Magersucht: Durch Motivation aus der Krankheit
Aktualisiert

MagersuchtDurch Motivation aus der Krankheit

Essgestörte Jugendliche verweigern oft eine Therapie. Mit einer neuen Methode wollen ihnen Zürcher Ärzte wieder Lust aufs Essen machen.

von
Claudia Hoffmann

Bleiben Magersüchtige unbehandelt, hungern sie sich im Extremfall zu Tode. Doch Essstörungen lassen sich heilen, am besten, so lange sie noch nicht chronisch sind. Das ist bei jungen Menschen der Fall. Allerdings sträuben sich viele Jugendliche gegen eine Therapie, weil sie darin keinen Vorteil für sich sehen.

Um den Betroffenen besser zu helfen, testen Ärzte vom Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst der Uni Zürich nun eine neue Behandlung. Ziel ist es, Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren für eine Esstherapie zu motivieren. «Es gibt kein Patentrezept», sagt Chefärztin und Studienleiterin Dagmar Pauli. Denn jeder Mensch reagiert auf unterschiedliche Anreize. Deshalb dürfen die Jugendlichen selbst wählen, in welcher Reihenfolge sie bestimmte Therapieblöcke absolvieren.

Eltern miteinbeziehen

Zusätzlich stecken sich die Betroffenen eigene Ziele, wie beispielsweise neue Freunde zu finden. «Das Wichtigste ist, dass sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu behalten», sagt Pauli. Die Eltern mit einzubeziehen, sei ebenfalls wichtig. Diese lernen im Gespräch mit Therapeut und Jugendlichem, wie sie ihr Kind besser unterstützen können. Denn: «Eltern wollen helfen, wissen aber nicht wie», sagt Dagmar Pauli. Deshalb übten sie häufig zu viel Druck aus. «Aber das ist kontraproduktiv.» Statt nur übers Essen zu reden, sollten vor allem auch Alltagsthemen besprochen werden.

Der neue Ansatz zeigt gemäss Pauli bereits erste Erfolge: Die so behandelten Jugendlichen brachen seltener ihre Therapie ab oder mussten ins Spital eingewiesen werden. Eine Studie mit der Uniklinik Aachen (D) soll nun die Wirksamkeit auch wissenschaftlich belegen.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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