Bern: Dutzende Einsprachen gegen neuen Bahnhof
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BernDutzende Einsprachen gegen neuen Bahnhof

Am Dienstag läuft die Einsprachefrist für den geplanten Bahnhofsausbau ab. Es regt sich grosser Widerstand gegen das 867-Millionen-Franken-Projekt.

von
aha
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Im zweitgrössten Schweizer Bahnhof entsteht eine neue «Unterführung Mitte» ...

Im zweitgrössten Schweizer Bahnhof entsteht eine neue «Unterführung Mitte» ...

... mit Ausgängen zum Bubenbergplatz ...

... mit Ausgängen zum Bubenbergplatz ...

...und zur Länggasse.

...und zur Länggasse.

Geplant ist der Spatenstich für den Bahnhofsumbau in Bern für Anfang 2017. Und schon jetzt ist klar: Das Vorhaben stösst auf Widerstand. Wie «Der Bund» berichtet, sind alleine 48 Einsprachen aus dem Engehalde-Quartier unterhalb der Tiefenaustrasse eingegangen.

Auswirkungen während der Bauzeit minimieren

Die Bewohner fürchten sich laut dem Bericht vor dem jahrelangen Baulärm und den Staubemissionen. Auch ob man während der zehnjährigen Bauzeit noch würdig im Quartier leben könne, hält eine Quartiervertreterein für fraglich. «Es geht uns darum, die negativen Auswirkungen während der Bauzeit auf ein erträgliches Mass zu reduzieren», sagte sie über die Ziele der Einsprache. Die Bewohner stören sich auch daran, dass im Hirschenpark ein grosser Installationsplatz geplant ist.

Neben dem Quartier hat auch der Gemeinderat Einsprache gegen das Monsterprojekt erhoben. Bei einem Grossprojekt wie diesem sei dies ein normales Vorgehen, sagt Generalsekretär Stefan Schwarz. Die Stadt will unter anderem ebenfalls, dass die Lärm- und Staubemissionen so klein wie möglich ausfallen. Ausserdem fordert sie, dass eine Taskforce eingesetzt wird, die zusammen mit den Quartieren die Auswirkungen des Umbaus beobachten soll.

Lob und Tadel von Behindertenverband

Auch Integration Handicap, der Dachverband der Behindertenorganisationen, reichte 24 Anträge ein. Er bemängelt unter anderem zu steile Rampen für Rollstuhlfahrer, ein ungenügendes Leitliniensystem für Sehbehinderte, zu wenig behindertengerechte Toiletten und zu knapp bemessene Platzverhältnisse bei Personenaufzügen. Die Einsprache erfolgte, «weil diverse gesetzliche Vorgaben zur Zugänglichkeit von Menschen mit Behinderungen nicht berücksichtigt wurden». Der Dachverband spart aber auch nicht mit Lob: «Besonders erfreulich ist, dass der Umstieg auf das Postauto deutlich erleichtert und die Anzahl geräumiger Personenaufzüge erhöht werden.»

Die Einsprachen werden jetzt vom BAV (Bundesamt für Verkehr) geprüft, anschliessend können die SBB und der RBS dazu Stellung nehmen. Die Einsprachen kommen für die SBB nicht unerwartet: «Es war zu erwarten, dass es bei einem Projekt dieser Grösse Einsprachen geben würde», sagt SBB-Mediensprecherin Franziska Frey. Ähnlich klingt es bei der RBS: «Der ganze Prozess kann mehr als ein halbes Jahr in Anspruch nehmen, damit wurde jedoch gerechnet und der Spatenstich deshalb auch auf Anfang 2017 festgesetzt», sagt die Kommunikationsleiterin des RBS, Fabienne Thommen. Somit läuft momentan alles nach Plan: «Wir sind froh, dass sich die Leute damit beschäftigt haben, das zeugt von Interesse.» Ob die Einsprachen Auswirkungen auf das veranschlagte Budget hätten, könne aber noch nicht gesagt werden, so Thommen.

Geplant ist, unterhalb der bereits bestehenden Gleise 2 bis 7 einen neuen Tiefbahnhof für die RBS mit vier Gleisen zu bauen. Auch eine neue, breitere Unterführung mit Ausgängen zum Bubenbergplatz und zur Länggasse sind geplant. Die «Unterführung Mitte» soll so zur Entlastung während den Stosszeiten beitragen. Die Kosten für den neuen Tiefbahnhof der RBS belaufen sich gemäss aktuellem Projektstand auf 522 Mio. Franken, die neue Unterführung wird mit 345 Mio. zu Buche schlagen (20 Minuten berichtete).

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