Wirtschaft: Dumont-Praxis: Ständerat tut sich schwer damit
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WirtschaftDumont-Praxis: Ständerat tut sich schwer damit

Die Dumont-Praxis soll abgeschafft werden. Damit würden Renovationen an vernachlässigten Altbauten steuerlich begünstigt.

von
Jeannette Schläpfer

Wer heute einen Altbau erwirbt und ihn sanieren will, kann das nur bedingt steuerlich geltend machen. Noch gilt beim Bund und in den meisten Kantonen die Dumont-Praxis, wonach Unterhaltsarbeiten in den ersten fünf Jahren nach Erwerb einer Liegenschaft nicht oder nur bedingt vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden dürfen. Davon ausgenommen sind laufende Unterhaltskosten sowie 50 Prozent der Kosten für Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen.

Mit dieser 1973 eingeführten Praxis wollte das Bundesgericht verhindern, dass jemand billig eine Altliegenschaft kauft, sie anschliessend teuer renovieren lässt und dabei von Steuervorteilen profitiert. Dies wäre beim Kauf einer neuen Liegenschaft nicht möglich. Die meisten Kantone übernahmen die Bundespraxis, einzelne schränkten sie etwas ein.

Gerade stark vernachlässigte Liegenschaften litten unter diesen Einschränkungen am meisten. Das soll sich nun ändern: Am 20. März hat sich der Nationalrat für eine Abschaffung der Dumont-Praxis ausgesprochen. Etwas schwerer tut sich der Ständerat damit. Denkbar sind etwa Umweltauflagen für Renovationswillige. Sollte die Gesetzesvorlage an der Herbstsession zur Beratung gelangen und verabschiedet werden, und kommt kein Referendum zustande, kann die neue Gesetzesregelung bei der direkten Bundessteuer 2010 in Kraft treten. Den Kantonen bliebe damit allerdings freigestellt, ob sie mitziehen wollen oder nicht.

«Vernachlässigte» Liegenschaften

Gemäss Bundesgerichtsurteil vom 24. April 1997 können bei vernachlässigten Liegenschaften aus­ser den Betriebskosten nur

Instandhaltungs-, nicht aber Instandstellungskosten vom Einkommen abgezogen werden.

Auf eine im Unterhalt vernachlässigte Liegenschaft deuten folgende Anhaltspunkte hin:

-  Liegenschaft ist älter als 30 Jahre.

- Fehlende grössere Unterhaltsarbeiten in den letzten 10 bis 20 Jahren.

- Kosten für die Instandstellungsarbeiten machen erheblichen Anteil am Kaufpreis der Liegenschaft aus (mindestens 25 Prozent).

- Art und Umfang der Arbeiten sind massgeblich.

- Nach der Renovation steigen der Eigenmietwert beziehungsweise die Mietzinse.

Mehrere Kantone gehen von

einer vernachlässigten Liegenschaft aus, wenn

- die Liegenschaft ein bestimmtes Alter hat (15, 20 oder 30 Jahre);

- das Verhältnis der Instandstellungskosten zum Erwerbspreis der Liegenschaft ein gewisses Mass (7 Kantone) oder den amtlichen Wert (AR) überschreitet.

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