Überhitzter Immobilienmarkt: Wer mit Öl oder Gas heizt, bezahlt bald bis zu 500 Franken mehr Nebenkosten 
Aktualisiert

Überhitzter ImmobilienmarktWer mit Öl oder Gas heizt, bezahlt bald bis zu 500 Franken mehr Nebenkosten 

Wann gehen die Preise am Immobilienmarkt wieder runter? Kurzfristig sicher nicht, sagt die Credit Suisse. Im Gegenteil: Wer nicht mit einer Wärmepumpe heizt, bezahlt bald noch mehr.

von
Marcel Urech
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Wer mit Öl oder Gas heizt, hat verloren: Die Preise für die beiden Energieträger sind massiv gestiegen.

Wer mit Öl oder Gas heizt, hat verloren: Die Preise für die beiden Energieträger sind massiv gestiegen.

20min/Simon Glauser
Gründe dafür seien der Ukraine-Krieg und die drohende Knappheit von Energierohstoffen, sagt Credit Suisse.

Gründe dafür seien der Ukraine-Krieg und die drohende Knappheit von Energierohstoffen, sagt Credit Suisse.

20min/Simon Glauser
Die CS geht davon aus, dass eine noch höhere Belastung droht: Viele Preisanstiege dürften erst mit Verzögerung bei den Schweizer Haushalten ankommen.

Die CS geht davon aus, dass eine noch höhere Belastung droht: Viele Preisanstiege dürften erst mit Verzögerung bei den Schweizer Haushalten ankommen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Viele Schweizerinnen und Schweizer träumen vom eigenen Haus. Doch die grosse Nachfrage treibt die Preise rauf und der Markt ist so überhitzt wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Häuserbau verteuerte sich so stark, dass das Eigenheim wohl für viele ein Traum bleiben wird. Auch die Nebenkosten schnellen nach oben.

Sinkende Immobilienpreise seien vorerst nicht in Sicht, schreibt nun Credit Suisse (CS). Die Phase mit sinkenden Zinsen, die die Immobilienwerte in luftige Höhen katapultierte, laufe zwar aus. Lieferengpässe und hohe Energiepreise verteuerten das Bauen aber weiter. Das führe auch zu hohen Nebenkostenaufschlägen.

Nebenkosten gehen durch die Decke

Laut der Bank können die Besitzerinnen und Besitzer von Immobilien nicht mehr auf zinsbedingte Wertzuwächse zählen. Stattdessen müssten sie den Fokus auf das Wachstum und die Sicherstellung der Mieterträge richten. Rasch sinkende Wohnungsleerstände dürften dabei helfen. Denn die Summe der Wohnbauvorhaben (siehe Box) werde den Bedarf an Wohnungen nicht annähernd decken, sagt die CS.

Wichtige Baustoffe sind knapp

«Bei den Wohnnebenkosten ist von den gestiegenen Energiepreisen noch wenig zu spüren, doch für die Mieterinnen und Mieter gibt es kein Entrinnen vor höheren Nebenkosten», schreibt die Bank. Gründe dafür seien der Ukraine-Krieg und die drohende Knappheit von Energierohstoffen. Diese Faktoren haben laut der CS dazu geführt, dass die Grosshandelspreise für Heizöl, Erdgas und Strom förmlich explodiert sind.

Wertsteigerung statt Mieterträge

Fabian Waltert von CS sagt auf Anfrage, dass die Besitzerinnen und Besitzer von Immobilien diese früher in erster Linie gekauft hätten, um Mieterträge zu erzielen. Nun seien die Preise von Mehrfamilienhäusern aber so stark rauf, dass die Miete nicht mehr den Hauptteil der Rendite ausmache. Das sei vor allem das Ergebnis einer hohen Investorennachfrage nach Immobilien aufgrund des Negativzinsumfelds, das diese im Vergleich zu anderen Anlageformen attraktiv gemacht habe.

Potenziellen Käuferinnen und Käufern empfiehlt der Immobilienökonom, auf Objekte zu setzen, die ein hohes Potenzial für eine Steigerung des Mietertrags haben. Wer suche, finde auch heute noch Immobilien, die verhältnismässig günstig seien – allerdings sei das Risiko bei diesen Objekten auch höher, so Waltert.

Wer auf Wärmepumpen setzt, bezahlt weniger

Die CS geht davon aus, dass eine noch höhere Belastung droht: Viele Preisanstiege dürften erst mit Verzögerung bei den Schweizer Haushalten ankommen. Die Mieterinnen und Mieter sind den Mehrkosten unterschiedlich stark ausgesetzt. Wer in einer Wohnung mit fossilen Heizenergieträgern sei, die noch immer rund 60 Prozent des Totals ausmachen, müsse dieses Jahr bis zu 38 Prozent mehr Heizkosten berappen.

Die Entwicklung der Heizkosten eines Schweizer Durchschnitthaushaltes (2,2 Personen und 99 Quadratmeter) zwischen 2019 und 2022 in Abhängigkeit der Energieträger in Franken. Da das Jahr 2022 noch nicht zu Ende ist, handelt es sich bei dieser Zahl um eine Prognose.

Die Entwicklung der Heizkosten eines Schweizer Durchschnitthaushaltes (2,2 Personen und 99 Quadratmeter) zwischen 2019 und 2022 in Abhängigkeit der Energieträger in Franken. Da das Jahr 2022 noch nicht zu Ende ist, handelt es sich bei dieser Zahl um eine Prognose.

Bundesamt für Statistik, Prognos, Energie Schweiz, energie.ch, Credit Suisse

Die Heizenergiekosten einer durchschnittlichen Wohnung mit Wärmepumpe sind gemäss den Berechnungen der Credit Suisse lediglich um drei Prozent gestiegen. Sie liegen damit nun gut 60 Prozent unter den Kosten fossiler Energieträger.

Basierend auf jüngsten Energiepreisen zahle sich die Installation einer Luft-Wasser-Wärmepumpe nach acht bis neun Jahren aus, sagt die CS. 2020 machten Wärmepumpen rund 20 Prozent der Energiebezugsflächen aus.

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