Aktualisiert 03.02.2005 20:14

Dufte Sache

Diese Idee riecht nach Erfolg: jeder Frau zu ihrem eigenen Parfum zu verhelfen. In Duftseminaren wird die Vision den Damen näher gebracht.

Marbella mag süsse Düfte. Jacqueline steht auf Patschuli. Und Claudia auf Moschus. Gemeinsam haben die drei Frauen eines: Sie sind Teilnehmerinnen des ersten Y.A.O.-Duftseminars mit dem verführerischen Motto «Create Your Own Perfume».

«Heutzutage wird alles individualisiert», erklärt Initiant Adrian Ebenberger seine Idee. «Nur die Entwicklung von Düften überlässt man der Industrie. Hier setzt das Seminar an.» In einem Theorie- und Praxis-Block sollen Frauen ihre Duftvorlieben erkennen und hernach zusammenmixen lernen. Trotz grassierender Grippewelle findet sich bereits am frühen Morgen ein gutes Dutzend in der Zürcher Schminkbar ein. Vom Kaffeetrinken rät Adrian Ebenberger dringlich ab: «Das neutralisiert die Duftnerven.» Ohnehin: «Unser Riechorgan wird vernachlässigt», schiebt Referent Marc Heimgartner nach – bevor er die Geheimnisse seines Metiers offenbart.

Das Testschnuppern ist nicht immer nur angenehm. Gilt es doch zuerst an Büffelhörnern und Pottwal-Ausscheidungen zu riechen und sich belehren zu lassen, dass sogar das Geschlechtssekret des männlichen Bibers für Parfums verwendet wurde. Trotzdem entpuppt sich das Seminar in der Folge als dufte Sache: Der Reihe nach beschnuppern die Frauen Rosen- und Gewürzblätter, frischen Ingwer und Patschuli, wobei sich rasch individuelle Präferenzen einstellen. «Riecht wie Kaugummi», bewertet Jacqueline das Aroma von Hexenol (Charakteristik: Riecht wie Gras). «Ist bestimmt gut für die Haut», vermutet eine andere Dame, als sie sich den Civette-Duftstreifen (Charakteristik: Riecht fäkalisch) zur Nase führt. Schliesslich werden Pipette, Riechstreifen, Test-Flacons und Duft-Accords ausgebreitet, um die individuelle Duftnote auch umzusetzen.

Dabei beschnuppern die Frauen nicht nur die Fläschchen, sondern auch sich gegenseitig. Rezepturen werden notiert, Meinungen eingeholt. Nicht alle sind alchimistische Naturtalente. Nach fünf Tropfen hat Claudia schon vergessen, was sie mixen wollte – und Jacquelines erste Mischung ist beängstigend mutig dosiert. Marbella dagegen bringt sogar die gewagte Kombination von sinnlich-sportlichen und blumig-rosigen Duftnoten zustande. Und entschwindet nach vollbrachtem Werk, duftend wie ein Maiglöckchen, in den kalten Wintertag.

Der Herr der Düfte

Marc Daniel Heimgartner ist Parfumeur bei der Dietliker Firma Luzi AG.

«Charakteristische, facettenreiche Parfums», sagt er, «kommen wieder in Mode.»

Herr Heimgartner, was machen Sie als Parfumeur eigentlich?

Marc Daniel Heimgartner: Ich entwickle Duftstoffkompositionen. Einerseits für Parfums, anderseits aber auch für Körperpflegeprodukte, Duftkerzen, Weichspüler oder Allzweckreiniger.

Welcher Duft-Trend liegt bei Parfums zurzeit in der Luft?

Charakteristische, facettenreiche und spezielle Düfte kommen wieder mehr in Mode. Im Gegensatz zu den frisch-fruchtigen und ausgeglichenen Parfums, die viele Labels in den letzten Jahren lanciert haben.

Gibt es bestimmte Rohstoffe, die momentan besonders gefragt sind?

Gewürze wie rosaroter Pfeffer, Koriander, Kardamon oder Ingwer in Kombination mit edlen Holznoten, etwa Vetiver, Patschuli oder Sandelholz. Sie symbolisieren eine neue Wärme.

Im Gegenzug werben Labels wie Comme des Garçons mit Parfums, die nach Bezin riechen ...

Irgendwann wirken die bekannten Kombinationen halt ausgereizt, also tüftelt man im Labor an neuartigen Duftelementen. Das ist aber eher ein Nebentrend.

Jährlich kommen 300 bis 350 neue Parfums auf den Markt. Warum so viele?

Dahinter stehen oft verkaufstechnische Überlegungen. Heute ergänzen sich Mode, Accessoires und Parfums sehr stark. Auch verschiedene Stars mischen mit ihren Düften im Geschäft mit. Manche Konsumenten überfordert diese hohe Anzahl von Duftlancierungen.

Und Ihre Nase, ist die nie überfordert?

Sie ist immer auf der Suche und kommt daher praktisch nie zur Ruhe. Wegzuriechen ist sehr schwierig. Wenn ich an einem warmen Sommerabend im Zug sitze, kommt es schon mal vor, dass ich leide. Wobei: Auch Übelriechendes kann durchaus reizvoll sein.

Claudia Schlup

Weitere Duftseminare finden am 24.2. und 29.3. in Zürich statt.

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