Neue Studie zeigt – E-Auto-Boom? 2035 sind noch 3,2 Millionen Verbrenner unterwegs
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Neue Studie zeigtE-Auto-Boom? 2035 sind noch 3,2 Millionen Verbrenner unterwegs

Obwohl E-Autos boomen, werden 2035 noch immer zwei Drittel aller Personenwagen Verbrenner sein. Schweizer Garagisten sorgen sich trotzdem ums Geschäft.

von
Fabian Pöschl
Barbara Scherer
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 2035 sollen alle Autos, die verkauft werden einen elektrischen Antrieb besitzen. 

2035 sollen alle Autos, die verkauft werden einen elektrischen Antrieb besitzen.

20min/Marco Zangger
Trotzdem werden bis dann noch immer 3,2 Millionen Verbrenner auf den Schweizer Strassen unterwegs sein.

Trotzdem werden bis dann noch immer 3,2 Millionen Verbrenner auf den Schweizer Strassen unterwegs sein.

20min/Marco Zangger
Die hiesigen Garagisten bangen trotzdem um ihr Geschäft, denn Elektrofahrzeuge brauchen deutlich weniger Service- und Wartungsarbeiten.

Die hiesigen Garagisten bangen trotzdem um ihr Geschäft, denn Elektrofahrzeuge brauchen deutlich weniger Service- und Wartungsarbeiten.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Elektroautos boomen, trotzdem sind die Mehrheit der Autos bis 2035 in der Schweiz Verbrenner.

  • Das zeigt eine aktuelle Studie des unabhängigen Wirtschaftsforschungs- und Beratungsinstitut BAK Economics.

  • Schweizer Garagisten müssen sich trotzdem auf einen Wandel ihres Berufs gefasst machen.

E-Autos sind weltweit auf dem Vormarsch. Nun bangen viele Schweizer Garagisten und Garagistinnen um ihr Geschäft. Denn Elektrofahrzeuge brauchen deutlich weniger Service- und Wartungsarbeiten. Insbesondere freie Garagisten und Garagistinnen erwirtschaften aber einen Grossteil ihres Umsatzes mit Arbeiten in der Werkstatt.

Diese Befürchtungen sind unbegründet, sagt das unabhängige Wirtschaftsforschungs- und Beratungsinstitut BAK Economics. Eine aktuelle Studie zeigt auf, dass 2035 noch 3,2 Millionen Verbrenner unterwegs sein werden – auch wenn bis dann 100 Prozent E-Autos verkauft werden.

Grund dafür ist das durchschnittliche Fahrzeugalter eines Autos in der Schweiz: Dieses liegt aktuell bei neun Jahren, wie Johannes von Mandach, Autor der Studie und Ökonom bei BAK Economics zu 20 Minuten sagt: «Ein gewisser Anteil der Fahrzeuge bleibt gar deutlich länger in Betrieb.»

Selbst wenn nur noch E-Autos verkauft werden, dauert es also längere Zeit, bis keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf den Strassen zu sehen sind. Wann es so weit ist, lasse sich nur schwer bestimmen: «Verschiedene Faktoren wie die Stromversorgung oder politische Anreize können die Entwicklung stark beschleunigen oder verlangsamen», so von Mandach.

Elektro-Autos verändern Berufsbild

Auch wenn Verbrenner noch eine Weile auf den Strassen unterwegs sind, müssen sich die hiesigen Garagisten und Garagistinnen auf Veränderungen einstellen: «Es wird sicher weniger repariert, dafür werden Software-Updates und das Management von Fahrerassistenzsystemen im Werkstattalltag immer wichtiger», erklärt Markus Aegerter, Geschäftsleiter vom Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS).

So verändert die Elektromobilität auch das Berufsbild der Garagisten und Garagistinnen. Automobil-Mechatroniker und -Mechatronikerinnen lernen bereits seit 2018 das Arbeiten an Elektrofahrzeugen. Ab 2022 wird dieses Wissen auch in die Lehre für Automobil-Fachpersonen integriert.

Ab nächstem Jahr gibt es zudem eine neue Lehre als Automobilverkaufsberater und -Beraterin. «Mit dieser dreijährigen Lehre sprechen wir Jugendliche an, die von der Mobilitätsberatung für die vielfältigen Antriebstechnologien und Fahrerassistenzsysteme fasziniert sind», sagt Aegerter.

Kein Betrieb muss wegen E-Autos schliessen

So sollte auch keine Garage aufgrund des E-Auto-Booms schliessen müssen. «Solange die Garagisten Zugang zu den Fahrzeugdaten haben und sich bei den alternativen Antrieben weiterbilden, sollte die Antriebstechnologie kein Grund dafür sein, einen Betrieb aufgeben zu müssen», erklärt Aegerter.

Ein Problem für die hiesigen Autowerkstätten könnte in Zukunft aber der Fachkräftemangel werden. Auch haben viele Garagistinnen und Garagisten Schwierigkeiten, passende Nachfolger bei altersbedingten Betriebsübergaben zu finden.

Das ist der AGVS:

Der Auto Gewerbe Verband Schweiz AGVS wurde 1927 gegründet und ist heute der Branchen- und Berufsverband der Schweizer Garagisten. Dem Verband gehören rund 4000 kleinere, mittlere und grössere Unternehmen, Markenvertretungen sowie unabhängige Betriebe an. Die insgesamt 30'000 Mitarbeitenden und 9000 Nachwuchskräfte in den AGVS-Betrieben verkaufen, warten und reparieren den grössten Teil des Schweizer Fuhrparks mit rund 5,5 Millionen Fahrzeugen.

Geht es nach Greenpeace, müssen sich die Schweizer Garagistinnen und Garagisten aber auf einen schnelleren Wandel auf den Schweizer Strassen einstellen. Die Umweltorganisation rechnet damit, dass reine Elektroantriebe schneller auf den Markt kommen und weniger Leute ein eigenes Auto besitzen werden.

So soll der Verbrauch von Benzin und Diesel zwischen 2030 und 2035 auf einen zehntel schrumpfen. «Garagisten könnten in Zukunft zu Allround-Reparaturstellen werden und so helfen, die riesige Abfall-Flut einzudämmen», sagt Georg Klingler, Klimaexperte bei Greenpeace.

Damit der Umstieg auf Elektromobilität schneller gelingt, setzt die Umweltorganisation auf ein klares Enddatum für Verbrenner-Motoren: Diese sollten idealerweise bis 2025 verboten werden. «Bis dahin werden Elektroautos preislich attraktiver sein und die Ladeinfrastruktur genügend gut ausgebaut, so dass es eigentlich keinen Grund mehr gibt, noch Verbrenner zu erlauben», so Klingler.

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