Von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde: Durch Serotonin werden Heuschrecken zur Plage
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Von Dr. Jekyll zu Mr. HydeDurch Serotonin werden Heuschrecken zur Plage

Erst der Nerven-Botenstoff Serotonin macht Heuschrecken zur Plage: Laut einer britischen Studie sorgt er dafür, dass sich harmlose, vereinzelte Wüstenheuschrecken zu riesigen, gefrässigen Schwärmen zusammenrotten.

Einzelne Wüstenheuschrecken sind extrem ungesellig. Wird aber ihre Nahrung knapp, so ändert sich ihr Verhalten drastisch: Sie schliessen sich zu riesigen Schwärmen zusammen und fressen alles, was grün ist. Auch ihr Aussehen ändert sich in kurzer Zeit, weshalb Forscher die «Wanderheuschrecke» noch bis 1921 für eine eigene Art hielten.

Auslöser dieser Veränderungen sind Reize, die von Artgenossen ausgehen. Reagieren Heuschrecken auf seltene Begegnungen noch aggressiv, so wandeln sie sich zum Schwarmwesen, sobald sie sehr häufig auf Ihresgleichen treffen. Entscheidend dafür ist, wie viele Artgenossen die Tiere sehen, riechen oder - im dichten Gedränge - spüren.

Mehr Botenstoff ausgeschüttet

Forscher um Stephen Rogers von der Universität Cambridge versetzten einzelne Tieren durch eine künstliche Reizung der Hinterbeine in den Wanderheuschrecken-Zustand. Dabei stellten sie fest, dass die Konzentration des Nerven-Botenstoffs Serotonin in Teilen des Nervensystems um den Faktor drei anstieg.

Erhielten die Tiere vorher ein Medikament, das die Produktion oder die Wirkung von Serotonin blockiert, so blieb die Umwandlung trotz starker «Wanderreize» aus. Die Tiere blieben Einzelgänger, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin «Science» berichten.

Injizierten die Forscher Heuschrecken dagegen direkt Serotonin oder chemisch verwandte Stoffe, so wandelten sie sich in kurzer Zeit in typische «Wanderheuschrecken» um. Sie zeigten Schwarmverhalten, auch wenn sie ganz allein waren und die dafür nötigen Reize fehlten.

Von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde

«Niemand hatte bisher die Vorgänge im Gehirn verstanden, die bei den Heuschrecken bei dieser Verwandlung von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde vorgehen, vom harmlosen, antisozialen Einzelgänger zum monströsen Schwarm», sagt Mitautor Michael Anstey. «Darüber hatten Forscher 90 Jahre lang gerätselt.»

Serotonin ist ein bekannter Botenstoff, der in der gesamten Tierwelt vorkommt. Auch beim Menschen ist bekannt, dass Serotonin das Verhalten beeinflusst. Die Entdeckung könnte neue Wege aufzeigen, die Bildung von Schwärmen der gefrässigen Insekten zu verhindern, glauben die Wissenschaftler.

Schwärme von Wanderheuschrecken gelten als eine der biblischen Plagen. Noch heute wird etwa ein Fünftel der Landmasse der Erde immer wieder von Heuschreckenschwärmen heimgesucht. Erst im vergangenen November war aus Australien von einem Schwarm berichtet worden, der sich über sechs Kilometer Länge hinzog.

(sda)

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