Nach Impfung von Milliardär: Durch Schlupfloch bei Kantonen kommen Nicht-Risikopatienten zur Impfung
Publiziert

Nach Impfung von MilliardärDurch Schlupfloch bei Kantonen kommen Nicht-Risikopatienten zur Impfung

Nicht-Risikopatienten können sich in einigen Kantonen doch bereits impfen lassen. Grund dafür ist eine Jokerliste für Impfwillige. Jeder Kanton verfolgt dabei jedoch andere Richtlinien.

von
Bianca Lüthy
1 / 3
Impfdosen werden in den Kantonen an Nicht-Risikopatienten verimpft, wenn sie übriggeblieben sind.

Impfdosen werden in den Kantonen an Nicht-Risikopatienten verimpft, wenn sie übriggeblieben sind.

20min/Taddeo Cerletti
Jeder Kanton führt eine eigene Jokerliste mit Impfwilligen. 

Jeder Kanton führt eine eigene Jokerliste mit Impfwilligen.

20min/Taddeo Cerletti
So werden in den Impfzentren keine Impfdosen verschwendet. 

So werden in den Impfzentren keine Impfdosen verschwendet.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Übriggebliebene Impfdosen werden von den Kantonen an Impfwillige abgegeben.

  • Dazu führt jeder Kanton seine eigene Liste.

  • Die Vorgaben für die Jokerliste variiert von Kanton zu Kanton.

Im Kanton Thurgau liess sich der südafrikanische Milliardär Johann Rupert vor dem offiziellen Impfstart gegen Covid-19 impfen. Der 70-jährige Besitzer der Hirslanden-Gruppe konnte sich so einen Vorrang gegen über den effektiven Risikopatienten verschaffen. Laut Rupert hatte sich auch ein Freund von ihm bereits impfen lassen, der ist erst 55 Jahre alt . Doch wie ist es möglich, dass unter 75-Jährige bereits eine Impfdosis bekommen haben?

Bei den Kantonen gilt: Zuerst sollen Senioren ab 75 Jahren und Personen mit chronischen Erkrankungen geimpft werden. Doch gibt es ein Impf-Schlupfloch, wie der «Tages-Anzeiger» am Montag schreibt.

Demnach bleiben in den Impfzentren immer wieder Dosen übrig. Entweder weil noch etwas Impfstoff in der Ampulle geblieben ist oder weil eine angemeldete Person nicht zum Impftermin erschienen ist. Aufgrund der heiklen Lagerung des Impfstoffes kann er nicht lange aufbewahrt werden und muss dann schnellstmöglich verimpft werden.

Kantönli-Geist auch bei Jokerliste für Impfungen

Eine Umfrage der Zeitung zeigt, dass die Kantone bei übriggebliebenen Impfdosen sehr unterschiedlich vorgehen. Der Kanton Thurgau zum Beispiel, wo sich auch Rupert impfen liess, führe seit Dezember eine Liste mit Personen, die gern geimpft werden möchten. Diese hatten sich noch vor dem Impfstart per Corona-Hotline beim Kanton gemeldet. Laut Kantonssprecher Thomas Walliser Keel müssen diese Personen nicht zwingend 75 Jahre alt sein oder an einer chronischen Krankheit leiden.

Nach Möglichkeit werde gemäss den BAG-Kriterien geimpft, so Walliser Keel. «Es gibt aber aufgrund der Verfügbarkeiten hier auch Ausnahmen. Oberste Priorität ist, dass keine Impfung verworfen werden muss.»

Diese Personen werden jeweils zwischen 18 und 19.30 Uhr telefonisch kontaktiert und haben dann 60 Minuten Zeit, um im Impfzentrum in Frauenfeld zu erscheinen. Täglich werden so an drei bis vier Personen übriggebliebene Dosen verimpft.

Für die «Impf-Jokerliste» sind im Kanton St. Gallen, die Alters- und Pflegeheime zuständig. «Jedes Heim erstellt vorab eine Liste mit 5 bis 10 Personen, die sich gern impfen lassen möchten, telefonisch abrufbereit sind und innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein können», erklärt Fabienne Frei vom kantonalen Gesundheitsdepartement. Im Idealfall seien es Risikopatienten und Hochbetagte.

Keine Impfstoffe wegzuwerfen ist die Priorität

Im Kanton Zürich wird die Liste von Heimärzten geführt. Laut Markus Näf, Projektleiter der kantonalen Covid-19-Impfaktion, handelt es sich bei den zusätzlich Geimpften um Heim-Personal. Oder auch Patienten aus der Praxis der Heimärzte. «Nach Möglichkeit» würden sich die Ärzte bei der Auswahl der Impfwilligen nach der Prioritätenliste des Bundes richten. Priorität habe aber, dass kein Impfstoff weggeworfen werde.

Wie viele Personen bereits durchs «Impfschlupfloch» immunisiert werden konnten, kann Näf nicht sagen. Im Kanton Basel-Stadt wurden auf diesem Wege bereits 115 Personen in den Heimen geimpft. Im Impfzentrum waren es 50 Personen bei insgesamt knapp 11’000 Impfungen seit dem 28. Dezember.

Im Kanton Schaffhausen wurde ein Reservepool mit Hochrisikopatienten gebildet. Die Liste bestehe aus Personen, die von den Hausärzten zum Impfen gemeldet worden seien, aber aufgrund der beschränkten Mengen keinen Termin erhalten haben, wie Laura Gialluca, Medienverantwortliche des Schaffhauser Covid-Teams zum «Tages-Anzeiger» sagt. In den Kantonen Bern, Baselland, Aargau und Luzern heisst es, die übriggebliebenen Impfdosen würden ans Gesundheitspersonal und die Angestellten der Impfzentren verimpft werden.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung