Aktualisiert 07.10.2014 21:58

LuftfahrtEbola-Seuche trifft auch die Airlines

Per Flugzeug ist das Ebola-Virus in die USA und nach Spanien gelangt. Die Flugbranche steht unter Druck und will sich gegen die Krankheit wappnen. Die Frage ist nur, wie?

von
Isabel Strassheim
Passagiere in Kloten: Aktuell gelten an Schweizer Flughäfen keine bestimmten Sicherheitsvorkehrungen wegen Ebola.

Passagiere in Kloten: Aktuell gelten an Schweizer Flughäfen keine bestimmten Sicherheitsvorkehrungen wegen Ebola.

Mit Sonderflügen werden westliche Erkrankte - und auch einige wenige afrikanische Patienten - zur Behandlung nach Europa oder in die USA gebracht. Doch spätestens, als vergangene Woche der erste Ebola-Fall in den USA auftrat, wurde klar: Mit dem Flugzeug kann sich auch die Seuche weiter ausbreiten. Einige Airlines streichen ihre Flüge nach Westafrika, andere halten gerade aus humanitären Gründen an ihnen fest. Spezielle Sicherheitsvorkehrungen an den Schweizer Flughäfen gibt es bislang nicht.

«Im Moment hat die Weltgesundheitsorganisation kein Fieber-Screening von Einreisenden aus den betroffenen Regionen empfohlen. Wir halten uns da strikt an die WHO», sagt Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit zu 20 Minuten. Die Behörde könnte Gesundheits-Checks an den Schweizer Flughäfen anordnen. Zuletzt waren 2003 wegen der Infektionskrankheit Sars an den Flughäfen von Einreisenden als Vorsichtsmassnahme die Personalien aufgenommen worden.

Keine Direktflüge Schweiz-Westafrika

Die Swiss beobachtet seit dem Ausbruch von Ebola die Lage: «Wir haben eine interne Arbeitsgruppe, die sich regelmässig und präventiv trifft, um die aktuellen Entwicklungen zu diskutieren. Diese Arbeitsgruppe kann jederzeit als Taskforce aktiviert werden», sagt Sprecherin Sonja Ptassek. An Bord gebe es Regeln, um einem möglichen Ebola-Fall sofort handhaben zu können.

Direktflüge in die Schweiz aus den von Ebola betroffenen Ländern in Westafrika gibt es nicht. Aber Reisende können zum Beispiel über Brüssel aus Liberia einfliegen oder von der Afrika-Drehscheibe Dubai aus in die Schweiz kommen.

Die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines fliegt weiterhin nach Liberia, das Kabinenpersonal muss dabei nun Handschuhe tragen. Die UNO und die WHO hätten um die Beibehaltung der Flüge gebeten. Denn wichtige technische Ausrüstung und Medikamente sind an Bord der Maschinen der belgischen Fluglinie.

Eine Ansteckung im Flugzeug ist laut Weltluftfahrtorganisation IATA unwahrscheinlich. Das Virus werde nicht über die Luft übertragen, sondern nur durch Körperflüssigkeiten. Ansteckend sei es erst beim Auftreten der ersten Symptome.

Anschluss an die Welt aufrecht erhalten

Die WHO kritisiert die Streichung von Flügen nach Liberia, Guinea oder Sierra Leone durch Airlines wie British Airways, Air France, Emirates oder Kenya Airways. Denn durch das eingeschränkte Flugangebot wird es immer schwieriger, ausreichend Hilfspersonal und -güter in die betroffene Region zu bringen. Zudem ist die dortige Wirtschaft ohnehin durch die vielen unter Quarantäne stehenden Menschen gebeutelt und würde von einem gekappten Anschluss an den Rest der Welt zusätzlich getroffen.

Investoren sehen die Lage indes kritisch: Die Aktien der betroffenen Airlines fielen am Dienstag, dem tag der Nachricht, dass sich auch in Europa jemand infiziert hat, zwischen 4 und 5 Prozent. Schon im September waren die Papiere der Branche um vier Prozent im Vergleich zum Vormonat gefallen. Die Investoren seien nicht nur wegen dem Konjunkturrückgang in Europa und China besorgt, sondern vor allem wegen der Ausbreitung der Ebola-Seuche, teilte die IATA mit.

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