Aktualisiert 24.04.2019 09:02

Nächtliche KillerDutzende verstümmelte Katzen gefunden

In kanadischen Städten werden immer wieder tote Katzen gefunden. Von Anfang an fiel der Verdacht auf Tierquäler, doch die Wahrheit sieht anders aus.

von
jcg
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Katzen in den kanadischen Städten Edmonton und St. Albert leben gefährlich.

Katzen in den kanadischen Städten Edmonton und St. Albert leben gefährlich.

iStock/Trevor Meunier
Immer wieder finden die Einwohner verstümmelte Katzen. Manch besorgter Bürger sah darin das Werk eines kranken Sadisten oder eines satanischen Kults. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Immer wieder finden die Einwohner verstümmelte Katzen. Manch besorgter Bürger sah darin das Werk eines kranken Sadisten oder eines satanischen Kults. Doch die Wahrheit sieht anders aus.

Colleen Cassady St. Clair
Zwei Forscher konnten nun nachweisen, wer wirklich für die toten Katzen verantwortlich ist.

Zwei Forscher konnten nun nachweisen, wer wirklich für die toten Katzen verantwortlich ist.

National Park Service/PD

Ist ein kranker Sadist oder gar ein satanischer Kult am Werk? Seit Jahren finden die Bewohner der Städte Edmonton und St. Albert in der kanadischen Provinz Alberta in ihren Vorgärten und auf Spielplätzen immer wieder kopflose oder verstümmelte Katzen. Es scheint fast so, als würde sie jemand bewusst dort hinlegen. Doch ein Schuldiger war bislang nicht auszumachen.

Das gelang nun dem forensischen Tierarzt Nick Nation und der Biologin Colleen Cassady St. Clair von der Universität Alberta. Sie untersuchten die Leichenschauberichte von 53 Katzen, die zwischen 2007 und 2017 in den beiden Städten abgegeben wurden. Sie kamen zum Schluss, dass nicht Menschen die Katzen getötet haben, sondern Kojoten.

Keine menschlichen Spuren

Fast 70 Prozent der untersuchten Katzen dürften direkt von Kojoten erlegt worden sein, während weitere 15 Prozent wohl zuerst von einem Auto angefahren wurden, bevor sich Kojoten über sie hermachten. Die Katzen zeigten keine Anzeichen für einen menschlichen Einfluss wie etwa Messerschnitte, wie sie im Fachjournal «Veterinary Pathology» berichteten.

Dafür fanden die Forscher in den zersplitterten Krallen der Katzen Fellbüschel von Kojoten. Auch die Bissspuren weisen auf Kojoten hin. Die Verstümmelungen rühren laut den Forschern daher, dass mehrere Kojoten im Kampf um die besten Stücke an den Katzenkadavern gezerrt hatten.

Katzen als Übungsobjekte

Die Funde konzentrierten sich auf die Monate Juni bis Oktober, 80 Prozent davon auf August und September. Das liegt laut den Forschern daran, dass dann die örtlichen Nagetierbestände ihren Höhepunkt erreichen, was viele Katzen auf die nächtliche Jagd treibt. Zudem erklärte St. Clair auf dem Sender CBC: «Es könnte auch daran liegen, dass Kojoteneltern dann ihren Jungen das Jagen beibringen und dafür Katzen als Übungsobjekte verwenden.» Das sei eigentlich ironisch, wenn man sich vergegenwärtige, wie viele Tiere die Katzen selbst töten.

Als Schutz gegen die Kojoten empfiehlt St. Clair, die Katzen in der Wohnung zu halten oder nur noch in einen umzäunten Garten zu lassen. «Ich habe selbst eine Katze, die ständig rauswill. Doch unsere Studie zeigt, dass Katzen, die ihre Zeit draussen verbringen, ein ziemlich übles Lebensende droht.»

Allgemein scheinen Katzen auf dem Speisezettel der Kojoten ziemlich weit oben zu stehen. Eine aktuelle Studie des amerikanischen National Park Service hat in Kalifornien 3000 Kothäufchen von in Städten lebenden Kojoten analysiert. Das Fazit: Katzen machen 20 Prozent der Kojotennahrung aus, wie IFLscience.com schreibt.

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