Aktualisiert 23.06.2017 11:00

Explodierende AkkusE-Zigaretten gefährden die Genitalien

Mit zunehmender Verbreitung von E-Zigaretten nehmen auch schwere Unfälle mit den Akku-betriebenen Geräten zu. Ärzte sind besorgt.

von
jcg

Explodierende E-Zigis sind keine Seltenheit, wie diese Aufnahmen beweisen. (Video: Tamedia)

Die Risiken von E-Zigaretten oder Verdampfern werden schon seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Meist geht es dabei um traditionell mit dem Rauchen verbundene Krankheiten der Atemwege sowie des Herz-Kreislauf-Systems. Eine Untersuchung aus Kalifornien spricht nun von einer neuen Gesundheitsgefahr für Nutzer von E-Zigaretten: schwere Verbrennungen an Oberschenkeln und Genitalien.

Laut einem kalifornischen Ärzteteam nehmen solche Verletzungen einhergehend mit der grösseren Verbreitung von E-Zigaretten dramatisch zu. Zwischen November 2015 und März 2017 behandelten die Mediziner im Arrowhead Regional Medical Center in der Stadt Colton 2500 Patienten mit Brandverletzungen. Bei 25 von ihnen wurden die Verbrennungen durch explodierende E-Zigaretten oder Verdampfer verursacht, wie die Mediziner in einer im «American Journal of Emergency Medicine» veröffentlichten Studie schreiben.

Verbrennungen 3. Grades

Bei 18 der Patienten waren die Geräte in der Hosentasche detoniert. Die Brandverletzungen befanden sich deshalb im Oberschenkel- und Genitalbereich. Bei sechs explodierten die Geräte im Mund, bei einem in der Hand. Bis auf eine Ausnahme waren alle Patienten männlich. Ein Drittel erlitt Verbrennungen 3. Grades, zwei Drittel Verbrennungen 2. Grades.

Die kalifornischen Ärzte verweisen zudem auf eine ähnliche Studie aus einer Klinik im Bundesstaat Washington, wie Aerztezeitung.de schreibt. Dort hatten von 15 betroffenen 8 Verbrennungen im Oberschenkelbereich erlitten – also dort, wo die Hosentaschen sind. Sie gehen davon aus, dass sich Notfallmediziner vermehrt auf Brandverletzungen im Oberschenkel- und Genitalbereich sowie im Gesicht einstellen müssen.

In der Schweiz geht Jan Plock, Leiter des Zentrums für Brandverletzte am Unispital Zürich, «aktuell noch nicht von einem Verletzungstrend aus». So wurde dem grössten Verbrennungszentrum der Schweiz bisher noch kein entsprechender Fall zugewiesen, teilte er auf Anfrage mit.

Gefährliche Billiggeräte

Das Problem der explodierenden E-Zigaretten und Verdampfer sind die Akkus. Besonders Billiggeräte verfügen nicht über gesicherte Lithium-Ionen-Akkus mit Überladungs- und Tiefenentladungsschutz. Auch fehlt ein Entgasungsschutz. Strömt Gas aus einem überhitzen Akku, kann es sich entzünden, wenn es nicht abgeführt wird. Die meisten Explosionen geschehen aber nicht in der Hosentasche oder beim Rauchen, sondern beim Aufladen. Oft sind daran auch falsche Ladegeräte schuld.

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