Aktualisiert 31.03.2020 12:18

Laden

E-Auto sucht Anschluss

E-Mobilität ist nur mit voller Batterie möglich. Das erledigt man am besten per Wallbox. Eine Bestandesaufnahme in Basel, Bern und Zürich.

von
Michael Baumann
Das A und O bei der E-Mobilität: schnelles und günstiges Laden.

Das A und O bei der E-Mobilität: schnelles und günstiges Laden.

ZVG

Die Automobilbranche wirft immer mehr reine Elektroautos auf den Markt. Einerseits sollen so die CO2-Ziele erreicht werden, anderseits liegen E-Fahrzeuge bei den Kunden im Trend. Wenn nur das Wiederaufladen der Batterie nicht wäre, das deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt als ein Stopp an der Zapfsäule. Ausserdem steckt die Ladeinfrastruktur in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Gerade dieser Umstand hält viele Autofahrer vom Umstieg auf die Elektromobilität ab: Wer weder zu Hause noch am Arbeitsplatz eine Ladestation zur Verfügung hat, hält an einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor fest.

Wie gehen grosse Städte, wo viele Bewohner ihr Auto in der blauen Zone parkieren, mit diesen Herausforderungen um? «In Zürich wird gerade ein Netz von 30 Schnellladestationen mit jeweils einem oder zwei Standplätzen aufgebaut», wie Marie Oswald, Mediensprecherin des Elektrizitätswerks Zürich (EWZ), sagt. 5 davon seien schon in Betrieb, die restlichen Stationen sollten bis Ende Jahr so weit sein.

Als Standorte stehen öffentlich zugängliche Parkplätze im Vordergrund, nicht aber blaue Zonen. «In diese Richtung ist in Zürich nichts geplant.» Alternativ kann man E-Autos in Zürich in privaten Parkhäusern, bei Hotels oder Tankstellen mit Strom versorgen. Das EWZ unterstützt aber Eigentümer beim Bau von Ladeeinrichtungen mit Förderbeiträgen.

Pilotprojekte in blauen Zonen

Nicht so prekär präsentiert sich die Lage im Kanton Basel-Stadt, wo Ende 2019 erst 422 Elektroautos eingelöst waren, wie Dominik Keller, stellvertretender Leiter des Amts für Umwelt und Energie, auf Anfrage sagt. Der Regierungsrat gehe von einer kontinuierlichen Zunahme aus und habe im Rahmen eines Pilotprojekts seit April 2018 in verschiedenen Quartieren 11 Ladestationen in der blauen Zone in Betrieb genommen. «7 davon haben eine Leistung von 22 kW, 3 leisten 50 kW (beschleunigtes Laden), und eine Schnellladestation (150 kW) mit zwei Plätzen befindet sich beim Museum Tinguely.»

Die Ladestationen in der blauen Zone der Stadt Basel werden alle gut genutzt. Ein Ausbau drängt sich im Moment aber laut Keller nicht auf. Viele E-Fahrzeug-Besitzer verfügten über eigene Garagen mit Lademöglichkeiten. «Das öffentliche Angebot soll laufend an die Nachfrage anpasst werden. Denkbar ist ein Ausbau auf bis zu 200 Ladestationen», ergänzt er. Im Kanton Basel-Stadt fördert der Regierungsrat die Elektromobilität dort, wo jemand auf ein Fahrzeug angewiesen ist. «Deshalb beschränken sich Förderbeiträge auf Taxihalter, Unternehmen, Sharing-Anbieter. Private erhalten keine finanzielle Unterstützung.»

In der Stadt Bern wird Haltern von Elektroautos ohne eigene Lademöglichkeit empfohlen, auf öffentliche Ladepunkte zuzugreifen. Gerade an den Schnellladestationen kann – je nach Fahrzeug – eine beachtliche Reichweite in kurzer Zeit nachgeladen werden, wie Raphaël Wyss, Leiter Unternehmenskommunikation von Energie Wasser Bern, sagt.

Nachfrageorientierter Ausbau

«Wir betreiben heute in der Stadt Bern ein Ladenetz mit insgesamt 50 öffentlich zugänglichen Ladepunkten an 21 Standorten.» Davon seien 42 Ladepunkte an 17 Standorten mit Normalladestationen (11 bis 22 kW AC) und acht Ladepunkte an vier Standorten mit Schnellladestationen (50 bis 150 kW DC) ausgestattet. Vier Ladepunkte befinden sich laut Wyss als Pilotprojekt in der blauen Zone, die anderen in öffentlich zugänglichen Parkhäusern oder -anlagen. Darüber hinaus gebe es in Bern einige andere Anbieter von einzelnen Ladestationen, die auch öffentlich zugänglich sind.

«In Bern werden die 50 öffentlich zugänglichen Ladepunkte von Energie Wasser Bern als Grundangebot betrachtet», erklärt Raphaël Wyss. Die Nutzungszahlen zeigten, dass es momentan noch freie Kapazitäten an den Ladestationen gebe. Im Hinblick auf die zu erwartende Zunahme an Elektroautos baue Energie Wasser Bern das öffentliche Ladenetz in Bern aber stetig und nachfrageorientiert aus. Liegenschaftsbesitzer werden zudem mit einem Förderbeitrag zur Einrichtung von privaten Ladestationen mit bis zu 500 Franken aus dem Berner Ökofonds unterstützt.

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