Video aus dem Tunnel: Dutzende Autos fuhren an betäubter Familie vorbei

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Video aus dem TunnelDutzende Autos fuhren an betäubter Familie vorbei

Beim Gas-Zwischenfall im Sonnenbergtunnel fuhren etliche Personen am betroffenen Auto vorbei. Ein Polizeisprecher erklärt, wie man sich in solchen Fällen verhalten sollte.

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nk/dag

Das Überwachungsvideo aus dem Sonnenbergtunnel. (Video: dag/nk)

Eindrückliches Video aus dem Sonnenbergtunnel: Ein Auto wurde immer langsamer, blieb stehen und rollte dann langsam rückwärts. Darin befand sich eine bewusstlose Familie; sie hatte am Samstag eine CO2-Gasflasche für ihr Aquarium gekauft. In kurzer Zeit strömte das Gas im Auto aus, die Insassen wurden bewusstlos.

Viele Autofahrer bekamen davon offenbar nichts mit: Im Überwachungsvideo ist zu sehen, wie dutzende Autofahrer dem Fahrzeug der bewusstlosen Familie auswichen und dann ihre Fahrt fortsetzten. Auf die Frage, ob sich diese möglicherweise wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar gemacht haben, sagt Kurt Graf, Sprecher der Luzerner Polizei: «Am Anfang war es sicher nicht so, dass die Autofahrer realisiert haben, was da genau passiert ist. Viele Autofahrer sind wohl davon ausgegangen, dass das Auto nur eine Panne hat.» Grundsätzlich aber gilt: Personen, die zum Beispiel einen Verkehrsunfall beobachten, sind gesetzlich verpflichtet, Hilfe zu leisten. «Wenn jemand erkennt, dass eine andere Person in Lebensgefahr schwebt und es grundsätzlich zumutbar ist, Hilfe zu leisten und sie dies nicht tut, handelt es sich um unterlassene Hilfeleistung», sagt Daniel U. Walder, Rechtsanwalt in Zürich.

So hilft man im Tunnel richtig

Wenn man in einem Tunnel anderen Verkehrsteilnehmer zu Hilfe eile, sei es wichtig, zuerst die Unfallstelle zu sichern, sagt Graf. «Hinter dem Unfallfahrzeug anhalten, Warnblinker einstellen, Leuchtweste anziehen, sich auf der sicheren Seite aufhalten, also den eigenen Wagen als Aufprallschutz benützen und 117 anrufen.» Gerade in Tunnels sei dies sehr gefährlich, da es dort oft keinen Pannenstreifen hat.

Nicht alle Autofahrer setzten ihre Fahrt indes einfach so fort: Dank fünf geistesgegenwärtigen Helfern konnte die Familie in letzter Minute gerettet werden. «Sie haben das Richtige gemacht, der Zwischenfall hätte sonst fatale Folgen gehabt», sagt Graf.

Bald «Ritter der Strasse»?

Die betroffene Familie hat sich inzwischen bei allen Personen, die im Tunnel geholfen haben, bedankt. Und Dank spricht ihnen auch die Polizei aus: Die Retter werden von der Luzerner Polizei für die Auszeichnung «Ritter der Strasse» gemeldet.

Sehen Sie oben im Video, wie das Auto der bewusstlosen Familien immer langsamer wird und schliesslich rückwärts rollt. Zudem erklärt Polizeisprecher Kurt Graf, wie man sich in solchen Situationen richtig verhält.

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