Aktualisiert 08.03.2004 21:49

Düsteres aus der Glasgower Halbwelt

ROMAN – Rilke heisst der Held dieses Romans – nicht Mister Rilke, einfach nur Rilke. Er ist auch keineswegs ein Dichter, sondern Angestellter eines kleinen Auktionshauses in der Stadt Glasgow und ausserdem schwul.

Eines Tages erhält Rilke ein verheissungsvolles Angebot: Die reiche Miss McKindless will nach dem Tode ihres Bruders ihr Anwesen schnellstens räumen und die Wertsachen versteigern lassen. Rilke gehen die Augen über, als er die kostbare Einrichtung sieht. Erst recht staunt er, als er dann das Geheimzimmer des toten Bruders betritt: Schweinekram, Pornografie der härtesten Sorte, auch eine Fotoserie, auf der McKindless mit einer offensichtlich toten Frau zu Gange ist. Rilke lässt dieses Bild nicht mehr los und er will die genaueren Umstände seiner Entstehung herausfinden. Und dabei gerät er in Teufels Küche, denn dieser McKindless hat noch ganz anderen Dreck am Stecken.

Die 40-jährige schottische Autorin Louise Welsh hat in ihrem beeindruckenden ersten Roman ziemlich harten Stoff verarbeitet. Da sie das nicht unbedingt in der Manier eines Thrillers macht, fällt man bei der Lektüre nicht dauernd vom Stuhl, sondern sieht auch in diese merkwürdige Szene der Auktionatoren, Transvestiten und Antiquare hinein.

Die Halb- und Unterwelt der Stadt Glasgow wird atmosphärisch fassbar. Dennoch liest man den Roman natürlich wie einen spannenden Krimi, der am Ende noch mancherlei Überraschung bereithält.

Wolfgang Bortlik

Louise Welsh «Dunkelkammer». Kunstmann-Verlag, 300 Seiten, 34.90 Franken.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.