Aktualisiert 12.01.2013 22:46

«Freiheit» in ChinaEben noch vorm Mikrofon, jetzt schon im Kleinbus

In China darf jeder eine Meinung haben – sie muss sich bloss mit derjenigen der Regierung decken. In Guangzhou nahm die Stasi vor laufender ZDF-Kamera einen kritischen Demonstranten mit.

von
rme

Guangzhou, Millionenmetropole im Süden Chinas. Seit Tagen demonstrieren junge Menschen vor einem Zeitungsgebäude für die Pressefreiheit. Auslöser der Proteste war ein verbotener Artikel in der Wochenzeitung «Southern Weekly». In ihm wurde von einem China geträumt, in dem die Bürgerrechte geschützt sind. Anstelle dieses Textes bekamen die Leser einen Beitrag zu Gesicht, in dem die Kommunistische Partei gelobt wird – er war von der Zensurbehörde einfach ausgetauscht worden.

Ein Reporter-Team des ZDF filmte (hier geht es zum Video) die Proteste und sprach auch mit Demonstranten. «Es war wie in einem schlechten Krimi», schildert Johannes Hano, der Leiter des ZDF-Studios in Peking und beschreibt, wie ein junger Mann vor laufenden Kameras weggezerrt wurde. Im Interview sagte der Demonstrant kurz zuvor noch selbstbewusst: «Ich habe keine Angst. Die Wahrheit muss raus.»

Kaum ist das Gespräch vorbei, tauchen mehrere Männer in Zivilkleidung auf. Hano vermutet, dass es Beamte der Staatssicherheit sind. «Sie haben den jungen Mann gepackt, in einen dreckigen Minibus geworfen und abtransportiert.» Offenbar kam er erst neun Stunden später wieder frei.

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