Aktualisiert 04.05.2006 09:54

Dubioser Hundehandel

Was als Rassenhunde zum Schnäppchenpreis in die Schweiz gelangt, sind laut dem Schweizerischen Tierschutz (STS)oft kranke, gestörte und sogar gefährliche Welpen.

In einer Dokumentation zeigte der STS am Donnerstag in Zürich das Geschäft skrupelloser Hundehändler aus Osteuropa. Was als Rassenhunde zum Schnäppchenpreis in die Schweiz gelangt, sind laut STS kranke, gestörte und sogar gefährliche Welpen.

Die Pittpull-Attacke auf den Schulbuben in Oberglatt nannte STS-Präsident Heinz Lienhard gemäss Redetext eine direkte Folge des unseriösen Hundehandels. Das Risiko solcher Zwischenfälle könnte mit dem Verbot des Handels und mit strikten Regeln für den Import der Tiere minimiert werden. Darauf zielt auch die Motion «Hunde sind keine Handelsware» der Zürcher SP-Nationalrätin Barbara Marty Kälin ab.

Das österreichisch-schweizerische Grenzgebiet habe sich zu einem Umschlagplatz für Hunde aus Osteuropa entwickelt, sagte Lienhard. Im Internet inserierten unseriöse Hundezüchter, die «Hundemafia». Sie böten so genannte Rassehunde zu günstigen Preisen an. Die Übergabe an den neuen Besitzer finde auf einer Autobahnraststätte oder bei der Grenze statt.

Welpen würden in der Massenzucht früh von ihrer Mutter getrennt. Schlecht sozialisiert und krank würden sie in Verschlägen gehalten und bereits in ihren ersten Lebenswochen in Lastern zu Umschlagplätzen verfrachtet. Bei ihren neuen Besitzern erkrankten sie meist oder würden zum Teil bereits innert Wochenfrist sterben.

Marc Rissi, Filmschaffender und Autor der Dokumentation, zeigte sich erstaunt darüber, dass Erwachsene angesichts der Schnäppchenpreise jegliche Vorsicht fallen liessen. Statt der üblichen 1.500 bis 2.000 Franken für einen Rassehund seien die Welpen aus dem Osten einige hundert Franken günstiger zu haben. Allerdings erlaubten die Papiere der Tiere keine Rückschlüsse auf Züchter und Zucht. Stammbaum und allfällige Angaben zur medizinischen Versorgung seien fingiert.

Einmal in der Schweiz, müssten die traumatisierten und verhaltensgestörten Tiere abgetan oder ins Tierheim gegeben werden, sagte Lienhard. Es sei nicht akzeptierbar, wenn das Problem einfach dem Tierschutz abgeschoben werde. (dapd)

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