Duncan Smith verlor Vertrauensabstimmung

Aktualisiert

Duncan Smith verlor Vertrauensabstimmung

Der britische Oppositionsführer hatte in der Vertrauensabstimmung seiner Konservativen Partei zu viele Stimmen gegen sich.

Die britischen Konservativen haben am Mittwochabend ihren Parteichef Iain Duncan Smith abgewählt. 90 der 165 konservativen Unterhausabgeordneten entzogen dem Oppositionsführer in einer Abstimmung das Vertrauen, 75 votierten für ihn.

«Die Fraktion hat gesprochen, die Ankündigung ist gemacht, und ich werde zurücktreten, sobald ein Nachfolger gefunden ist», sagte Duncan Smith in einer ersten Reaktion. Sein Nachfolger werde von ihm die volle Unterstützung erhalten.

Die innerparteilichen Gegner Duncan Smiths werfen ihm vor, die sinkende Popularität von Labour-Premier Tony Blair in den Monaten seit dem Irak-Krieg nicht für die Torys genutzt zu haben. Duncan Smith wurden in der Partei kaum Chancen gegeben, Blair bei der nächsten Parlamentswahl zu schlagen, die für 2005 erwartet wird.

Die Kritiker Duncan Smiths in der Tory-Fraktion konnten die notwendigen 25 Stimmen zusammentragen, um die Vertrauensabstimmung zu erzwingen. Für eine Abwahl des Parteichefs reichte nach den Parteiregeln eine einfache Mehrheit der 164 konservativen Abgeordneten.

Dritte Führung in sechs Jahren

Damit muss die Konservative Partei, die unter Margaret Thatcher und John Major 18 Jahre lang regierte, zum dritten Mal in sechs Jahren eine neue Führungspersönlichkeit suchen. Als mögliche Nachfolger des glücklosen Parteichefs sind Michael Howard, Kenneth Clarke, Michael Portillo, Michael Heseltine, Oliver Letwin, David Davis sowie Michael Ancram im Gespräch.

Als aussichtsreichster Nachfolger gilt Howard, der finanzpolitische Sprecher der Konservativen. Der 62-Jährige, Innenminister unter Ex-Premier John Major, machte sich seinerzeit mit der Einführung der inzwischen wieder abgeschafften «poll tax» unbeliebt.

Er stellte sich jedoch am Dienstag hinter seinen Parteichef, als er eine Erklärung führender Parteimitglieder zu Gunsten Duncan Smiths unterschrieb. Auch der 63-jährige Kenneth Clarke wird als möglicher Nachfolger an der Parteispitze gehandelt. Er kandidierte 2001 um das Amt des Parteichefs und verlor gegen Duncan Smith.

Langwieriges Verfahren

Nach Angaben des Parteisprechers müssen Nachfolgekandidaten ihre Bewerbung bis Donnerstag Mittag einreichen. Die erste Wahl werde am 11. November stattfinden.

Den Parteistatuten zufolge werden zwei Kandidaten in einer Vorauswahl bestimmt, die dann der Parteibasis präsentiert werden. Dieser Prozess kann sich über Wochen hinziehen.

Duncan Smith hatte 2001 die Führung der Konservativen übernommen. Gegner bezeichneten den 49-Jährigen als die erfolgloseste und uncharismatischste Führungspersönlichkeit in der Geschichte der einstmals mächtigen Partei, die die Geschicke und Aussendarstellung Grossbritanniens im 20. Jahrhundert massgeblich bestimmt hatte.

(sda)

Deine Meinung