US-Kongresswahlen: Durchzogene Bilanz der Tea Party
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US-KongresswahlenDurchzogene Bilanz der Tea Party

Das Abschneiden der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung war bei den US-Kongresswahlen mit Spannung erwartet worden. Nicht alle Kandidaten konnten sich durchsetzen.

von
kri

Während ein Sieg der Republikaner im Repräsentantenhaus erwartet worden war, galt ein Hauptinteresse den Kandidaten der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung bei den Senatswahlen. Einige waren erfolgreich, andere scheiterten kläglich. Hier eine Übersicht der bekanntesten Kandidaten:

Gewinner

Rand Paul: Der 47 Jahre alte Augenarzt hat bei der Senatswahl in Kentucky den Demokraten Jack Conway besiegt. Paul fiel politisch vor allem durch kritische Äusserungen über die Anti-Diskriminierungs-Gesetze der 60er-Jahre auf. Sein Vater Ron Paul bewarb er sich schon zweimal erfolglos ums Präsidentenamt.

Marco Rubio: Der Sohn kubanischer Einwanderer setzte sich bei der Senatswahl in Florida gegen den unabhängigen Kandidaten Charlie Crist und den Demokraten Kendrick Meek durch. Rubio hat die Regierung von Präsident Barack Obama mehrfach als ernste Gefahr für die Zukunft der USA bezeichnet. Florida hat eine grosse Gemeinde von teilweise ausgesprochen konservativen Exilkubanern.

Nikki Haley: Sie wird die erste US-Gouverneurin mit asiatischen Wurzeln. Sarah Palin hatte sich im Wahlkampf hinter die Tochter indischer Einwanderer gestellt, die nun Regierungschefin von South Carolina wird.

Verlierer

Christine O'Donnell: Der Star der Tea-Party-Bewegung scheiterte bei der Senatswahl in Delaware an seinem demokratischen Widersacher Christopher Coons. Offenbar hat eine Mehrheit der Wähler ihre extremen und teilweise bizarren Positionen nicht goutiert. Sie hatte Sex ausserhalb der Ehe und Masturbation als Sünde verdammt. Abtreibung wollte sie selbst bei Vergewaltigung oder Inzest verbieten und nur bei Lebensgefahr für die Mutter erlauben. Früher hatte sie nach eigenen Angaben mit Hexerei experimentiert.

Sharron Angle: Die Niederlage in Nevada dürfte die Tea-Party-Bewegung und die Republikaner besonders schmerzen. Dem aktuellen demokratischen Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, den Sitz abzuluchsen, hätte grosse Symbolkraft gehabt. Die 61-Jährige wollte unter anderem das Bildungsministerium in Washington abschaffen, die USA aus der UNO herausführen und gleichgeschlechtliche Ehen verbieten. Ausserdem glaubt sie nicht, dass die Trennung von Kirche und Staat in der US-Verfassung verankert ist.

Carl Paladino: Bei den Gouverneurswahlen im Bundesstaat New York unterlag der 64-Jährige gegen den Demokraten Andrew Cuomo. Paladino hatte angekündigt, er wolle New York «mit einem Baseballschläger aufräumen». Sozialhilfeempfänger sollten ins Gefängnis, um «würdiges Benehmen» und «Hygiene» zu erlernen, empfahl der Bauunternehmer.

Noch offen

Joe Miller: Welcher Kandidat für den US-Bundesstaat Alaska in den Senat einzieht, ist derzeit noch unklar. Nach Auszählung von über 50 Prozent der Stimmen liegen die sogenannten «Write-Ins» (Drittkandidaten) vor dem Tea-Party-Kandidaten Joe Miller und dem Demokraten Scott McAdams. Die in den Vorwahlen unterlegene amtierende republikanische Senatorin Lisa Murkowski, eine Intimfeindin von Sarah Palin, dürfte die meisten dieser Drittstimmen auf sich vereinen können. Laut CNN könnte es bis Ende November dauern, bis das Ergebnis feststeht.

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