Ab nach Singapur: «Durchführung des WEF wäre für uns ein Traum gewesen»
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Ab nach Singapur«Durchführung des WEF wäre für uns ein Traum gewesen»

Das Weltwirtschaftsforum 2021 findet definitiv nicht in der Schweiz statt. Die Organisatoren wandern aus Angst vor Corona nach Singapur ab. Die Enttäuschung ist in der Zentralschweiz gross.

von
Barbara Scherer
Dominic Benz
Nadine Wechsler
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Das WEF 2021 findet nicht in der Schweiz statt, … 

Das WEF 2021 findet nicht in der Schweiz statt, …

Getty Images/iStockphoto
… sondern in Singapur.

… sondern in Singapur.

imago images/Olaf Schuelke
Damit gibt das WEF nicht nur Davos einen Korb, sondern auch dem Bürgenstock NW und Luzern.

Damit gibt das WEF nicht nur Davos einen Korb, sondern auch dem Bürgenstock NW und Luzern.

imago/Xinhua

Darum gehts

  • Das Weltwirtschaftsforum (WEF) zieht wegen der hohen Corona-Zahlen ins Ausland.

  • Schweizer Politiker zeigen sich enttäuscht darüber.

  • Für die durch die Krise gebeutelte Hotellerie wäre der Megaevent ein Lichtblick gewesen.

Palmen und Meer statt Schnee und Berge: Das Weltwirtschaftsforum (WEF) findet nächstes Jahr vom 13. bis 16. Mai in Singapur statt. Das teilten die Organisationen am Montag mit. Damit gibt das WEF nicht nur Davos einen Korb, sondern auch dem Bürgenstock NW und Luzern. Die Innerschweiz stand als mögliche Zwischenlösung für das WEF 2021 zur Diskussion.

Doch die Organisatoren flüchten nun wegen Corona nach Asien. Nach sorgfältiger Abwägung und angesichts der aktuellen Situation bezüglich der Covid-19-Fälle sei beschlossen worden, dass Singapur am besten geeignet sei, das Treffen abzuhalten, begründet das WEF seine Entscheidung.

WEF war Lichtblick für Hotels und Restaurants

Der Wegzug sorgt in der Schweiz für lange Gesichter. «Die Durchführung des WEF wäre für uns ein Traum gewesen», sagt der Luzerner Tourismus-Direktor Marcel Perren. Daher sei die Enttäuschung gross. Speziell der Städtetourismus habe es in der Pandemie schwer. «Das WEF wäre ein schönes Zeichen des Aufbruchs gewesen.»

Enttäuscht ist auch der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter. «Ich bedaure sehr, dass das WEF nicht wie geplant in Bürgenstock stattfindet.» Schlimm sei es vor allem für die Hotels und Restaurants. Diese seien wegen Corona unter finanziellen Druck geraten. «Das WEF wäre ein Lichtblick für sie gewesen», sagt Grüter.

Der Nationalrat hatte sich für ein Bleiben des WEF in der Zentralschweiz eingesetzt. Zusammen mit anderen bürgerlichen Politikern hat Grüter Bundesrat Guy Parmelin einen offenen Brief überreicht, um gegen die drohende Abwanderung zu kämpfen. Auch mit WEF-Gründer Klaus Schwab hat Grüter im Vorfeld gesprochen. Doch bereits im Gespräch sei klar geworden, dass die Organisatoren aufs Ausland ausweichen wollten. «Mir wurde aber versichert, dass das WEF am Standort Schweiz festhalten will», sagt Grüter.

Den offenen Brief unterschrieben hat ebenso Hans Wicki: «Es ist sehr tragisch», sagt der FDP-Ständerat aus Nidwalden. Niemand wisse aber, wie die Situation im Mai sein werde. «Vielleicht hat sich das Ganze dann wieder von Europa nach Asien verschoben.» Wicki hofft darauf, dass das WEF im Jahr 2022 die Zentralschweiz als Veranstaltungsort berücksichtigen kann. «Dann waren unsere Aufwendungen nicht umsonst.»

Man bedaure den Entscheid sehr, sagt auch der Nidwaldner Landammann und Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger. Corona sei der grosse Unsicherheitsfaktor gewesen. «Die Wahrscheinlichkeit für eine Durchführung des WEF in der Zentralschweiz stand von Anfang an bei 50 Prozent.» Für die Region sei der Entscheid ein grosser wirtschaftlicher Verlust. Zwar könne er keine Zahlen nennen. «Aber Nidwalden und Luzern entgeht neben der Wertschöpfung auch ein enormer Werbeeffekt.»

Dennoch kann Filliger der Situation auch Positives abgewinnen. «Die Zusammenarbeit mit dem WEF hat uns bestätigt, dass der Bürgenstock und Luzern sehr gute Voraussetzungen für solche grossen internationalen Anlässe mitbringen.» Das WEF habe in Aussicht gestellt, dass man künftig andere Anlässe an den Orten durchführen wolle.

Kein Imageschaden für die Schweiz

Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse, verweist auf die internationale Ausstrahlung, die der Schweiz nun entgeht. Das WEF sei immer ein wichtiger Anlass für das Image der Schweiz gewesen. «Mit dem Anlass konnte sich das Land immer als guter Gastgeber präsentieren.» Der Wegzug ins Ausland sei daher sehr schade.

Trägt die Schweiz nun einen Imageschaden davon? «Der Event hätte nirgends in Europa durchgeführt werden können, die Ansteckungszahlen sind überall zu hoch», sagt er. Alle würden im gleichen Boot sitzen. Der temporäre Umzug nach Asien bedeutet darum für die Schweiz kein Imageschaden.

2022 kehrt das WEF zurück

Verständnis für die die Flucht des WEF ins Ausland zeigt allerdings der Davoser Tourismusdirektor Reto Branschi: «Es ist klar, dass viele nicht anreisen können, wenn die Schweiz und auch Europa auf der Quarantäneliste einiger Länder stehen.»

Für Branschi ist klar, dass das WEF in Singapur anders sein wird, als man es sich von Davos her gewohnt ist. Auch für Branschi ist die Zusage der Organisatoren, dass das WEF 2022 wieder in Davos stattfinden wird, ein Lichtblick.

Erst einmal im Ausland

Ursprünglich hatte das WEF angekündigt, seinen internationalen Anlass 2021 wegen der Corona-Pandemie nicht Anfang des Jahres in Davos GR, sondern in einem reduzierten Umfang vom 17. bis 21. Mai auf dem Bürgenstock NW und in Luzern durchzuführen. Ende November stufte WEF-Gründer Klaus Schwab in einem Interview die Corona-Situation in der Schweiz als schwierig ein. Daraufhin gab es unbestätigte Meldungen, dass das WEF in Singapur durchgeführt werden könnte. In der 50-jährigen WEF-Geschichte fand das Elite-Treffen erst einmal ausserhalb der Schweiz statt. Die Veranstaltung war wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 und angekündigter Demonstrationen von Globalisierungsgegnern 2002 von Davos nach New York verlegt worden.

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