Grossmutter enthauptet: E. A. akzeptiert seinen Landesverweis nicht und legt Berufung ein
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Grossmutter enthauptetE. A. akzeptiert seinen Landesverweis nicht und legt Berufung ein

Mit 19 Jahren tötete E. A. in Frauenfeld seine Grossmutter. Ende November kassierte er dafür vor Gericht die kleine Verwahrung und einen Landesverweis. Er kämpft gegen das Urteil an.

von
Michel Eggimann
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E. A. akzeptiert seinen Landesverweis von 15 Jahren nicht.

E. A. akzeptiert seinen Landesverweis von 15 Jahren nicht.

Zu diesem wurde er Ende November vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verurteilt.

Zu diesem wurde er Ende November vor dem Bezirksgericht Frauenfeld verurteilt.

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Er töte im Herbst 2018 in Frauenfeld seine Grossmutter.

Er töte im Herbst 2018 in Frauenfeld seine Grossmutter.

20 Minuten

Darum gehts

  • E. A. tötete im Herbst 2018 seine Grossmutter.

  • Ein Gutachten zeigte auf, dass A. zum Zeitpunkt der Tat schuldunfähig war.

  • Er wurde zu einer kleinen Verwahrung und einem Landesverweis verurteilt.

  • Der Anwalt des Verurteilten hat Berufung angemeldet.

E. A.* stand Ende November vor dem Bezirksgericht Frauenfeld. Dieses verurteilte den heute 21-Jährigen. Er hat demnach seine Grossmutter stranguliert, bis sie das Bewusstsein verloren hatte. Anschliessend hat er zu einem Messer gegriffen und auf die Frau eingestochen. Danach enthauptete A. seine Grossmutter und verstaute den Kopf in einem Rucksack. Später wurde er am Flughafen Zürich mit dem Kopf im Rucksack verhaftet. Er wollte offenbar nach Spanien reisen.

Das forensisch-psychiatrische Gutachten, das im Auftrag der Staatsanwaltschaft im Vorfeld des Prozesses erstellt wurde, zeigte auf, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Tötungsdelikts infolge einer schweren psychischen Störung «nicht einsichtsfähig war und damit eine Schuldfähigkeit verneint werden muss». Er ist folglich nicht schuldfähig. Deshalb wurde er zur kleinen Verwahrung verurteilt und erhielt einen Landesverweis von 15 Jahren.

Kleine Verwahrung

Bei der kleinen Verwahrung nach StGB 59 geht das Gericht davon aus, dass der Täter behandelbar ist und wieder in die Gesellschaft integriert werden kann, aber nicht sofort, sondern zu einem späteren Zeitpunkt, da Therapieerfolge oft viel Zeit brauchen. Der Verurteilte muss nicht ins Gefängnis, sondern in ein Massnahmenzentrum. Die bauliche Sicherheit in solchen Zentren ist vergleichbar mit Gefängnissen. In Massnahmenzentren werden die Verurteilten therapiert. In geschlossenen Zentren wird gewährleistet, dass die Insassen nicht nach draussen können und die öffentliche Sicherheit nicht gefährden.

Regelmässige Überprüfung

Bei der kleinen Verwahrung überprüft die Vollzugsbehörde mindestens einmal pro Jahr, ob die angeordnete Massnahme noch nötig ist oder Anpassungen möglich sind, etwa die Verlegung in eine offene Abteilung innerhalb der Massnahmeeinrichtung oder die Gewährung von Ausgang oder Urlaub. Auch das Risiko, das von der Person ausgeht, fliesst in den Entscheid ein. Der Schutz der Bevölkerung hat dabei hohe Priorität. Kommt das Amt für Justizvollzug wiederholt zum Schluss, dass die stationäre Massnahme weitergeführt werden soll, muss nach fünf Jahren das Gericht nochmals über die Anordnung entscheiden. Erfahrungsgemäss dauert der Massnahmenvollzug mehrere Jahre, weil es längere Zeit braucht, bis Therapien zu dauerhaften Änderungen führen. (jeb)

Berufung gegen Landesverweis

Der heute 21-Jährige akzeptiert das Urteil des Bezirksgerichts nicht. Er habe Berufung angemeldet, erklärt der Verteidiger des Mannes gegenüber dem «St. Galler Tagblatt». Diese Berufung richte sich gegen den Landesverweis von 15 Jahren.

Durch den Landesverweis müsste A. die Schweiz für 15 Jahre verlassen, sobald er auf freiem Fuss ist. Beantragt wurde der Landesverweis von der Staatsanwaltschaft, da der Verurteilte kaum in der Schweiz integriert sei. Er habe keine Freunde und auch keine Arbeitsstelle. In die Schweiz kam er erst 2015.

Das Bezirksgericht verhängte den von der Staatsanwaltschaft geforderten Landesverweis für den Doppelbürger (Nordmazedonien/Italien). Durch die Berufung kommt der Fall nun wohl vor die nächste Instanz. Somit müsste das Thurgauer Obergericht entscheiden.

*Name der Redaktion bekannt

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