Sozialhilfe der Mutter: Dzejla (17) muss Schweiz trotz Lehrstelle verlassen
Publiziert

Sozialhilfe der MutterDzejla (17) muss Schweiz trotz Lehrstelle verlassen

Eine 17-Jährige aus Winterthur wird nach Montenegro ausgewiesen, weil ihre Mutter zu viel Sozialhilfe bezogen hat. Die junge Frau hat gerade eine Lehre angefangen.

von
vro
1 / 7
Dzejla Ledinic (17) soll die Schweiz auf Geheiss der Behörden bis Ende September verlassen.

Dzejla Ledinic (17) soll die Schweiz auf Geheiss der Behörden bis Ende September verlassen.

Privat
Sie soll mit ihrer Mutter nach Montenegro ausgeschafft werden. Dies, weil die Mutter über ein paar Jahre hinweg auf Sozialhilfe angewiesen war.

Sie soll mit ihrer Mutter nach Montenegro ausgeschafft werden. Dies, weil die Mutter über ein paar Jahre hinweg auf Sozialhilfe angewiesen war.

Privat
Die 17-Jährige hat jedoch eben erst eine Lehrstelle angetreten. Ihre Freunde leben alle in der Schweiz, sagt sie. Auch Familie hat sie in Montenegro kaum.

Die 17-Jährige hat jedoch eben erst eine Lehrstelle angetreten. Ihre Freunde leben alle in der Schweiz, sagt sie. Auch Familie hat sie in Montenegro kaum.

Privat

Die 17-jährige Dzejla Ledinic ist als Dreijährige in die Schweiz gekommen. Sie ging in Winterthur in den Kindergarten, in die Volksschule und machte danach das 10. Schuljahr und ein Jahr Praktikum als Fachfrau Betreuung. Anfang August hat sie nun eine Lehre in diesem Beruf begonnen. Doch nun droht ihr bereits das Ende ihrer Ausbildung: Dzejla soll mit ihrer Mutter bis Ende September die Schweiz verlassen.

Dzejlas Mutter kam 2003 mit ihrer Tochter aus Montenegro in die Schweiz und heiratete einen Schweizer. Von diesem liess sie sich aber scheiden und erhielt von da an keine finanzielle Unterstützung mehr von ihm, berichtet die Tochter. Obwohl die Mutter zeitweise als Putzfrau tätig war, war die Familie auf Sozialhilfe angewiesen. Das ist laut Dzejla nun der Grund, weshalb sie und ihre Mutter ausgeschafft werden: «Sie hat zu viel Sozialhilfe benötigt.»

«Ich finde das inakzeptabel»

Für die 17-Jährige ist der Entscheid nicht nachvollziehbar. «Neun Monate später wäre ich volljährig und könnte in der Schweiz bleiben. Das Migrationsamt findet aber, dass mein Fall kein Härtefall ist.» Laut Dzejla wohne lediglich eine Tante in Montenegro. «Meine Kollegen, meine Familie, alle sind hier in der Schweiz. Ich kann auch nicht gut Serbisch.» Montenegro sei für sie ein «fremdes Land», mit dem sie kaum etwas zu tun habe.

Sowohl eine Freundin der Mutter als auch eine Tante hätten sich bereiterklärt, Dzejla bei sich aufzunehmen, damit sie die Schweiz nicht verlassen muss. Die Behörden seien jedoch dagegen gewesen. «Ich finde das inakzeptabel, ich bin in der Schweiz bestens integriert, mein Strafregister hat keinen Eintrag. Mein Beruf, den ich erlerne, ist ein sozialer Beruf.» Dzejla will nicht aufgeben.

Widerruf muss verhältnismässig sein

Das zuständige Migrationsamt will zum konkreten Fall nicht Stellung nehmen und verweist auf die Weisung bezüglich Massnahmenpraxis bei Sozialhilfeabhängigkeit. Darin ist festgehalten, dass die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden kann, wenn ein Ausländer oder eine Person, für die dieser sorgen muss, auf Sozialhilfe angewiesen ist und der Widerruf verhältnismässig ist. Bei einer Niederlassungsbewilligung ist dies nur der Fall, wenn der Betroffene «dauerhaft und in erheblichem Mass» auf Sozialhilfe angewiesen ist und der Widerruf ebenfalls verhältnismässig ist.

Ausländern, die seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz sind, kann die Niederlassungsbewilligung nicht wegen Sozialhilfebedürftigkeit entzogen werden. Die Ledinics sind jedoch erst seit 14 Jahren in der Schweiz.

Über mehrere Jahre 90'000 Franken

In der Weisung wird auch aufgeführt, dass die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden kann, wenn in der Regel über 80'000 Franken während zwei bis drei Jahren bezogen wurden. Laut Dzejla erhielt ihre Mutter über mehrere Jahre hinweg insgesamt über 90'000 Franken.

Wann wird ein Fall zum Härtefall?

Das Staatssekretariat für Migration verweist auf die Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit. Gemäss dieser kann ein Härtefall zu einer Aufenthaltsbewilligung führen. Um diesen zu beurteilen, werden etwa die Integration, die Respektierung der Rechtsordnung, die Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnisse sowie der Wille zur Teilhabe am Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung eines Gesuchsstellers berücksichtigt. Auch die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Gesundheitszustand und die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat sind relevant.

Deine Meinung