Dünn & dünner
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Dünn & dünner

Dinosaurier-Hintern sind passé – und mit ihnen die fetten Männer-Portemonnaies. Jetzt regieren schlanke Beutel für den Hosensack die modebewusste Männerwelt.

Text -- Martina Rissi

Männer sind eitel. Das ist nichts Neues. Im Gegenteil: Spätestens seit der metrosexuellen Welle ist das männliche Geschlecht uns Frauen in Sachen Körperbewusstsein ebenbürtig. Das vielleicht erste untrügliche Anzeichen dafür ist (neben maskulinen Pflegelinien und gemischten Yoga-Stunden): Das prall gefüllte Lederportemonnaie verschwindet aus der Gesässtasche. Stattdessen finden superkleine Geldbeutel – oftmals nur mit zwei, drei Fächern bestückt – ihren Platz im Hosensack oder der Brusttasche.

Die offizielle Begründung für den Wandel lautet: «Mich hat das Ding an meinem Hintern schon immer gestört.» Oder: «Am Po kann das Portemonnaie doch viel zu gut geklaut werden.» Nur ein paar besonders Extrovertierte bringen es ehrlich auf den Punkt: «Ohne wirkt mein Arsch viel knackiger.»

Logisch. Wir Frauen propagieren das ja schon seit einer Ewigkeit (und lassen darum im Ausgang seine Kohle unauffällig in der Handtasche verschwinden). Das ist jetzt nicht mehr nötig. Das Zeitalter der überdimensionierten Hinterteile ist vorbei. Gerade beim Warenhaus Globus sind die Mini-Portemonnaies begehrt – besonders diejenigen mit den Geldklammern oder Kreditkartenfächern ohne Münzfach. Einkäuferin Irma Nussbaumer: «Die Hosen werden so nicht ausgebeult und zerschlissen – das ist ein riesiger Pluspunkt.»

«Ja gut, aber wo packe ich mein Kleingeld hin?», wird sich jetzt so mancher Mann fragen. «In der Regel wird das Kleingeld-Problem entweder mit grosszügigen Trinkgeldern gelöst», weiss Nussbaumer. «Oder mit einer separaten Münzbox.» Oft klimpern die Fünfziger und Zwanziger auch einfach lose im Hosensack. Das ist nicht weiter tragisch. Hauptsache, das Hinterteil kommt knackig daher.

Also liebe Frauenwelt: Denkt an die regelmässig scheiternden Versuche, via Halskehre vor dem Spiegel einen unverfälschten Blick auf den Po zu erhaschen, um endlich abschliessend beurteilen zu können: Ist er nun dick oder nicht? Männer tun das auch. Oder woher wüssten sie sonst auf einmal, dass ihr Hintern ohne Portemonnaie sexier wirkt?

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