Kontrolliert bei der Arbeit: Dürfen Firmen ihre Angestellten im Homeoffice überwachen?
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Kontrolliert bei der ArbeitDürfen Firmen ihre Angestellten im Homeoffice überwachen?

Mit Überwachungs-Tools können Unternehmen prüfen, wie lange ihre Mitarbeitenden zuhause vor dem Computer sitzen und welche Arbeiten sie erledigen. Das ist aber nur unter gewissen Bedingungen erlaubt.

von
Janine Gloor
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Im Homeoffice kann einem der Chef nicht über die Schulter schauen.

Im Homeoffice kann einem der Chef nicht über die Schulter schauen.

20min/Michael Scherrer
Doch mit technischen Hilfsmitteln können die Angestellten auch aus der Ferne kontrolliert werden.

Doch mit technischen Hilfsmitteln können die Angestellten auch aus der Ferne kontrolliert werden.

20min/Marco Zangger
Wie Novartis gegenüber 20 Minuten bestätigt, hat das Unternehmen das Microsoft-Tool Workplace Analytics eingeführt.

Wie Novartis gegenüber 20 Minuten bestätigt, hat das Unternehmen das Microsoft-Tool Workplace Analytics eingeführt.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Die Überwachung von Mitarbeitenden im Homeoffice unterliegt strengen Regeln.

  • Novartis hat ein Tool eingeführt, das Computerdaten auswertet.

  • Sie werden aber anonym verwendet und nie einzeln ausgewertet, teilt Novartis mit.

  • Eine individuelle Überwachung von Mitarbeitenden ist in der Schweiz verboten.

Im Homeoffice sind die Angestellten ausser Sichtweite ihrer Chefs und Chefinnen. Doch mit Überwachungstools am Computer lassen sich die Angestellten auch aus der Ferne kontrollieren. Ein französisches Unternehmen geht noch einen Schritt weiter. Dessen Überwachungssoftware für die Kamera merkt, ob jemand isst, sich vom Laptop entfernt oder ein zweites Gesicht vor dem Bildschirm erscheint.

Auch in der Schweiz sind Mitarbeitende im Homeoffice nicht völlig unbeobachtet. Zum Beispiel bei Novartis. Wie das Pharmaunternehmen gegenüber 20 Minuten bestätigt, hat es das Microsoft-Tool Workplace Analytics eingeführt. Das Tool verwendet gemäss einem Novartis-Sprecher nur anonymisierte Metadaten aus Outlook. «Es zeigt, inwiefern die Mitarbeitenden mit anderen Beteiligten zusammenarbeiten und sich auf individuelle Arbeiten konzentrieren», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

Drei Prozent wollten das Tool nicht

Das Tool stellt auch fest, wann sich die Mitarbeitenden aus den Arbeitsprogrammen ausloggen. Gemäss dem Sprecher sei dem Unternehmen eine gesunde Work-Life-Balance der Angestellten wichtig. Er betont, dass niemals individuelle Daten überprüft werden und immer alle Daten zusammen analysiert werden, zum Beispiel als Ergänzung der Mitarbeiter-Umfrage.

Die Angestellten von Novartis konnten selber entscheiden, ob das Tool bei ihnen eingeführt werden sollte. Drei Prozent von ihnen hätten sich dagegen entschieden, sagt der Sprecher.

Ist die Überwachung im Homeoffice legal?

Doch die Vorgesetzten dürfen ihre Mitarbeitenden nicht nach Belieben kontrollieren. «Der Überwachung von Arbeitnehmenden im Homeoffice sind durch das Arbeitsrecht, Datenschutzrecht und auch Strafrecht enge Grenzen gesetzt», sagt Rechtsanwalt Boris Etter zu 20 Minuten. Die Überwachung müsse für das Arbeitsverhältnis erforderlich sowie verhältnismässig sein.

Bei einem Fahrer eines Geldtransports beispielsweise könne die Überwachung zulässig sein, weil seine Sicherheit und die der Ware im Vordergrund stehe. «Doch eine allgemeine Verhaltenskontrolle wie eine Kamera, die Mitarbeitende im Homeoffice ständig filmt, ist verboten», sagt Etter. «Zudem ist jegliche Überwachung zeitlich zu begrenzen.»

Unia empfiehlt Vertrauen statt Kontrolle

Für die Unia ist Überwachung nicht der richtige Weg: «Überwachung gewährleistet nicht, dass die Leute ihre Arbeit machen», sagt Unia-Mediensprecher Philipp Zimmermann zu 20 Minuten. «Wenn jemand im Homeoffice statt zu arbeiten stundenlang draussen das schöne Wetter geniesst, merkt man das auch sonst.»

In jedem Fall solle sich ein Unternehmen fragen, ob eine Überwachung wirklich etwas bringt oder einfach ein unangenehmes Arbeitsklima schafft. «Gerade in einer Zeit, in der wir auf Distanz bleiben müssen, ist es für ein Unternehmen umso wichtiger, im Zweifelsfall das persönliche Gespräch zu suchen, statt die Angestellten auch noch digital zu überwachen»», sagt Zimmermann.

Zuhause produktiver als im Büro?

Bei einer Umfrage von Xing gaben fast zwei Drittel der Befragten an, im Homeoffice mehr zu arbeiten als im Büro. Doch diese gesteigerte Produktivität gilt vor allem für sie selbst. Zwei Drittel aller Befragten gaben an, mehr zu schuften als die Kolleginnen und Kollegen. Doch nicht bei allen führt das Homeoffice zu einem Produktivitäts-Feuerwerk, knapp jeder Zehnte gab an, zuhause weniger zu erledigen.

Deine Meinung

189 Kommentare
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Klugschweisser

04.04.2021, 19:17

Es ist eine Frage des Vertrauens - oder der Überwachung, die vom Büro nun ins Homeoffice verschoben wurde - wer im HO überwacht wird, wurde auch am normalen Arbeitsplatz überwacht und sicher auch verpetzt wenn er sie es was nicht-firma-bezogenes gemacht hat. Petzen ist die Vorbereitung auf Beförderungen... in gewissen Firmen und Kulturen.

Frank01

04.04.2021, 16:24

Ich habe früher jeweils meinen Vorgesetzten kontrolliert und mich gefragt was er überhaupt macht. Ich kam zum Schluss er macht fast nichts.

MAK2

04.04.2021, 14:11

Homeoffice ist Vertrauenssache. Man bekommt eine Arbeit die muss in einer gewissen Zeit erledigt werden. Man kann vorher oder nachher spazieren oder baden gehen. Eine Kontrolle über die Schulter vom Chef, ist überflüssig und nicht unbedingt motivierend. Als ehm. Verkaufsdirektor und im VR würde ich diese Methode abraten!