Israel – Massenpanik bei Pilgerfest «Lag Baomer» in Meron fordert 44 Tote
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Tödliches Gedränge bei Pilgerfest«Eine Reihe fiel auf die andere» – 44 Tote bei Massenpanik in Israel

Während eines jüdischen Feiertages ist es im Norden von Israel zu einer Massenpanik gekommen. Im Gedränge wurden Dutzende getötet und über 100 Pilger verletzt.

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Während eines jüdischen Festes im Norden Israels kommt es zu einem Gedränge und einer Massenpanik. (30. April 2021)

Während eines jüdischen Festes im Norden Israels kommt es zu einem Gedränge und einer Massenpanik. (30. April 2021)

AFP/David Cohen
Ein Sprecher eines Rettungsdienstes spricht von einer «unfassbaren Katastrophe».

Ein Sprecher eines Rettungsdienstes spricht von einer «unfassbaren Katastrophe».

AFP/David Cohen
Die Panik ist laut Medienberichten ausgelöst worden, nachdem Menschen auf Treppen ausgerutscht und hingefallen sind.

Die Panik ist laut Medienberichten ausgelöst worden, nachdem Menschen auf Treppen ausgerutscht und hingefallen sind.

AFP/David Cohen

Darum gehts

  • Bei einer Massenpanik während eines Pilgerfestes im Norden Israels sind mindestens 44 Menschen getötet worden.

  • Über 100 weitere Menschen wurden verletzt.

  • Tausende haben in Meron den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen.

Bei einer Massenpanik an einer jüdischen Pilgerstätte im Norden Israels sind dutzende Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 44 Menschen seien bei dem Unglück im Ort Meron gestorben, hiess es am Freitag von Seiten der Rettungskräfte und eines Krankenhauses. Anlässlich des jüdischen Feiertags Lag BaOmer hatten sich zehntausende Pilger in Meron am Grab des Rabbiners Schimon Bar Jochai versammelt.

38 Menschen seien am Ort des Unglücks gestorben, sagte ein Sprecher der israelischen Rotkreuzorganisation Magen David Adom der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe aber weitere Opfer in den Krankenhäusern. Aus einer der Kliniken hiess es, dort seien sechs Menschen gestorben.

Bei der Massenpanik wurden zudem mehrere Menschen schwer verletzt. Der Rettungsdienst MDA erklärte, er kämpfe um die Leben dutzender Verletzter und werde nicht aufgeben, «bis das letzte Opfer evakuiert wurde.»

Nach der Massenpanik haben sich Medienberichten zufolge Hunderte Strenggläubige geweigert, den Unglücksort zu verlassen. Wie die «Times of Israel» berichtete, folgten sie den Anweisungen der Polizei nicht. Es sei auch zu Auseinandersetzungen gekommen, unweit des Ortes der Panik. «Sie blockieren uns ohne Grund», zitierte die Zeitung einen Anwesenden. «Ich will beten.» Auch im Fernsehen waren Bilder der Konfrontationen zu sehen.

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Netanyahu erschüttert

Israelische Medien veröffentlichten Bilder, auf denen mehrere Leichen in Plastiksäcken zu sehen waren. Mehrere Helikopter waren im Einsatz, um die Verletzten in Krankenhäuser zu bringen. Auch die israelische Armee schickte Ärzteteams und Helikopter nach Meron.

Regierungschef Benjamin Netanyahu äusserte sich erschüttert über das «schlimme Unglück». Er bete für die Verletzten. Oppositionsführer Jair Lapid sprach von einer «traurigen» Nacht für das Land.

Anfangs hiess es, der Einsturz einer Tribüne habe das Unglück verursacht. Später sprachen die Rettungskräfte aber von einem tödlichen Massengedränge. «Wir haben es gerade mit einem der schlimmsten Unglücke Israels zu tun gehabt», sagt Dov Meisel von der Organisation United Hatzalah am frühen Freitagmorgen in einem Interview. Die Helfer seien grauenhaften Anblicken ausgesetzt gewesen, die es seit den blutigsten Tagen der Terrorwellen zu Beginn der 2000er Jahre nicht mehr gegeben habe. «Mir fehlen die Worte, mir fehlen wirklich die Worte.»

Ein Verletzter im Rambam-Krankenhaus in Haifa erzählt später, etwa 500 Menschen seien in einem Abschnitt eingepfercht gewesen, in dem normalerweise Platz für etwa 50 Menschen sei. «Unten in der ersten Reihe sind Menschen gefallen, und oben haben die Menschen dies nicht gesehen und sich weiter nach vorne gedrängt», erzählt der bärtige Mann. «Eine Reihe fiel auf die andere.»

Der Rettungssanitäter Omri Hochman ist einer der ersten am Unglücksort. «Als wir ankamen, herrschte dort grosse Aufruhr, viele Menschen rannten in unsere Richtung», schildert er im Fernsehen. «Der Anblick war sehr schlimm, Dutzende Verletzte lagen nahe der Tribüne und auf der Rampe.» In sozialen Medien kursieren in der Nacht Bilder, auf denen Reihen von Leichensäcken zu sehen sind.

Kinder von den Eltern getrennt

Ein Fernsehreporter zeigt später Aufnahmen vom Ort des Unglücks. Zahlreiche Schuhe, Hüte, verbogene Brillen und Wasserflaschen liegen dort auf dem Boden und zeugen von den schrecklichen Ereignissen. Ein Sicherheitsgeländer ist im Gedränge aus dem Boden gerissen worden. Der Reporter demonstriert, wie rutschig der Metallboden auf der Rampe ist.

Die Polizei bricht nach dem Unglück die Feiern ab, Zehntausende versuchen anschliessend verzweifelt, den Ort zu verlassen. Kinder werden im Gewirr von ihren Eltern getrennt, besorgte Angehörige können ihre Liebsten nicht erreichen, weil das überlastete Handynetz zusammenbricht. Der Rettungseinsatz ist so schwierig, dass auch die Eliteeinheit 669 der israelischen Armee zu Hilfe gerufen wird.

Reisten 100’000 Pilger an?

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Ort ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden.

Die Behörden hatten die Teilnehmerzahl der Wallfahrt auf 10’000 Pilger beschränkt, nach Angaben der Organisatoren reisten aber mindestens 30’000 Gläubige aus ganz Israel an. In Medienberichten war sogar von 100’000 Pilgern die Rede. Rund 5000 Polizisten waren vor Ort, um das religiöse Fest abzusichern. Es handelte sich um die grösste öffentliche Versammlung in Israel seit Beginn der Corona-Pandemie.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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(DPA/AFP/chk)

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