Neue Umfrage: Düstere Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

Aktualisiert

Neue UmfrageDüstere Aussichten für die Schweizer Wirtschaft

Schweizer Finanzchefs blicken unsicher in die Zukunft. Vor allem geopolitische Konflikte und steigende Regulierungen stimmen sie pessimistisch.

von
C. Landolt
Düstere Stimmung herrscht unter den Schweizer Finanzchefs, wie die neusten Zahlen einer CFO-Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte zeigen.

Düstere Stimmung herrscht unter den Schweizer Finanzchefs, wie die neusten Zahlen einer CFO-Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte zeigen.

Die Stimmung unter den im August und September 120 befragten Finanzchefs der relevanten Unternehmen der Schweiz hat sich getrübt. Die Finanzchefs sind deutlich vorsichtiger und auch unsicherer, was die Zukunft angeht. Das zeigt die CFO-Umfrage des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte AG für das dritte Quartal 2014. «Der leise Optimismus, der Anfang Jahr noch vorhanden war, ist endgültig verflogen», sagt der Studienleiter und Chefökonom Dr. Michael Grampp.

Insbesondere abschwächende Konjunkturzahlen aus dem In- und Ausland lassen die Finanzchefs weniger euphorisch in die Zukunft blicken als noch in den Vorquartalen. Nur 26 Prozent beurteilen die finanziellen Aussichten ihres Unternehmens als positiv. Das ist der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Auch in Sachen Handelsspanne ist die Stimmung gekippt: Mehr

als jeder dritte Finanzchef (33 Prozent) rechnet für die nächsten 12 Monate mit rückläufigen Margen.

Politische Probleme bereiten Bauchweh

Grosse Sorgen bereiten den Finanzchefs vor allem geopolitische und militärische Risiken. 70 Prozent sehen darin ein wesentliches Unternehmensrisiko. Darunter fallen zum Beispiel Konflikte in Ostasien, im Mittlere Osten oder auch der Ukraine und Russland. Aber auch das Ebola-Virus, dessen Thematik in den Umfragemonaten noch von geringerer Bedeutung war als jetzt, gewinne bei den Unternehmen zunehmend an Bedeutung, wie Grampp zu 20 Minuten sagt.

Ebenfalls gestiegen ist aus Sicht der wichtigsten CFOs das Risiko einer schwächeren Auslandsnachfrage. Grund dafür ist die enge Verbindung mit der Europäischen Union, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz.

Verschärfte Regulierungen

Aber auch hausgemachte Probleme wie steigende Regulierungen (beispielsweise in Bezug auf die Zuwanderung) werden von jedem zweiten Finanzchef als Gefahr eingeschätzt. Anstehende Initiativen und politische Vorstösse im Parlament tragen zu einer weiteren Verunsicherung bei, so die Umfrage von Deloitte.

Diese Stimmungseintrübung hat zur Folge, dass der Wert des CFO Confidence Index um 11 Punkte auf 28 zurückgegangen ist. Auch der Subindex, der die Einschätzung der CFOs zur gesamtwirtschaftlichen Situation abbildet, hat mit minus 17 Punkten einen signifikanten Einbruch erlitten.

Zuvor hatten schon die Experten des Seco die Konjunktur-Prognosen nach unten korrigiert. Die Prognosen wurden für das laufende und das nächste Jahr um je 0,2 Prozent gesenkt. Sowohl die inländische als auch die aussenwirtschaftlichen Impulse werden inzwischen etwas schwächer eingeschätzt. Trotz der weiterhin relativ positiven Prognose sei nicht zu übersehen, dass sich die Risiken in jüngster Zeit spürbar erhöht hätten. Vor allem im Euroraum deuteten die schwachen Konjunkturdaten der letzten Monate darauf hin, dass die konjunkturelle Erholung noch schleppender vorankomme als bisher schon angenommen.

Herr Dr. Grampp, warum beunruhigen politische Konflikte die Finanzchefs so?

Grampp: Viele geopolitische Krisen sind plötzlich aufgetaucht. Die Schärfe und Häufung dieser Risiken wirkt sich ganz besonders negativ auf die Stimmung aus. Da die Schweiz stark von der europäischen und insbesondere deutschen Konjunktur abhängig ist, fürchten sie sich vor einer Eskalierung solcher Konflikte. wenn die deutsche Wirtschaft schwächelt, schlägt sich das auch auf die Schweizer Wirtschaft nieder.

Zählt dazu auch Ebola?

Das Thema war während des Umfragezeitraums aber noch nicht so dominant wie es jetzt ist. Wir merken aber in Gesprächen, dass das Thema immer mehr an Bedeutung für die Unternehmen gewinnt.

Wie beurteilen die Finanzchefs die zunehmenden Regulierungen?

Diese werden schon seit drei Quartalen von um 60 Prozent aller Teilnehmer als Risiko eingestuft. Das ist ein sehr hoher Wert, der auf strukturell bestehende Sorgen hinweist.

Sind Dienstleistungsunternehmen von Auftragseinbrüche weniger betroffen?

Die Schweiz ist zwar stark von Europa abhängig, setzt aber ebenfalls auf die USA oder Asien. So lange der Binnenmarkt aber so stabil bleibt wie in den vergangenen Jahren, haben Dienstleistungsunternehmen hier einen Vorteil.

Bankanalysten warnen von einem Zusammenhang zwischen dem Bau immer höherer Gebäude (z. B. das Roche-Hochhaus) und einem Konjunkturabsturz. Sehen Sie da auch eine Kausalität?

Ich sehe solche Indizes immer etwas skeptisch. Man findet in der Historie immer wieder Fälle, wo dieser Zusammenhang treffend war. Aber dies ist noch kein Beleg für eine Kausalität. In New York, Singapur oder Hongkong stehen sehr viele hohe Gebäude und diese Städte gehören zu den wohlhabendsten der Welt.

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