesen, weil sich dieses aber der Zahl 11 verweigerte, kam Solothurn in den Genuss der 11. Stelle. Die Bürgerschaft war zu dieser Zeit in 11 Zünfte aufgeteilt und bereits der erste Rat hatte 11 Mitglieder.

Inzwischen kommt in Solothurn keiner um die Zahl herum: Es gibt 11 Kirchen, 11 Kapellen, 11 historische Brunnen, 11 Stadtplätze, 11 Schanzen, 11 Steinbrüche, 11 Türme. Selbst das Wahrzeichen der Stadt ist im Bann der Elf: die St. Ursen. Die Kathedrale hat 11 Glocken, 11 Altäre, 11 Türen, 11 Wasserstrahler, 6x11 Meter hohe Türme, 3x11 Meter hohe Fassade, die Treppe zur Kathedrale hat drei Abschnitte mit je 11 Stufen. Dass die Kathedrale ausgerechnet 11 Jahre lang gebaut wurde, kann angesichts dieser Ballung der Zahl wohl auch nicht als Zufall gelten.

«Öufi»-Bier feiert elften Geburtstag

Die Solothurner ticken im Zusammenhang mit der Elf so anders, dass sie selbst eine Uhr mit nur 11 Stunden haben. Das «Solthurner Bataillon» in der Schweizer Armee ist - wie könnte es anders sein - das Infaterie-Bataillon 11. Wen erstaunt es angesichts dessen, dass auch noch heute die Zahl Elf die Stadt prägt wie kaum etwas anderes. Clubs, Tanzstudios, Advokaturbüros, Kleidermarken und selbstverständlich auch das örtliche Bier tragen die Elf im Namen.

«Öufi»-Bier feiert am 11.11.11 – wie sollte es anders sein – seinen 11. Geburtstag. Ausnahmezustand herrscht heute auch bei angehenden Eheleuten: 11 Trauungen finden in Solothurn statt. Das 11fi-Boot fährt die Brautpaare auf Wunsch kostenlos zum Standesamt. Es ist nur zu hoffen, dass nicht elf Scheidungen folgen.

Solothurn und die Elf – das Unesco-Kulturgut

Die Begeisterung und Faszination für die Elf geht so weit, dass in den Strassen der Stadt immer wieder die Hausnummer 11 verschwindet, wie die «Solothurner Zeitung» im Juni berichtete. Kein Wunder wurde Solothurn und die Zahl 11 auf die Liste der immatriellen Kulturgüter der Unesco aufgenommen, wie Stadtschreiber Hansjörg Boll stolz sagt. «Fehlt nur noch, dass der FC Solothurn als einzige Mannschaft mit elf Spieler spielen darf, während die anderen nur zehn Spieler auf dem Feld haben dürfen – dann hätten wir auch wieder eine Chance.»

Obwohl heute am 11.11.11 der grosse Tag für die Solothurner sein sollte, bleibt die Stadt ruhig. «Eine grosse Party gibt es nicht», sagt Boll, «dafür ist es eine zu wenig handfeste Tradition.» Dem Erfolg der Stadt und der Faszination der Einheimischen sowie Touristen für die «heilige Zahl» tut dies keinen Abbruch: Stadtführer bieten regelmässig Elfi-Führungen an. Und selbst in den Stadtfinanzen fehlt die Solothurner Zahl nicht. Sie dürfen raten, wie hoch der letztjährige Ertragsüberschuss der Stadt in Millionen war.

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