Aktualisiert 14.06.2004 16:48

Dutroux-Geschworene beraten über Urteil

Dreieinhalb Monate nach Eröffnung des Prozesses gegen den mutmasslichen Kindermörder Marc Dutroux hat die Phase der Urteilsfindung begonnen.

Die zwölf Geschworenen im belgischen Arlon zogen sich am Montagmorgen zu Beratungen zurück.

Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit müssen die Laienrichter in 243 Einzelfragen über Schuld oder Unschuld des Hauptangeklagten Dutroux und der drei Mitbeschuldigten entscheiden. Dabei dürfen sie jeweils nur mit «Ja» oder «Nein» antworten. Ein Urteil wird frühestens am Dienstag erwartet.

Über das Strafmass wird erst in einem weiteren Verfahrenschritt nach dem Schuldspruch entschieden, meist einige Tage später. Ob der vorbestrafte Kinderschänder Dutroux lebenslang hinter Gitter muss, dürfte damit erst im Lauf der kommenden Woche feststehen - acht Jahre nach seiner Festnahme.

Am Morgen hatte der Vorsitzende Richter Stéphane Goux der Juryvorsitzenden zunächst das Original des am Donnerstag vorgelesenen Fragenkatalogs überreicht. Den zuständigen Polizeichef beauftragte er, über den geheimen Charakter der Beratungen zu wachen.

In Kaserne eingeschlossen

Die acht Frauen und vier Männer der Jury dürfen die eigens hergerichteten Räume einer Kaserne bei Arlon erst nach ihrer Entscheidung wieder verlassen.

Als erwiesen gilt die Schuld, wenn mindestens acht der zwölf Geschworenen sich darüber einig sind. Nur wenn das geheime Votum der Volksjury mit sieben zu fünf Stimmen knapper ausfällt, werfen anschliessend auch die drei Berufsrichter des Schwurgerichts ihre Stimme in die Waagschale. Eine Abstimmung mit sechs zu sechs gilt als Freispruch des Beschuldigten im jeweiligen Anklagepunkt.

Mit der Hand auf dem Herzen trägt die Vorsitzende der Jury dem Gericht das Ergebnis der Beratungen vor. Erst danach erfahren die Angeklagten von dem Urteil. Eine Berufung dagegen ist nicht möglich. Einziger Anfechtungsgrund wären formale Verfahrensfehler.

Dutroux ist angeklagt, 1995 und 1996 sechs Mädchen im Alter von acht bis 19 Jahren entführt und vergewaltigt zu haben. Vier von ihnen starben.

Mit ihm auf der Anklagebank sitzen unter anderem seine Ex-Frau Michelle Martin sowie der zwielichtige Brüsseler Geschäftemacher Michel Nihoul. Letzterer soll für einen Kinderprostitution-Ring verantwortlich sein, dem Dutroux als Handlanger gedient haben will. (sda)

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