Aktualisiert 17.03.2020 17:57

Auto-Ratgeber

Dürfen Elektroautos abgeschleppt werden?

Auch Elektrofahrzeuge können mal wegen einer Panne liegenbleiben. Was beim Abschleppen zu beachten ist.

von
Markus Peter, AGVS
Ja, auch E-Auto haben Pannen und werden abgeschleppt.

Ja, auch E-Auto haben Pannen und werden abgeschleppt.

Koonsiri Boonnak

Frage von Benny ans AGVS-Expertenteam:

Elektrofahrzeuge laden sich ja beim Bremsen oder beim Bergabfahren auf. Kann man ein Elektroauto, das wegen einer Panne liegenbleibt, abschleppen wie einen Verbrenner?

Antwort:

Lieber Benny

Wenn ein E-Auto nicht mehr fährt, kann das zwei Ursachen haben.

1. Die Antriebsbatterie ist leer. Hier hilft nur eine mobile Ladestation.

2. Die Starterbatterie ist leer, während die Antriebsbatterie noch geladen ist. In einem solchen Fall kann meistens ganz normal überbrückt werden, damit sich die Hochvolt-Systeme einschalten lassen.

Während der Fahrt erfolgt die Versorgung des Bordnetzes (Licht, Radio etc.) über die Antriebsbatterie und einen Spannungswandler. Das heisst, das Auto fährt beispielsweise mit 400 Volt, während Licht und Radio mit den gewohnten 12 Volt Spannung funktionieren. Gleichzeitig wird diese 12-Volt-Starterbatterie beim Fahren über den Spannungswandler mit Energie aus der «grossen» Antriebsbatterie aufgeladen. Die Starterbatterie wird übrigens auch dann nachgeladen, wenn das E-Auto an der Steckdose hängt.

Da Elektroautos keine mechanische Kupplung haben, kann man sie nicht anschieben. Zudem können bei leerer Starterbatterie die Hochvolt-Systeme nicht aktiviert werden. Wichtig zu wissen: Auch Elektro-Fahrzeuge verfügen über eine «normale» 12-Volt-Starterbatterie, meistens sind das konventionelle Blei-Säure-Batterien. Da die Hochvolt-Batterie über diese Starterbatterie und entsprechende Relais eingeschaltet wird, kann das E-Fahrzeug im Falle einer leeren Starterbatterie überbrückt werden. Eine andere, einfache Möglichkeit ist auch, die Batterie übers Ladekabel an eine Steckdose anzuschliessen. Dann werden Antriebs- und Starterbatterie aufgeladen.

Ein Elektrofahrzeug abzuschleppen, kann je nach Bauart des Elektroantriebs heikel sein. Grund: Der drehende Teil des E-Motors (also der Rotor) ist bei vielen Elektro-Autos über das automatische Getriebe direkt mit den Antriebswellen und Rädern verbunden. Das Abschleppen kann zu einer Erwärmung und/oder zu einer ungenügenden Schmierung im Getriebe sowie zu einer ungewollten Spannungserzeugung via Induktion im E-Motor und den Hochvolt-Bauteilen führen.

Diese Spannungserzeugung macht man sich bei intaktem Fahrzeug und aktiviertem Hochvolt-System beim Bremsen oder beim Bergabfahren in Form der Energie-Rekuperation zu Nutze. Beim Abschleppen könnte man damit aber Schaden anrichten. Deshalb wird es von einigen Herstellern explizit verboten. Andere erlauben es mit Einschränkungen. Eine solche Einschränkungen kann zum Beispiel lauten, dass ein E-Auto nur mit maximal 30 km/h über Distanzen von höchstens 30 Kilometer abgeschleppt werden darf.

Daher zum Schluss ein grundsätzlicher und sehr wichtiger Hinweis: Es lohnt sich, immer zuerst in der Bedienungsanleitung nachzusehen, was der Hersteller empfiehlt oder vorschreibt.

Gute Fahrt!

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