Aktualisiert 30.05.2020 11:58

Parodontose und Mundkrebs?

E-Zigaretten führen zu negativen Veränderungen der Mundflora

Verfechter des Vaping werden es nicht gern hören: Laut einer neuen Studie verändert der Dampf das Bakterienverhältnis im Mund – mit unschönen Folgen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als klassische Zigaretten. Harmlos sind sie dennoch nicht.

E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als klassische Zigaretten. Harmlos sind sie dennoch nicht.

Foto: Keystone
Laut einer neuen Studie von US-Forschern verändert ihr Dampf innerhalb weniger Monate die Mundflora der Nutzer dahingehend, dass sie derjenigen von Menschen mit Parodontose ähnelt.

Laut einer neuen Studie von US-Forschern verändert ihr Dampf innerhalb weniger Monate die Mundflora der Nutzer dahingehend, dass sie derjenigen von Menschen mit Parodontose ähnelt.

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Konkret fanden die Forscher in den Mündern der Vaper einen erhöhten Anteil potenziell gesundheitsschädlicher Bakterienarten, eine höhere Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen und auch eine deutlich stärkere Bildung von Biofilmen vor. Dies unabhängig davon, ob die E-Zigis Nikotin enthielten oder nicht.

Konkret fanden die Forscher in den Mündern der Vaper einen erhöhten Anteil potenziell gesundheitsschädlicher Bakterienarten, eine höhere Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen und auch eine deutlich stärkere Bildung von Biofilmen vor. Dies unabhängig davon, ob die E-Zigis Nikotin enthielten oder nicht.

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Darum gehts

  • Obwohl sie als weniger schädlich als Tabakzigaretten gelten, haben auch E-Zigaretten Nebenwirkungen.
  • Laut einer neuen Studie verändert ihr Dampf innert kurzer Zeit die Mundflora der Nutzer dahingehend, dass sie derjenigen von Menschen mit Parodontose ähnelt.
  • Die Forscher vermuten, dass das an den typischen Inhaltsstoffen der E-Liquids –Glyzerin und Glykol – liegt.
  • Ob es bei den Vorstufen von Parodontose bleibt oder die Veränderungen zu Zahnfleischentzündungen und sogar Mundkrebs führen können, müssen weitere Studien zeigen.

E-Zigaretten gelten als weniger schädlich als Tabakzigaretten. Doch ganz ohne Nebenwirkungen sind auch sie nicht – unter anderem beeinflussen sie die Bakterienflora im Mund negativ, wie Forscher jetzt im Fachjournal «Science Advances» berichten.

Die Folge: Hartnäckige Biofilme nehmen zu. Insgesamt ähnelte die Mundflora junger Vaper schon nach kurzer Zeit derjenigen von Patienten mit Zahnfleischentzündungen, so das Fazit des Teams um Zahnmediziner Sukirth M. Ganesan, der heute an der University of Iowa forscht.

Bakterienmenge und Entzündungsmarker

Für die Arbeit hatten die Wissenschaftler Proben des Zahnbelags in den Zahnfleischtaschen von 123 jungen, gesunden Probanden zwischen 21 und 35 Jahren genommen. Manche vapten seit drei Monaten, andere nutzten E-Zigaretten bereits seit einem Jahr. Einige der Probanden waren ehemalige Raucher, die umgestiegen sind, andere waren davor Nichtraucher und eine dritte Gruppe konsumierte beides abwechselnd.


Mittels genetischer Analysen ermittelten Ganesan und seine Kollegen bei allen Teilnehmern die Artenzusammensetzung und Menge der Bakterien. Weiter untersuchten sie, welche Botenstoffe und Entzündungsmarker im und am Zahnfleisch vorhanden waren.

Eine Mundflora wie bei Parodontose

Ergebnis: Vaper entwickeln offenbar schon nach kurzer Zeit eine Mundflora, die derjenigen von Menschen mit einer Parodontose ähnelt. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, bei der sich das Zahnfleisch zurückzieht und die Zähne ausfallen können.

