Experten alarmiert: Dünne Kinder bei Organspenden bevorzugt
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Experten alarmiertDünne Kinder bei Organspenden bevorzugt

Bei Organtransplantationen gibt es in gewissen Fällen neu eine Gewichtslimite für die Empfänger: Lebern von erwachsenen Spendern müssen prioritär Kindern zugeteilt werden, die weniger als 25 Kilogramm wiegen.

von
jbu

Max Baumann, Rechtsanwalt und Gründungsmitglied des Instituts Dialog Ethik, ist alarmiert: Seit diesem Sommer existiert in der Schweiz eine exakte Gewichtsgrenze als Zuteilungskriterium für Organe. Lebern von erwachsenen Spendern werden bevorzugt Kindern unter 25 Kilogramm zugeteilt.

Diese Regelung müsse «unbedingt nochmals überdacht werden», fordert Jurist Baumann. Er kritisierte die Revision der Organzuteilungsverordnung Anfang Woche im Schweizer Juristen-Fachblatt «Jusletter», wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Die Regelung diskriminiere schwerere Kinder. Zudem hätten Buben schlechtere Karten als Mädchen, da sie tendenziell schwerer seien, argumentiert er.

Kritik stösst auf Unverständnis

Transplantations-Mediziner weisen die Kritik zurück. «Die Gewichtsgrenze von 25 Kilogramm hat einen rein medizinisch-technischen Grund», erklärt Franz Immer, der Direktor der Nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation «Swisstransplant». Internationale Erfahrungen zeigten, dass vor allem die kleineren Kinder auf der Warteliste für Organe schwer krank sind und dringend eine Transplantation benötigen. Diese Patienten seien alle deutlich leichter als 25 Kilogramm.

Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, die Leber von erwachsenen Spendern in zwei Teile aufzuteilen, wobei der grosse Teil einem erwachsenen Empfänger und der kleinere einem Kind eingesetzt wird. «Damit lassen sich die raren Organe optimal nutzen und mit einer Spende zwei Empfängern transplantieren», wird Franz Immer im Artikel zitiert.

Das Gewicht ist jedoch nicht das einzige Zuteilungskriterium, das in der Organzuteilungsverordnung vorgesehen ist. In Fällen, in denen der Spender selbst noch minderjährig ist, ist beispielsweise das Alter ausschlaggebend. Kinder unter 12 Jahren werden in dieser Situation priorisiert.

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