Aktualisiert 24.03.2016 19:28

Volksinitiative

Dutzende Millionen für Kühe mit Hörnern?

Bauern, die ihre Kühe nicht enthornen, sollen mit 500 Franken pro Tier und Jahr belohnt werden. Die Initiative hat laut Beobachtern gute Chancen.

von
daw

Bergbauer Armin Capaul ist der Vater der sogenannten Hornkuh-Initiative. Zusammen mit seinen Mitstreitern hat er geschafft, woran die grosse FDP mit ihrer Bürokratie-Stopp-Initiative gescheitert ist: Er sammelte über 120'000 Unterschriften und reichte sie am Mittwoch bei der Bundeskanzlei ein.

Bauern, die auf das Enthornen von Kühen und Ziegen verzichten, soll gemäss der Initiative finanziell unter die Arme gegriffen werden. Capaul schwebt ein Betrag von 500 Franken pro Kuh und Jahr vor. Das käme den Staat nicht ganz billig zu stehen, wie eine einfache Milchbüechlirechnung zeigt: Würden Direktzahlungen für die geschätzten 70'000 Kühe in der Schweiz entrichtet, die noch Hörner haben, kostete dies 35 Millionen Franken. Zehnmal mehr wäre es, wenn sich alle Bauern nur noch Hornkühe halten würden. Für den Initianten kein Problem: «Man muss die Subventionen nur anders verteilen, dann bleibt genügend Geld für ganze Kühe.»

Siegessichere Initianten

Capaul ist überzeugt, dass das Volk seiner Initiative zustimmen wird. «Der Zuspruch beim Sammeln der Unterschriften war enorm.» Er habe kein Enthornungsverbot gefordert, weil er die Bauern nicht gegen sich habe aufbringen wollen. Diese stünden unter wirtschaftlichem Druck, weshalb die Mehrkosten abgefedert werden sollten. Kühe mit Hörnern bräuchten etwa mehr Platz im Stall. Im Abstimmungskampf baut der Bergbauer auf eine unheilige Allianz: «Die Linken sind für den Tierschutz, die Rechten für die Tradition.»

Die Initiative wird denn auch von der Kleinbauern-Vereinigung, aber auch von Tierschutzorganisationen wie der Stiftung Tier im Recht befürwortet. Letztere ist laut der stellvertretenden Geschäftsführerin Christine Künzli für ein Enthornungsverbot. «Wir unterstützen aber auch die Initiative, weil sie dem Wohl der Tiere dient.» Dass man Bauern belohne, die das Tierwohl besonders förderten, sei in der Schweizer Landwirtschaftspolitik nichts Neues.

Bei der Enthornung wird die Wachstumsschicht mit einem Lötkolben weggebrannt. Laut Künzli muss das Tier vorgängig betäubt werden. Bei Nachlassen der Narkose könne der Eingriff dennoch Schmerzen verursachen. «Zudem handelt es sich um einen schweren Eingriff in die Würde des Tieres.» Das Horn sei durchblutet und ein wichtiges Kommunikationsorgan.

«Kühe ohne Hörner sind ruhiger»

Noch keine Position festgelegt hat der Schweizer Bauernverband. Laut Präsident Markus Ritter will man zunächst die Botschaft des Bundesrates abwarten. Man könne sich fragen, ob das Anliegen wirklich in die Verfassung gehöre.

Skeptisch ist der CVP-Nationalrat bei der Finanzierung: Es gebe bereits eine grosse Zahl von Massnahmen, die vom Bund gefördert würden. Spreche man nun auch Geld für gehörnte Kühe, müssten die Mittel an einem anderen Ort gestrichen werden. Ritter hat auf seinem eigenen Betrieb seit etwa zehn Jahren keine Kühe mit Hörnern mehr – hauptsächlich aufgrund der Sicherheit. Die Gefahr von einem Hornstoss getroffen zu werden, sei gerade für die älteren Personen und die Kinder ein Risiko gewesen. «Kühe ohne Hörner sind ruhiger.»

Trotzdem glaubt auch Ritter, dass die Initiative eine Chance haben könnte. «Man kann den Leuten gut erklären, dass Hörner zum Tier gehören.» Mit Bergbauer Capaul hätten die Initianten zudem einen authentischen Wortführer in den Reihen, der beim Volk viel Sympathie geniessen werde.

Wirbel um Alpenparlament

Die IG Hornkuh wurde beim Sammeln der Unterschriften administrativ von Verein Alpenparlament unterstützt. Die Gruppierung hatte schon beim Referendum gegen die Preiserhöhung der Autobahnvignette mitgeholfen. Laut dem «Tages-Anzeiger» verbreitet der Verein auf der Homepage verschwörerisches und esoterisches Gedankengut: Unter anderem preist der Präsident des Vereins ein selbst entwickeltes Hochfrequenzgerät an, mit dem sich sämtliche Krankheiten ohne Medikamente heilen lassen sollen. Armin Capaul, der Initiant der Hornkuh-Initiative, geht auf Distanz: «Der Verein hat keine Unterschriften gesammelt, sondern nur die Beglaubigung übernommen.»

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