Für 15 Camper: Durchgangsplatz für Fahrende kommt vors Volk
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Für 15 CamperDurchgangsplatz für Fahrende kommt vors Volk

Die Thaler Bevölkerung wehrte sich mit einem Referendum gegen einen geplanten Platz für Fahrende. Am 18. Mai entscheidet das Volk.

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sda/sst
In Thal am Bodensee stösst der geplante Durchgangsplatz für Fahrende auf Widerstand: Im aargauischen Kaiseraugst wurde bereits 2004 eine solche Anlage eröffnet.

In Thal am Bodensee stösst der geplante Durchgangsplatz für Fahrende auf Widerstand: Im aargauischen Kaiseraugst wurde bereits 2004 eine solche Anlage eröffnet.

Das Konzept «Durchgangsplätze für Fahrende» existiert seit 2006. Im Mai stimmt die Gemeinde Thal über einen umstrittenen Durchgangsplatz für Fahrende ab. Ein weiterer Platz soll in Winkeln bei Gossau realisiert werden; das Projekt ist aber wegen Einsprachen blockiert.

Am 18. Mai entscheiden die Stimmbürger von Thal über den Teilzonenplan «Fuchsloch». Dort soll ein Durchgangsplatz für Fahrende entstehen. Zur Abstimmung kommt es, weil gegen den Teilzonenplan das Referendum ergriffen wurde. 480 Unterschriften kamen zusammen.

Platz für 15 Wohnwagen

Das «Fuchsloch»-Areal bietet Platz für 10 bis 15 Wohnwagen. Wird die Umzonung angenommen, trägt der Kanton die Bau- und Erschliessungskosten des Durchgangsplatzes. Danach übernimmt die Gemeinde den Unterhalt, der durch Standgebühren finanziert würde.

Gemeindepräsident Robert Raths (FDP) sieht dem Ausgang der kommunalen Abstimmung «verhalten zuversichtlich» entgegen. «Mit den Anliegen der Fahrenden befasse ich mich schon seit neun Jahren. Für mich steht der Mensch im Vordergrund», sagt Robert Raths.

Mit den Fahrenden hat der Politiker persönlich seine Erfahrungen gemacht, meist positive. Am 5. Mai führt die Gemeinde eine Informationsveranstaltung durch. Dort wird auch der St. Galler Regierungsrat Willi Haag, Vorsteher des Baudepartements, auftreten.

Realisierung in der Schwebe

Während die Standplatzfrage für Fahrende mit Wohnsitz in St. Gallen gelöst wurde, sind die Durchgangsplätze weiterhin umstritten. So kommt auch der zweite geplante Durchgangsplatz bei Gossau nicht vom Fleck. Der Kanton will im Industriegebiet Winkeln ein Grundstück kaufen, das gegenüber dem ehemaligen Cornelia-Versandhaus liegt.

Das Bauprojekt umfasst einen umzäunten Kiesplatz mit sanitären Einrichtungen und Stromanschluss, der Platz für rund zehn Wohnwagen bietet. Das Grundstück soll von den Fahrenden vor allem im Frühling und im Herbst genutzt werden. Vorgesehen sind kurze Aufenthalte von bis zu einem Monat.

Die Parzelle gehört der Stadt Gossau. Das Projekt steckt im Rechtsmittelverfahren fest. Wann und ob es zu einer Abstimmung über den neuen Teilzonenplan kommt, sei noch nicht absehbar, sagte Urs Salzmann, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Gossau, auf Anfrage der sda.

Fahrende dürfen für Geld Messer schleifen

Die Fahrenden dürften in Wohnwagen und Wohnmobilen wohnen und gewerbliche Tätigkeiten betreiben, die einen gewissen Lärm verursachen (Messerschleifen, Reparaturarbeiten). Da diese Nutzung nicht konform mit der Industriezone ist, soll die Parzelle in eine Intensiverholungszone umgewandelt werden.

Neben dem vorgesehenen Grundstück kaufte die Baumann Transport AG im Mai 2012 eine Liegenschaft für 3,2 Millionen Franken. Die Zügelfirma verpflichtete sich im Kaufvertrag, die fahrenden Nachbarn vorbehaltlos zu akzeptieren.

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