Hassbriefe an Salafist: «Du verdammter Krüppelcheib»
Aktualisiert

Hassbriefe an Salafist«Du verdammter Krüppelcheib»

Salafist Emir Tahirovic stellt sich seit Jahren gegenüber den Behörden quer. Aktueller Fall ist das Schwimmunterrichtsverbot für seine Tochter. Das löst heftige Reaktionen aus.

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taw
Emir Tahirovic vor dem Gemeindehaus in St. Margrethen SG. (Bild: Screenshot SRF)

Emir Tahirovic vor dem Gemeindehaus in St. Margrethen SG. (Bild: Screenshot SRF)

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«Emir Tahirovic ist der Querschläger par excellence. Ein Musterbeispiel für jemanden, der sich partout nicht integrieren will», sagt SVP-Nationalrat Lukas Reimann.

Bereits mehrfach geriet der radikale Muslim aus St. Margrethen SG national in die Schlagzeilen. Weil sich die Schulgemeinde St. Margrethen dagegen wehrte, dass er seine 14-jährige Tochter nur mit Kopftuch in die Schule schickte, kam der Fall bis vor das Bundesgericht. Dort gab man Tahirovic Recht. Nun sorgt ein Beitrag in der SRF-«Rundschau» für neue Diskussionen.

«Nass sieht man die Brust»

Tahirovic verbietet seiner 14-jährigen Tochter die Teilnahme am Schwimmunterricht – selbst in einem Ganzkörperanzug. «Wenn das nass wird, dann werden Körperlinien sichtbar, zum Beispiel die Brust», begründet Tahirovic gegenüber SRF das Verbot.

Für die Behörden in St. Margrethen ist das nicht nachvollziehbar. Laut Schulratspräsident Roger Trösch habe man mehrfach das Gespräch mit dem Mann gesucht. Allerdings sei Tahirovic nicht bereit, von seinem fundamentalistischen Glauben abzuweichen. Dem stimmt auch Gemeindepräsident Reto Friedauer zu. «Er stellt die Scharia über unsere Rechtsordnung und verweigert die Zusammenarbeit mit weiblichen Lehrpersonen», sagt Friedauer. Die Schule hat deshalb Anzeige erstattet wegen wiederholter und mehrfacher Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht und Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen schickte Tahirovic daraufhin einen Strafbefehl. Das Urteil: vier Monate unbedingt. «Mir ist lieber, dass ich ins Gefängnis gehe, als dass ich die Sache erlaube und eine grosse Sünde begehe», so Tahirovic. Gegen das Urteil hat er bereits Berufung eingelegt.

Politische Lösung?

Im «Rundschau»-Beitrag erzählt Tahirovic, dass er regelmässig Hassbriefe erhalte. «Sozialschmarotzer Emir Tahirovic», «Du verdammter Krüppelcheib», «Hau einfach ab und geh in dein Scheissland zurück», heisst es darin etwa. Für SVP-Kantonsrat Mike Egger sind Hassbriefe zwar keine Lösung, er kann aber die Wut der Leute verstehen. «Er verweigert sich allem, was mit Integration zu tun hat und was bei uns normal ist, und versucht es dann mit seinem Glauben zu rechtfertigen», sagt Egger.

Ginge es nach Gemeindepräsident Friedauer, würde man Tahirovic längst ausweisen. Dieser Ansicht sind auch Reimann und Egger: «Wer in der Schweiz lebt, soll sich an unsere Regeln halten, ansonsten soll er gehen.» Bisher würden aber die rechtlichen Grundlagen fehlen. Reimann hat deshalb eine Petition lanciert. Darin heisst es, Tahirovic solle des Landes verwiesen werden. Über 3000 Unterschriften kamen zusammen. Auch Egger lässt nicht locker: «Die Politik muss endlich handeln und griffige Massnahmen ergreifen.»

Am Dienstag wurde im St. Galler Kantonsrat eine Standesinitiative beschlossen, die es der Schweiz erlauben soll, renitente Ausländer, die keiner Arbeit nachgehen, auszuweisen. Angeschoben wurde das Ganze von CVP und EVP, die Tahirovic so auf gesetzlichem Weg loswerden wollen.

Tahirovic würde ja gehen, wie er selbst sagt, aber seine Familie wolle nicht weg aus der Schweiz.

Emir Tahirovic

Der 40-Jährige kam 1990 als 15-Jähriger aus Bosnien in die Schweiz. Er machte eine Lehre als Servicefachangstellter und arbeitete danach in einem Restaurant. 1999 ging er zurück nach Bosnien in den Militärdienst. Dort fand er zu Allah. Zurück in der Schweiz begann er streng nach dem Islam zu leben und liess sich einen Bart wachsen.

Lange war Tahirovic Anhänger von Osama Bin Laden und wollte sogar in den Dschihad ziehen. Heute bezeichnet er sich als Salafist und sagt, er sei streng gegen Terror.

In St. Margrethen lebt er mit seinen vier Kindern und seiner Frau. Er bezieht von der Gemeinde 3800 Franken Sozialhilfe. Arbeit finde er leider keine.

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