Berner Spuk-Geschichten: Durch dieses Schlössli geistert eine tote Jungfer

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Berner Spuk-GeschichtenDurch dieses Schlössli geistert eine tote Jungfer

Auch in Bern spukt es: Mehrere Leser berichten von ihren übersinnlichen Erlebnissen. Ein Experte nimmt Stellung zu den unheimlichen Phänomenen.

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sul
Im alten Schlössli in Kehrsatz wandelt der Legende nach der Geist einer toten Jungfer durch die Gänge.

Im alten Schlössli in Kehrsatz wandelt der Legende nach der Geist einer toten Jungfer durch die Gänge.

wikimedia / Marianabeauty

Im Zuge eines Artikels über mysteriöse Schauplätze in der Ostschweiz lancierte 20 Minuten die Umfrage «Kennen Sie einen Ort, an dem es spukt?». Vor allem aus dem Kanton Bern meldeten sich mehrere Leser und berichten von unheimlichen Begebenheiten.

So etwa Anina Rütsche. Nach der Matura arbeitete sie ein Jahr lang als Klassenassistentin in einem Schulheim in Kehrsatz . Während dieser Zeit bewohnte sie ein Zimmer im alten Schlössli, das zur Anlage gehört. Man habe gemunkelt, dass dort der Geist einer gewissen Frau Hackbrett umgeht, die sich vor einigen hundert Jahren auf dem Dachboden im Turm erhängt hatte. «Natürlich glaubte ich nicht daran», sagt Rütsche.

Fräulein Hackbrett geistert im Schloss rum

In einer eisigen Winternacht jedoch, als sie schon im Bett lag, habe sie schleppende Schritte und jämmerliches Geheul vor ihrer Tür gehört. «Ich war wie gelähmt und traute mich gar nicht nachzusehen», erinnert sie sich. Am nächsten Morgen habe sie ihre Kollegen gefragt, ob diese ihr einen Streich gespielt hätten. «Niemand wusste aber etwas von dem Vorfall.»

In Kehrsatz kennen noch einige ältere Bewohner die Legende. «Sie besagt, dass die jung verstorbene Tochter des Generals Hackbrett – der Besitzer des Schlösslis im späten 16. Jahrhundert – wegen etwas liederlichem Lebenswandel nie zur ewigen Ruhe gelangen konnte», erzählt Ueli Affolter, der zwölf Jahre lang als Sozialpädagoge im Schlössli arbeitete. In stürmischen Sommernächten geistere die Jungfer Hackbrett daher durch das ihr nicht mehr vertraute Haus. «Die unheimlichen Geräusche sind aber wohl eher auf eine alte Uhr zurückzuführen als auf einen Geist», so Affolter.

«Der Spuk verzaubert die Welt»

Dass übersinnliche Begegnungen auch angenehm sein können, zeigt die Geschichte von Alessandra Wenzler aus Herzogenbuchsee. Ihre 1996 verstorbene Grossmutter liebte Blumen über alles, speziell Maiglöckchen. «Es kommt immer wieder vor, dass ich, egal wo ich bin und was ich tue, plötzlich einen intensiven Maiglöckchenduft wahrnehme», erzählt sie. Wenzler ist überzeugt, dass ihr Grosi sie in solchen Momenten besucht. «Es zaubert mir immer ein Lächeln aufs Gesicht.»

Sektenexperte Georg Otto Schmid überrascht die Faszination der Menschen für das Übersinnliche nicht. «Das Rationale ist zwar nützlich, macht das Leben aber auch trocken und wenig zauberhaft.» Das Paranormale verzaubere quasi die Welt und mache sie dadurch interessanter. Es sei das Gefühl von «da könnte doch mehr sein». Das Interesse an Geistern rühre auch daher, dass sie der Beweis für ein Leben nach dem Tod seien und der Tod die Menschen seit jeher stark beschäftige.

Probleme können Ursache für Spuk sein

«Auch ein sehr rationaler Mensch kann sich plötzlich für die Thematik interessieren, etwa nach einem Schicksalsschlag oder wenn er sonst viele Probleme hat», sagt Schmid. Wenn einem verschiedene schwierige Dinge gleichzeitig zugemutet werden, dann könne der Glaube an Spuk die vertrackte Realität radikal vereinfachen. Hinter der Ehekrise, dem Zoff mit den Kindern im Teenie-Alter, dem Stress im Büro und den Rückenschmerzen stehe dann ein und dieselbe Ursache: die Spuk-Belastung des Hauses. Schmid: «Eine solche Vereinfachung der Probleme kann erleichternd wirken, aber einer nachhaltigen Lösung eher im Weg stehen.»

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