Konkret fanden die Forscher in den Mündern der Vaper einen erhöhten Anteil potenziell gesundheitsschädlicher Bakterienarten, eine höhere Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen wie Interleukin-2, Interleukin-6 und dem Tumornekrosefaktor Alpha und auch eine deutlich stärkere Bildung von Biofilmen vor. Dies unabhängig davon, ob die E-Zigis Nikotin enthielten oder nicht.

Biofilme wie Beton

Für die Biofilme setzen die Bakterien grössere Mengen an zähem Schleim frei, der sie vor äusseren Einflüssen schützt. «Gesunde harmlose Bakterien im Mund erinnern im Aussehen ein wenig an Popcorn», zitiert Wissenschaft.de Ganesans Kollegin Purnima Kumar von der Ohio State University, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. «Aber wenn man beginnt, E-Zigaretten zu nutzen, dann sehen sie eher so aus, als seien sie in Beton eingegossen.» Dadurch könne das Immunsystem diese Mikroben nicht mehr als harmlos erkennen und löse deshalb eine entzündliche Reaktion aus, um sie loszuwerden.

Schnellere Veränderung als beim Rauchen von Tabak

Die negativen Veränderungen in Mundflora und Immunreaktion waren laut den Forschern sowohl bei E-Zigi-Konsumenten zu sehen, die nie zuvor geraucht hatten, als auch bei den Ex-Rauchern, die umgestiegen waren. «Wenn man aufhört zu rauchen und dafür aufs Vapen umsteigt, bekommt man nicht die gesunde Mundflora zurück, sondern wechselt auf das bakterielle Profil der E-Zigaretten-Nutzer», erklärt Purnima Kumar. Dies auch dann, wenn Menschen sowohl Tabak- als auch E-Zigaretten nutzen.

Auffällig war auch: Je länger die Vaper schon dampften, desto schlechter war es um ihre Mundflora gestellt. Während das zu erwarten war, überraschte eine weitere Erkenntnis der Studie. So scheinen E-Zigaretten deutlich schneller Einfluss auf die Bakterienzusammensetzung und die Entzündungswerte zu nehmen als Tabakzigaretten, wie es in der Studie heisst.

Weitere Studien erforderlich

Noch ist unklar, was für diesen Unterschied verantwortlich ist. Die Forscher vermuten aber, dass das an den typischen Inhaltsstoffen der E-Liquids liegt: «Die Kohlenstoffmoleküle Glyzerin und Glykol sind pure Nahrung für schädliche Bakterien», zitiert Orf.at Kumar.

Ob es bei den Vapern bei den Vorstufen von Parodontose bleibt oder die Veränderungen tatsächlich zu Zahnfleischentzündungen und sogar Mundkrebs führen können, wie aufgrund der Daten anzunehmen ist, sollen weitere Studien zeigen.

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21 Kommentare
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blume

31.05.2020, 08:27

gemäss einiger forschungsergebnisse sind raucher weniger anfällig für corona ...... unangenehm wird es erst bei den vielrauchern mit geschädigten lungen

Mac25

31.05.2020, 05:06

Ich war Jahrelang Raucher und hatte immer Problem im Mundbereich, Zahnstein, Entzündungen im Rachen und an den Mandeln, Mundgeruch, Löcher in den Zähnen usw. Dies obwohl ich immer auf die Mundhygiene achtete. Seit ich Dampfe hat sich dies stark verändert. Diese negativen Erscheinungen sind verschwunden. Meine Zahnärztin und Dentalhygienikerin haben bestätigt, dass meine Mundflora sich sehr positiv verändert hat.

Glantz

30.05.2020, 15:05

..das ist eine aufwändige Studie, die dazu dienen mag, Medien Aufmerksamkeit zu bringen und Raucher vom Umstieg abzuhalten. Lernen tun wir daraus nix. (Bernd Mayer)